14.12.2016, 3797 Zeichen
So leicht es uns wahrscheinlich fällt, das Ende des heurigen Jahres mit einem tiefen Aufseufzen zu begleiten, so interessant entwickelt sich derzeit der Ausblick auf das kommende Jahr. Neben den bekannten, beinahe schon fix gesetzten Höhepunkten wie Brexit-Konkretisierung oder etlichen Wahlen in Euroland sind es gerade die aktuellen konjunkturellen Veränderungen die auch globale politische Anpassungen ableiten und wahrscheinlich werden lassen. Die Figuren für das globale Agieren in 2017 werden gerade positioniert.
Die sichtbarsten Spieler sind die USA. Dort gilt es die in den letzten Jahren aufgebauten bzw. ersparten ökonomischen Potentiale auch zügig zu nutzen nachdem man sich um den innenpolitischen Rückhalt keine großen Sorgen mehr machen braucht. Frei nach der Devise „Donald wird uns schon raushauen“. Für die Kapitalmärkte durchaus tröstlich und positiv, dass jetzt die Cash-Reserven weniger in Aktienrückkaufprogramme laufen dürften als vielmehr in Investitionen und sei es „nur“ in Infrastruktur.
Japan wiederum scheint irgendwie in seinem Geldmarktexperiment gefangen. Nach anfänglichen BIP-Erfolgen immer wieder Rückfälle und wie seit Jahrzehnten geübt, bleibt immer wieder nur der schwache Yen als Instrument die Exporte zu beleben. Doch konsequent wie Samurais eben sind geht Japan weiter und sei‘s drum am Ende 100% der Staatsschuld im Bauch der Bank of Japan zu wissen. Derzeit sind‘s ja schon bereits 80%.
Der westliche Nachbar Japans macht da schon mehr Lärm. Chinas Wille, wieder die globale Führungsrolle zu übernehmen, kam umgehend ans Licht, als das Softlanding nach Außen als vollendet verkündet wurde. Die pauschal in den Äther entlassenen Maßnahmen und Gedanken Chinas lassen erkennen, dass China auch um diese Führungsposition wieder und weiter kämpfen will. Da ist einmal das Investitionsverbot für allzu kecke Versicherungen die sich angeblich zu sehr im Sumpf von Kursmanipulation verstrickt hatten. Konsequent und ohne große Publicity vollzogen. Da ist aber auch der unbedingte Wille, den Transfer chinesischen Geldvermögens ins Ausland zu unterbinden. Das lässt schon tiefer blicken, denn dass man bestrebt ist, die Kapitalflucht aus Währungssicht in Grenzen zu halten, ist legitim. Dass der Staat selbst es aber ist, der wie noch nie zuvor im Ausland ein Unternehmen nach dem anderen kauft, entlarvt das Ziel selbst die Kontrolle zu behalten auch um den Preis des inneren Stress‘. Dass danach dutzende Auslandsunternehmen um den Return ihrer Investments zu zittern beginnen, ist da wahrscheinlich aber doch zu weit gedacht. Globalisierung stoppt in der Sekunde, wenn die Siemens‘ oder BASF’s dieser Welt auf ihre Dividenden aus dem Ausland verzichten müssten.
Dagegen liegt Europa nicht mehr so im Fokus der globalen Kapitalmärkte. Die Italien-Konsequenz wurde als Schritt in die richtige Richtung verarbeitet. Euroland hat gelernt, sich aus den Politinterpretationen herauszuarbeiten, und das nicht zuletzt dank exzellenter Unternehmensergebnisse. Das aus diesen Ergebnissen abgeleitete Wachstum für 2017 wird stabil sein. Den Märkten tut dies gut.
Eine Spielergruppe hat sich übrigens gerade vom Spielfeld genommen und ist in vorübergehende Volatilitätspause gegangen. Die ölproduzierenden Länder haben 5 vor 12 gelernt, dass die Bewahrung des kleinsten gemeinsamen Nenners (die Preiskontrolle zu erhalten) zum Managen eines Geschäftsmodells ausreicht.
Natürlich werden wir wie fast jedes Jahr auch heuer mit einer Abnahme der Volatilität gegen Jahresende rechnen dürfen. Je weniger Kapitalmarktteilnehmer und je näher der Ultimo, umso weniger machen Schwankungen Sinn. Im Jänner ist das aber wieder anders. Da sind die Standpunkte, so verhüllt sie derzeit noch erscheinen mögen, „ready to show“.
Aber bis dahin … riecht es einmal mehr nach Äpfeln und Nüssen :-)
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