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Gregor Rosinger über die goldene Nase im Crash und die pragmatische Beziehung zum ATX (25 Jahre ATX)

Bild: © Martina Draper/photaq, Gregor Rosinger (Rosinger Group)

Autor:
25 Jahre ATX

Rund um "25 Jahre ATX" haben wir im Dezember 2015 und Jänner 2016 eine grossangelegte Audioproduktion mit dem Ziel einer Fest-CD gemacht. Infos unter http://www.boerse-social.com/25jahreatx . Hier täglich ein Interview transkribiert. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht.

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About: Für die CD-Produktion http://www.boerse-social.com/25jahreatx wurden 33 Telefon-Interviews geführt. Hier täglich ein Interview transkribiert. Heute: Gregor Rosinger, CEO Rosinger Group.. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht, die Transkripte sind ein Versuch. Die Audio-Version des Rosinger-Interviews findet man unter 25 Jahre ATX - Gregor Rosinger: "Statt Hochzeitsreise - Investition in ein russisches Panzerwerk!" das Set "Shirt und Doppel-CD" in der "Ich war dabei!"-Version hat am 9.3. das Funding-Ziel von 100 erreicht, es kann noch bis 14.4. bestellt werden (HIER die Namen der Besteller und die Details des Angebots). 

Frage (Peter Heinrich): Bitte um kurze Vorstellung.

Gregor Rosinger: Gregor Rosinger, Eigentümer der Rosinger Group. Rosinger Group ist ein Finanzhaus auf Österreich, Deutschland, wir sind global tätig, haben in verschiedensten Ländern Unternehmen und meine Position ist, dass ich in den meisten dieser Firmen auch in den Holdings zumindest in der Geschäftsleitung bin oder der CEO bin wie man heute so schön neumodisch sagt.
 
Sie betreiben Wirtschaft als Sport, ehrlich gesagt als Leistungssport, so steht es auf Ihrer Website. Sie haben jetzt gesagt, Sie haben eine Gruppe und Sie haben viele Niederlassungen in vielen Ländern, was befindet sich jetzt alles unter dem Dach der Gruppe?
 
Vielleicht muss ich hier ein bisschen ausholen was wir grundsätzlich machen. Wir sind ein Finanzkonzern, das bedeutet, dass wir eigenes Geld investieren in klassische Unternehmensbeteiligungen, fallweise auch aber im Bereich Immobilien bzw spannende Real Estate Projekte, aber nur dann wenn das wirklich eine special Opportunity ist, das muss kein Sanierungsfall sein, das kann eine gute Lage oder dergleichen auch sein, wo man etwas Besonderes draus macht. Wir haben einen Fokus und da müssen Sie verstehen, wie wir vorgehen, um zu verstehen was wir tun. Der Fokus ist sehr stark industriell geprägt. Wir haben seinerzeit die regionale Mittelstandssicherung erfunden, möglicherweise kennen Sie den Eintrag im Finanzwiki der Universität Zürich, also das Institut für Banking & Finanz über die regionale Mittelstandssicherung. Dort können Sie auch erkennen oder erlesen, dass das wir seinerzeit erfunden haben, das heißt, wir haben damals festgestellt anhand einer Transaktion, anhand eines Projektes, dass es einen wesentlichen Mehrwert bieten kann, wenn man als Investor nicht nur mit Geld reingeht, sondern auch zusätzlich Know-how einbringt und wesentliche Kontakte auch in das Unternehmen gleichzeitig mit dem Investment oder in der Folge danach einbringt. Sie werden jetzt fragen wie sind wir dazu gekommen?
 
Ich frage ..

Das war eine ganz eine schräge Transaktion. Meine Gattin und ich haben 1992 geheiratet und wir haben dann überlegt, was machen wir nach der Hochzeit, Hochzeitsreise macht jeder, Weltreise machen auch viele, dann war die Überlegung, investieren wir gemeinsam. Gut, ich habe vorher investiert gehabt natürlich, ich bin seit 1985 professioneller Investor, meine Gattin ist aus dem Geschäft gekommen, das wäre nichts Besonderes gewesen, nicht schräg genug für nach der Hochzeit und dann haben wir gesagt, lass uns einmal schauen, welche Branche liegt am Boden. Das war jetzt gar kein Börsendeal sondern wir haben einfach geschaut, unabhängig, welche Branche liegt am Boden und wir haben festgestellt, 1992, kalter Krieg vorbei, Rüstung liegt am Boden. Dann haben wir gesagt, dann lass uns doch einen Rüstungsbetrieb kaufen. Auf der anderen Seite hatte ich die einen oder anderen Rüstungsaktien noch aus den Mitte der 80er Jahre im Depot und haben dann gesagt, wenn dann richtig, dann machen wir es gleich richtig in Osteuropa und wenn, naja, dann soll es schon ein russisches Werk sein, weil alles andere ist ja nur eine halbe Sache. Wir haben uns dann auf die Suche gemacht und haben eine russische Panzerfabrik in Ungarn gefunden, und zwar zwischen Budapest und der Ukrainischen Grenze, die hatten zwar schon ein bisschen umgestellt auf zivil, hatten auch schon ein paar Aufträge aus Österreich für ein paar zivile Produkte, aber im wesentlichen, es waren die Märkte eingebrochen, keiner hat Panzerersatzteile gebraucht, die ganz kleinen zivilen Produktionen, die sie schon begonnen hatten, hätten das ganze niemals aufrecht erhalten können. Da haben wir gesagt, dass ist schräg genug, das machen wir.
 
Also das ist wirklich schräg, statt der Hochzeitsreise eine Panzerfabrik zu kaufen. So nebenbei noch, haben Sie die Hochzeitsreise schon mal nachgeholt irgendwann?
 
Wir haben offiziell keine Hochzeitsreise nachgeholt, aber wir haben uns dann wirklich dort hinbegeben und haben gesagt, obwohl wir eine Reihe von anderen Investments auch gehabt haben, haben wir gesagt, dass ist die Geschichte, da können wir zur Legende werden, weil das ist so schräg, auf die Idee kommt keiner. Wir hatten natürlich schon einen Hintergedanken gehabt, warum wir das gemacht haben. Wie wir das Unternehmen geprüft haben und uns angeschaut haben, haben wir festgestellt, es gibt sehr viele Zertifikate von Schweissern, es waren dort Schweisser auch tätig, die Erfahrungen aus anderen Ländern hatten, auch aus der Rüstungsindustrie, also Ungarn, die in der Ukraine geschweisst hatten, vorher bei MIG zB oder in der Flugzeugindustrie oder auch zB echte Ukrainer oder echte Slowaken, die internationale Erfahrungen hatten und dergleichen und es gab im Umfeld auch einen entsprechend großen Maschinenpark, also zur Bearbeitung von großen Teilen, ist klar, für ein derartiges Produktionsunternehmen ist auch das erforderlich und da haben wir dann gesagt, was kann man denn damit tun? Wer dicke Bleche schweissen kann, dicke Spezialstähle, 100, 150mm und noch dickere und bearbeiten kann, wo man daraus Panzer baut, der kann auch Montanmaschinen bauen, der kann auch in den Kraftwerksbau gehen. Und so haben wir das Unternehmen dann umstrukturiert in einen Anlagenbauer mit Fokus nennen wir es „Energietechnische Anlagen“. Das hat begonnen vom Kraftwerkskessel angefangen bis zu Rauchgaskanälen, Wärmetauschern für große Wärmekraftwerke für Städte mit 70, 80.000 bis 100.000 Einwohner oder größer, aber auch für Spezialteile wie zB riesige Generatorgehäuse, für Notstromaggregate zB, die dann in Containern aufgestellt werden oder auch teilweise stationär aufgestellt werden oder auch auf Schiffen oder dergleichen. Sie können sich vorstellen, das sind Gehäuse, die teilweise 7,8,9m lang sind mit Durchmesser von 4,5m, entsprechend auch mechanisch bearbeitet, alles Sondertransporte und dergleichen, da gibt es nicht viel Wettbewerb und natürlich Montanmaschinen, Bergwerksanlagen, Brecheranlagen. Das war vielleicht auch ein bisschen eine sentimentale Geschichte, weil meine Gattin aus einer Montanindustriellenfamilie stammt, das heißt, der Ursprung der Familie dort geht auf die Montanindustrie zurück, dadurch hat uns das auch ganz gut gefallen und es war auch ein Thema, wo wir Geld verdienen konnten und wir haben im Prinzip nur die Strategie vorgegeben, haben viele Leute eingestellt, die wirklich gute Qualität gehabt haben, die Auslandserfahrung gehabt haben, teilweise waren das auch deutsche Staatsbürger, die nach Ungarn arbeiten gegangen sind, weil die Arbeitsbedingungen attraktiv waren und man hat dort wirklich noch etwas bewegen können, was in einer Gesellschaft in München zu dieser Zeit nicht wirklich mehr der Fall war. Der Pioniergeist war dort weg.
 
Sie enablen also nicht nur mit Geld, Sie enablen ein Business, wenn Sie dann mit dem Kapital reingehen. Jetzt hat ja der ATX ein Vierteiljahrhundert auf dem Buckel, glühend frisch und jung, dynamisch würde man jemand mit 25 Jahren bezeichnen, stimmen denn diese Eigenschaften für den ATX?
 
Naja, der ATX muss ich dazu sagen, ist für mich ein sehr spezieller Index in Europa, weil der ATX anders als andere Indizes nicht eine sehr große Marktbreite abbildet, er bildet sie schon ab, aber nicht von den Branchen, sondern der ATX ist eigentlich eine Kombination eines Industrial- & Financeindex, weil das im Prinzip der Fokus des ATX. So gesehen ist er ein etwas speziellerer Index, aber ich persönlich habe ja zum ATX eine ganz andere Beziehung. Sie wissen wahrscheinlich aus dem einen oder anderen Medienbericht oder auch aus meiner Vorangehensweise, dass wir immer,  in nennen wir es marktenge Nebenwerte investieren. Das liegt auch daran, weil wir aufgrund dieser Vorgehensweise etwas bewegen wollen. Einen marktengen Nebenwert, wenn das ein Industrieunternehmen ist, kann ich mir natürlich eine Position aufbauen, die es mir ermöglicht dann auf Hauptversammlungen eigene Beschlussvorschläge zu Tagesordnungspunkten zB einzubringen und zur Abstimmung bringen zu lassen und dergleichen.
 
Das heißt, Sie gehen gerne über diverse Schwellen?
 
Ja, in Österreich sind die Paragraphen etwas anders, aber im Prinzip geht es darum um die klassischen, deutlichen Mitspracherechte zu haben in Aktiengesellschaften um hier auch entsprechende Vorschläge zur Abstimmung bringen zu lassen und natürlich in Diskussionen hier auch entsprechend etwas zu bewegen und damit mittelfristig dem Vorstand einen Input zu geben, den Mitaktionären einen Input zu geben und mittel- bis langfristig vielleicht auch das Ziel zu haben die Richtung etwas zu beeinflussen, damit das Unternehmen nachhaltiger oder in unserem Sinne besser aufzustellen und damit langfristig über einen entsprechenden Exit Geld zu verdienen. Ich will jetzt keine Werte nennen, ich meine Sie kennen es wahrscheinlich aus den Medien, wenn Sie recherchiert haben wo wir drinnen sind, aber dort machen wir das so. Medien schreiben dann immer wieder, wenn ich wieder den einen oder anderen Aufsichtsrat nicht entlasten möchte oder nicht entlastet habe, über andere Sachen wird dann nicht geschrieben, wenn es konstruktive Hauptversammlungen sind aber im Prinzip ist die Situation so, dass das mit Nebenwerten geht, mit dem ATX geht das nicht, weil die Werte sind zu groß. Es ist dort meistens auch die Situation, dass nicht einige wenige Aktionäre das Sagen haben, Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie jetzt zu einer HV gehen wo vielleicht 10, 11, 15 Aktionäre vorhanden sind und dort sind 3,4, die zusammen 60, 70% der Stimmen haben und ich bin einer davon, dann haben wir natürlich die Möglichkeit, wenn man überzeugende Argumente hat, dass man das eine oder andere bewegen kann, weil man andere zum Nachdenken anregen kann. Jetzt stellen Sie sich das vor in einer HV wo 2000 Aktionäre vorhanden sind und der größte Aktionär hat vielleicht 5%, 8%. Das ist extrem schwierig, es wäre unter Umständen möglich, aber ich will mir ehrlich gesagt diese Arbeit nicht antun und ich bin auch keiner, der in amerikanischer Art und Weise emotionale Reden auf Hauptversammlungen hält. Meine Wortmeldungen sind zwar durchaus auch immer lang aber sie sind nicht emotional sondern rein zu Fakten und in die Zukunft gerichtet.
 
Also sind Sie kein Carl Icahn?
 
Nein, das ist genau das Umgekehrte, diese Monologe oder wenn wir jetzt an Filme wie zB Wall Street 1 denken, an Gordon Gecko, wo er meint, das Unternehmen ist so schlecht geführt wie die andere schlecht geführte Firma, die USA, in der heutigen Zeit, wenn ich da von anderen schlecht geführten Firmen reden würde, dann müsste ich mal eine Menge von Europäischen Staaten nennen, das wäre mal Punkt 1, mit einem würde man gar nicht auskommen und das zweite ist die Situation, auf diese Emotion zu setzen, das bringt nichts. Ich bin da eher ein Faktenmensch, also ein knochentrockener der sagt, das ist die Situation, so schätze ich den Markt ein, ich glaube, dass diese und diese Trends kommen und deswegen schlage ich jene Maßnahme vor. Das heißt, gar nicht auf die Emotion zu setzen weil mein Ziel, wen ich ansprechen möchte mit der Wortmeldung, das ist ja nicht der Kleinanleger, der irgendwo 30, 50 oder 100 Aktien auf dem Depot hat, sondern mein Ziel ist, die Aktionäre anzusprechen, die auch eine entsprechende Aktienanzahl haben oder überhaupt vielleicht der größte Aktionär im Unternehmen sind und dort nach und nach mit Argumenten ein Umdenken oder eine Meinungsbildung zu bewegen. Das ist etwas, was durchaus nicht in einem Jahr geht, manchmal braucht man da ein paar Jahre dafür, um das zu bewegen, aber das ist ja auch das Schöne an unserem Vorgangsmodell der regionalen Mittelstandssicherung, dass wir uns als langfristiger Investor sehen, das heißt, wir investieren ja hauptsächlich Kapital aus der Familie oder aus den Familien, das heißt, meine Linie, Gattin Linie und somit ist die Situation so, dass uns ja niemand treibt, dass wir irgendwo nach 3 Jahren oder nach 5 Jahren einen Exit machen müssen. Wir haben Investments, die haben wir schon sehr, sehr lange, über mehrere Jahrzehnte, das sind keine Sachen, die geerbt worden sind sondern investiert worden sind und die immer noch in unserem Asset Anlagevermögen jetzt sind. Ich habe bewusst jetzt gesagt, nicht Portfolio, weil es keine Aktien sind, es handelt sich dort um GmbH-Beteiligungen, aber so etwas hat man durchaus länger im Depot, auch bei Aktien ist es so, dass wir nicht unbedingt nach 18 Monaten, 24 Monaten oder 60 Monaten raus müssen. Wir gehen raus wenn wir möchten. Sie haben vorhin gehört, Werte aus dem Bereich Defense Mitte der 80er Jahre, habe ich immer noch. Mittlerweile auch schon 3 Jahrzehnte.
 
Eine Abschlussfrage zum ATX habe ich noch. Man kann ja den ATX in verschiedene Phasen einteilen. Hat der ATX nach dem Absturz, als er unter die 1000 rutschte, sich eigentlich mit der 2500 Punkte Marke, an der er sich jetzt fleissig festhält, eigentlich nie richtig erholt. Alle anderen Indizes konnte ja Rekorde erzielen, selbst kleine wie S-DAX, aber auch DAX, Dow Jones & Co, alle haben Rekorde. Was ist mit dem ATX los?
 
Ich sehe das aufgrund des Branchenmitxes, das ist die Thematik. Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie sich jetzt zB die amerikanische Börse anschauen, dann haben Sie doch in den letzten Jahren eine Menge von Aktien gehabt, die nur einen Teil ihres Erholungspotenzials wettgemacht haben aber die hatten einige High Flyer, wie zB einen Facebook, sie hatten ein Apple und dergleichen. Schauen Sie sich die österreichische Wirtschaft an. In Österreich haben Sie Industrie und Finanz, Industrie teilweise ostlastig, läuft gar nicht schlecht, weil die Wachstumsraten in Ländern wie Ungarn, Slowakei und dergleichen, Rumänien, deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone liegen, aber es ist Industrie und bei Industrie ist man einfach in moderaten Wachstumsraten. Auf der anderen Seite haben Sie im ATX natürlich Finanzwerte drinnen. Finanzwerte, die teilweise auch sehr stark sagen wir auf Osteuropa bzw. teilweise auch auf Russland fokussiert sind. Denken Sie an eine Raiffeisen. Wenn hier natürlich ein oder mehrere Marktgewichte aufgrund von möglicherweise nicht liquiditätswirksamen Abschreibungen auf Beteiligungen nach unten gehen, dann haben Sie natürlich etwas, was einem durchaus positiv laufenden Industriegeschäft entgegenstehen kann. Wobei man beim Industriegeschäft natürlich auch dazu sagen muss, wir sind jetzt mittlerweile in einer Abschwungphase in bestimmten Branchen, denken Sie an die Stahlindustrie, weltweit läuft die voestalpine gesehen relativ noch sehr, sehr gut, operativ als Unternehmen, aber natürlich wird die voestalpine Aktie in den nächsten Monaten kein High Flyer sein, der sich verdoppelt und das sind natürlich die Effekte, die den ATX von der Seite her zurückholen und aufgrund dieses Branchenmixes aus Industrie und Finanz, der sich momentan ein bisschen gegenseitig beeinflusst hat bzw wenn das eine gut gelaufen ist, ist das andere schlecht gelaufen, relativiert hat, hat es natürlich Ausschläge in die eine oder andere Richtung gegeben, die man sehr wohl nützen hat können. Ich persönlich investiere zwar nur selten in ATX Werte, aber ich investiere sehr wohl in Optionsstrategien, in kombinierte Optionsstrategien, mit dem unterliegenden Basiswert ATX, wo ich in volatilen Marktphasen sowohl Kombinationen aus Calls und Puts, als auch, wenn für mich die Situation sehr eindeutig ist, Call, Call, Put oder Call, Call, Call oder Put, Put, Put oder Put, Call Strategien einsetze, das heißt, es sind im Prinzip Strategien, wo ich auf unterschiedliche oder gleiche Basispreise mit unterschiedlichen Laufzeiten arbeite und damit Geld verdienen kann. Dieses Modell habe ich seit Mitte der 80er Jahre angewendet, zuerst auf Einzelwerte, dann auch zunehmend auf internationale Indizes, wie zB den Dow Jones. Ich war mit einer entsprechenden Strategie im Markt als der Börsecrash 1987 war. Meine Puts sind explodiert, ich habe mir eine goldene Nase verdient. Ich kann mich noch gut erinnern, ich bin damals durch die Grazer Innenstadt gezogen, ich bin kein Grazer muss ich dazu sagen, aber ich war damals in Graz, weil ich damals studiert hatte in Graz, obwohl ich eben schon als Investor damals beruflich davon gelebt habe, mit der Champagner Flasche und wollte eigentlich mit ein paar Bankern eines Bankhauses, das dann nachher leider insolvent geworden ist, feiern. Ich habe nicht verstanden, dass die auf der anderen Seite waren. Denen war nicht nach Feiern zumute. Aber mittlerweile redet man nicht darüber wenn man irgendwo aufgrund von einem Indexeinbruch oder dergleichen Geld verdient, aber man kann das machen und nicht immer muss ein Markt nach oben gehen, damit es in den GuVs und Bilanzen von Finanzhäusern gut ausschaut. Ich persönlich sehe das wirklich sehr pragmatisch. Wenn Sie mich nach meiner Beziehung zum ATX fragen als Beispiel, würde ich sagen, dass ich wahrscheinlich eine sehr untypische oder vielleicht die untypischte Beziehung der österreichischen Investoren zum ATX habe. Es ist auf keinen Fall eine romantische Beziehung mit der ATX wo ich ihn irgendwo verkläre oder ihn irgendwo als Abbild der Österreichischen Wirtschaft betrachte. Er ist ein Werkzeug, das volatil sein kann, ich verdiene damit Geld und am Ende zählt für professionelle Investoren nämlich nur das.

Börsevorstand Michael Buhl über ATX, ÖTOB, Osteuropa, Banken, FinTechs (25 Jahre ATX)

 

(27.03.2016)



 

Bildnachweis

1. Gregor Rosinger (Rosinger Group) , (© Martina Draper/photaq)   >> Öffnen auf photaq.com

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    About: Für die CD-Produktion http://www.boerse-social.com/25jahreatx wurden 33 Telefon-Interviews geführt. Hier täglich ein Interview transkribiert. Heute: Gregor Rosinger, CEO Rosinger Group.. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht, die Transkripte sind ein Versuch. Die Audio-Version des Rosinger-Interviews findet man unter 25 Jahre ATX - Gregor Rosinger: "Statt Hochzeitsreise - Investition in ein russisches Panzerwerk!" das Set "Shirt und Doppel-CD" in der "Ich war dabei!"-Version hat am 9.3. das Funding-Ziel von 100 erreicht, es kann noch bis 14.4. bestellt werden (HIER die Namen der Besteller und die Details des Angebots). 

    Frage (Peter Heinrich): Bitte um kurze Vorstellung.

    Gregor Rosinger: Gregor Rosinger, Eigentümer der Rosinger Group. Rosinger Group ist ein Finanzhaus auf Österreich, Deutschland, wir sind global tätig, haben in verschiedensten Ländern Unternehmen und meine Position ist, dass ich in den meisten dieser Firmen auch in den Holdings zumindest in der Geschäftsleitung bin oder der CEO bin wie man heute so schön neumodisch sagt.
     
    Sie betreiben Wirtschaft als Sport, ehrlich gesagt als Leistungssport, so steht es auf Ihrer Website. Sie haben jetzt gesagt, Sie haben eine Gruppe und Sie haben viele Niederlassungen in vielen Ländern, was befindet sich jetzt alles unter dem Dach der Gruppe?
     
    Vielleicht muss ich hier ein bisschen ausholen was wir grundsätzlich machen. Wir sind ein Finanzkonzern, das bedeutet, dass wir eigenes Geld investieren in klassische Unternehmensbeteiligungen, fallweise auch aber im Bereich Immobilien bzw spannende Real Estate Projekte, aber nur dann wenn das wirklich eine special Opportunity ist, das muss kein Sanierungsfall sein, das kann eine gute Lage oder dergleichen auch sein, wo man etwas Besonderes draus macht. Wir haben einen Fokus und da müssen Sie verstehen, wie wir vorgehen, um zu verstehen was wir tun. Der Fokus ist sehr stark industriell geprägt. Wir haben seinerzeit die regionale Mittelstandssicherung erfunden, möglicherweise kennen Sie den Eintrag im Finanzwiki der Universität Zürich, also das Institut für Banking & Finanz über die regionale Mittelstandssicherung. Dort können Sie auch erkennen oder erlesen, dass das wir seinerzeit erfunden haben, das heißt, wir haben damals festgestellt anhand einer Transaktion, anhand eines Projektes, dass es einen wesentlichen Mehrwert bieten kann, wenn man als Investor nicht nur mit Geld reingeht, sondern auch zusätzlich Know-how einbringt und wesentliche Kontakte auch in das Unternehmen gleichzeitig mit dem Investment oder in der Folge danach einbringt. Sie werden jetzt fragen wie sind wir dazu gekommen?
     
    Ich frage ..

    Das war eine ganz eine schräge Transaktion. Meine Gattin und ich haben 1992 geheiratet und wir haben dann überlegt, was machen wir nach der Hochzeit, Hochzeitsreise macht jeder, Weltreise machen auch viele, dann war die Überlegung, investieren wir gemeinsam. Gut, ich habe vorher investiert gehabt natürlich, ich bin seit 1985 professioneller Investor, meine Gattin ist aus dem Geschäft gekommen, das wäre nichts Besonderes gewesen, nicht schräg genug für nach der Hochzeit und dann haben wir gesagt, lass uns einmal schauen, welche Branche liegt am Boden. Das war jetzt gar kein Börsendeal sondern wir haben einfach geschaut, unabhängig, welche Branche liegt am Boden und wir haben festgestellt, 1992, kalter Krieg vorbei, Rüstung liegt am Boden. Dann haben wir gesagt, dann lass uns doch einen Rüstungsbetrieb kaufen. Auf der anderen Seite hatte ich die einen oder anderen Rüstungsaktien noch aus den Mitte der 80er Jahre im Depot und haben dann gesagt, wenn dann richtig, dann machen wir es gleich richtig in Osteuropa und wenn, naja, dann soll es schon ein russisches Werk sein, weil alles andere ist ja nur eine halbe Sache. Wir haben uns dann auf die Suche gemacht und haben eine russische Panzerfabrik in Ungarn gefunden, und zwar zwischen Budapest und der Ukrainischen Grenze, die hatten zwar schon ein bisschen umgestellt auf zivil, hatten auch schon ein paar Aufträge aus Österreich für ein paar zivile Produkte, aber im wesentlichen, es waren die Märkte eingebrochen, keiner hat Panzerersatzteile gebraucht, die ganz kleinen zivilen Produktionen, die sie schon begonnen hatten, hätten das ganze niemals aufrecht erhalten können. Da haben wir gesagt, dass ist schräg genug, das machen wir.
     
    Also das ist wirklich schräg, statt der Hochzeitsreise eine Panzerfabrik zu kaufen. So nebenbei noch, haben Sie die Hochzeitsreise schon mal nachgeholt irgendwann?
     
    Wir haben offiziell keine Hochzeitsreise nachgeholt, aber wir haben uns dann wirklich dort hinbegeben und haben gesagt, obwohl wir eine Reihe von anderen Investments auch gehabt haben, haben wir gesagt, dass ist die Geschichte, da können wir zur Legende werden, weil das ist so schräg, auf die Idee kommt keiner. Wir hatten natürlich schon einen Hintergedanken gehabt, warum wir das gemacht haben. Wie wir das Unternehmen geprüft haben und uns angeschaut haben, haben wir festgestellt, es gibt sehr viele Zertifikate von Schweissern, es waren dort Schweisser auch tätig, die Erfahrungen aus anderen Ländern hatten, auch aus der Rüstungsindustrie, also Ungarn, die in der Ukraine geschweisst hatten, vorher bei MIG zB oder in der Flugzeugindustrie oder auch zB echte Ukrainer oder echte Slowaken, die internationale Erfahrungen hatten und dergleichen und es gab im Umfeld auch einen entsprechend großen Maschinenpark, also zur Bearbeitung von großen Teilen, ist klar, für ein derartiges Produktionsunternehmen ist auch das erforderlich und da haben wir dann gesagt, was kann man denn damit tun? Wer dicke Bleche schweissen kann, dicke Spezialstähle, 100, 150mm und noch dickere und bearbeiten kann, wo man daraus Panzer baut, der kann auch Montanmaschinen bauen, der kann auch in den Kraftwerksbau gehen. Und so haben wir das Unternehmen dann umstrukturiert in einen Anlagenbauer mit Fokus nennen wir es „Energietechnische Anlagen“. Das hat begonnen vom Kraftwerkskessel angefangen bis zu Rauchgaskanälen, Wärmetauschern für große Wärmekraftwerke für Städte mit 70, 80.000 bis 100.000 Einwohner oder größer, aber auch für Spezialteile wie zB riesige Generatorgehäuse, für Notstromaggregate zB, die dann in Containern aufgestellt werden oder auch teilweise stationär aufgestellt werden oder auch auf Schiffen oder dergleichen. Sie können sich vorstellen, das sind Gehäuse, die teilweise 7,8,9m lang sind mit Durchmesser von 4,5m, entsprechend auch mechanisch bearbeitet, alles Sondertransporte und dergleichen, da gibt es nicht viel Wettbewerb und natürlich Montanmaschinen, Bergwerksanlagen, Brecheranlagen. Das war vielleicht auch ein bisschen eine sentimentale Geschichte, weil meine Gattin aus einer Montanindustriellenfamilie stammt, das heißt, der Ursprung der Familie dort geht auf die Montanindustrie zurück, dadurch hat uns das auch ganz gut gefallen und es war auch ein Thema, wo wir Geld verdienen konnten und wir haben im Prinzip nur die Strategie vorgegeben, haben viele Leute eingestellt, die wirklich gute Qualität gehabt haben, die Auslandserfahrung gehabt haben, teilweise waren das auch deutsche Staatsbürger, die nach Ungarn arbeiten gegangen sind, weil die Arbeitsbedingungen attraktiv waren und man hat dort wirklich noch etwas bewegen können, was in einer Gesellschaft in München zu dieser Zeit nicht wirklich mehr der Fall war. Der Pioniergeist war dort weg.
     
    Sie enablen also nicht nur mit Geld, Sie enablen ein Business, wenn Sie dann mit dem Kapital reingehen. Jetzt hat ja der ATX ein Vierteiljahrhundert auf dem Buckel, glühend frisch und jung, dynamisch würde man jemand mit 25 Jahren bezeichnen, stimmen denn diese Eigenschaften für den ATX?
     
    Naja, der ATX muss ich dazu sagen, ist für mich ein sehr spezieller Index in Europa, weil der ATX anders als andere Indizes nicht eine sehr große Marktbreite abbildet, er bildet sie schon ab, aber nicht von den Branchen, sondern der ATX ist eigentlich eine Kombination eines Industrial- & Financeindex, weil das im Prinzip der Fokus des ATX. So gesehen ist er ein etwas speziellerer Index, aber ich persönlich habe ja zum ATX eine ganz andere Beziehung. Sie wissen wahrscheinlich aus dem einen oder anderen Medienbericht oder auch aus meiner Vorangehensweise, dass wir immer,  in nennen wir es marktenge Nebenwerte investieren. Das liegt auch daran, weil wir aufgrund dieser Vorgehensweise etwas bewegen wollen. Einen marktengen Nebenwert, wenn das ein Industrieunternehmen ist, kann ich mir natürlich eine Position aufbauen, die es mir ermöglicht dann auf Hauptversammlungen eigene Beschlussvorschläge zu Tagesordnungspunkten zB einzubringen und zur Abstimmung bringen zu lassen und dergleichen.
     
    Das heißt, Sie gehen gerne über diverse Schwellen?
     
    Ja, in Österreich sind die Paragraphen etwas anders, aber im Prinzip geht es darum um die klassischen, deutlichen Mitspracherechte zu haben in Aktiengesellschaften um hier auch entsprechende Vorschläge zur Abstimmung bringen zu lassen und natürlich in Diskussionen hier auch entsprechend etwas zu bewegen und damit mittelfristig dem Vorstand einen Input zu geben, den Mitaktionären einen Input zu geben und mittel- bis langfristig vielleicht auch das Ziel zu haben die Richtung etwas zu beeinflussen, damit das Unternehmen nachhaltiger oder in unserem Sinne besser aufzustellen und damit langfristig über einen entsprechenden Exit Geld zu verdienen. Ich will jetzt keine Werte nennen, ich meine Sie kennen es wahrscheinlich aus den Medien, wenn Sie recherchiert haben wo wir drinnen sind, aber dort machen wir das so. Medien schreiben dann immer wieder, wenn ich wieder den einen oder anderen Aufsichtsrat nicht entlasten möchte oder nicht entlastet habe, über andere Sachen wird dann nicht geschrieben, wenn es konstruktive Hauptversammlungen sind aber im Prinzip ist die Situation so, dass das mit Nebenwerten geht, mit dem ATX geht das nicht, weil die Werte sind zu groß. Es ist dort meistens auch die Situation, dass nicht einige wenige Aktionäre das Sagen haben, Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie jetzt zu einer HV gehen wo vielleicht 10, 11, 15 Aktionäre vorhanden sind und dort sind 3,4, die zusammen 60, 70% der Stimmen haben und ich bin einer davon, dann haben wir natürlich die Möglichkeit, wenn man überzeugende Argumente hat, dass man das eine oder andere bewegen kann, weil man andere zum Nachdenken anregen kann. Jetzt stellen Sie sich das vor in einer HV wo 2000 Aktionäre vorhanden sind und der größte Aktionär hat vielleicht 5%, 8%. Das ist extrem schwierig, es wäre unter Umständen möglich, aber ich will mir ehrlich gesagt diese Arbeit nicht antun und ich bin auch keiner, der in amerikanischer Art und Weise emotionale Reden auf Hauptversammlungen hält. Meine Wortmeldungen sind zwar durchaus auch immer lang aber sie sind nicht emotional sondern rein zu Fakten und in die Zukunft gerichtet.
     
    Also sind Sie kein Carl Icahn?
     
    Nein, das ist genau das Umgekehrte, diese Monologe oder wenn wir jetzt an Filme wie zB Wall Street 1 denken, an Gordon Gecko, wo er meint, das Unternehmen ist so schlecht geführt wie die andere schlecht geführte Firma, die USA, in der heutigen Zeit, wenn ich da von anderen schlecht geführten Firmen reden würde, dann müsste ich mal eine Menge von Europäischen Staaten nennen, das wäre mal Punkt 1, mit einem würde man gar nicht auskommen und das zweite ist die Situation, auf diese Emotion zu setzen, das bringt nichts. Ich bin da eher ein Faktenmensch, also ein knochentrockener der sagt, das ist die Situation, so schätze ich den Markt ein, ich glaube, dass diese und diese Trends kommen und deswegen schlage ich jene Maßnahme vor. Das heißt, gar nicht auf die Emotion zu setzen weil mein Ziel, wen ich ansprechen möchte mit der Wortmeldung, das ist ja nicht der Kleinanleger, der irgendwo 30, 50 oder 100 Aktien auf dem Depot hat, sondern mein Ziel ist, die Aktionäre anzusprechen, die auch eine entsprechende Aktienanzahl haben oder überhaupt vielleicht der größte Aktionär im Unternehmen sind und dort nach und nach mit Argumenten ein Umdenken oder eine Meinungsbildung zu bewegen. Das ist etwas, was durchaus nicht in einem Jahr geht, manchmal braucht man da ein paar Jahre dafür, um das zu bewegen, aber das ist ja auch das Schöne an unserem Vorgangsmodell der regionalen Mittelstandssicherung, dass wir uns als langfristiger Investor sehen, das heißt, wir investieren ja hauptsächlich Kapital aus der Familie oder aus den Familien, das heißt, meine Linie, Gattin Linie und somit ist die Situation so, dass uns ja niemand treibt, dass wir irgendwo nach 3 Jahren oder nach 5 Jahren einen Exit machen müssen. Wir haben Investments, die haben wir schon sehr, sehr lange, über mehrere Jahrzehnte, das sind keine Sachen, die geerbt worden sind sondern investiert worden sind und die immer noch in unserem Asset Anlagevermögen jetzt sind. Ich habe bewusst jetzt gesagt, nicht Portfolio, weil es keine Aktien sind, es handelt sich dort um GmbH-Beteiligungen, aber so etwas hat man durchaus länger im Depot, auch bei Aktien ist es so, dass wir nicht unbedingt nach 18 Monaten, 24 Monaten oder 60 Monaten raus müssen. Wir gehen raus wenn wir möchten. Sie haben vorhin gehört, Werte aus dem Bereich Defense Mitte der 80er Jahre, habe ich immer noch. Mittlerweile auch schon 3 Jahrzehnte.
     
    Eine Abschlussfrage zum ATX habe ich noch. Man kann ja den ATX in verschiedene Phasen einteilen. Hat der ATX nach dem Absturz, als er unter die 1000 rutschte, sich eigentlich mit der 2500 Punkte Marke, an der er sich jetzt fleissig festhält, eigentlich nie richtig erholt. Alle anderen Indizes konnte ja Rekorde erzielen, selbst kleine wie S-DAX, aber auch DAX, Dow Jones & Co, alle haben Rekorde. Was ist mit dem ATX los?
     
    Ich sehe das aufgrund des Branchenmitxes, das ist die Thematik. Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie sich jetzt zB die amerikanische Börse anschauen, dann haben Sie doch in den letzten Jahren eine Menge von Aktien gehabt, die nur einen Teil ihres Erholungspotenzials wettgemacht haben aber die hatten einige High Flyer, wie zB einen Facebook, sie hatten ein Apple und dergleichen. Schauen Sie sich die österreichische Wirtschaft an. In Österreich haben Sie Industrie und Finanz, Industrie teilweise ostlastig, läuft gar nicht schlecht, weil die Wachstumsraten in Ländern wie Ungarn, Slowakei und dergleichen, Rumänien, deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone liegen, aber es ist Industrie und bei Industrie ist man einfach in moderaten Wachstumsraten. Auf der anderen Seite haben Sie im ATX natürlich Finanzwerte drinnen. Finanzwerte, die teilweise auch sehr stark sagen wir auf Osteuropa bzw. teilweise auch auf Russland fokussiert sind. Denken Sie an eine Raiffeisen. Wenn hier natürlich ein oder mehrere Marktgewichte aufgrund von möglicherweise nicht liquiditätswirksamen Abschreibungen auf Beteiligungen nach unten gehen, dann haben Sie natürlich etwas, was einem durchaus positiv laufenden Industriegeschäft entgegenstehen kann. Wobei man beim Industriegeschäft natürlich auch dazu sagen muss, wir sind jetzt mittlerweile in einer Abschwungphase in bestimmten Branchen, denken Sie an die Stahlindustrie, weltweit läuft die voestalpine gesehen relativ noch sehr, sehr gut, operativ als Unternehmen, aber natürlich wird die voestalpine Aktie in den nächsten Monaten kein High Flyer sein, der sich verdoppelt und das sind natürlich die Effekte, die den ATX von der Seite her zurückholen und aufgrund dieses Branchenmixes aus Industrie und Finanz, der sich momentan ein bisschen gegenseitig beeinflusst hat bzw wenn das eine gut gelaufen ist, ist das andere schlecht gelaufen, relativiert hat, hat es natürlich Ausschläge in die eine oder andere Richtung gegeben, die man sehr wohl nützen hat können. Ich persönlich investiere zwar nur selten in ATX Werte, aber ich investiere sehr wohl in Optionsstrategien, in kombinierte Optionsstrategien, mit dem unterliegenden Basiswert ATX, wo ich in volatilen Marktphasen sowohl Kombinationen aus Calls und Puts, als auch, wenn für mich die Situation sehr eindeutig ist, Call, Call, Put oder Call, Call, Call oder Put, Put, Put oder Put, Call Strategien einsetze, das heißt, es sind im Prinzip Strategien, wo ich auf unterschiedliche oder gleiche Basispreise mit unterschiedlichen Laufzeiten arbeite und damit Geld verdienen kann. Dieses Modell habe ich seit Mitte der 80er Jahre angewendet, zuerst auf Einzelwerte, dann auch zunehmend auf internationale Indizes, wie zB den Dow Jones. Ich war mit einer entsprechenden Strategie im Markt als der Börsecrash 1987 war. Meine Puts sind explodiert, ich habe mir eine goldene Nase verdient. Ich kann mich noch gut erinnern, ich bin damals durch die Grazer Innenstadt gezogen, ich bin kein Grazer muss ich dazu sagen, aber ich war damals in Graz, weil ich damals studiert hatte in Graz, obwohl ich eben schon als Investor damals beruflich davon gelebt habe, mit der Champagner Flasche und wollte eigentlich mit ein paar Bankern eines Bankhauses, das dann nachher leider insolvent geworden ist, feiern. Ich habe nicht verstanden, dass die auf der anderen Seite waren. Denen war nicht nach Feiern zumute. Aber mittlerweile redet man nicht darüber wenn man irgendwo aufgrund von einem Indexeinbruch oder dergleichen Geld verdient, aber man kann das machen und nicht immer muss ein Markt nach oben gehen, damit es in den GuVs und Bilanzen von Finanzhäusern gut ausschaut. Ich persönlich sehe das wirklich sehr pragmatisch. Wenn Sie mich nach meiner Beziehung zum ATX fragen als Beispiel, würde ich sagen, dass ich wahrscheinlich eine sehr untypische oder vielleicht die untypischte Beziehung der österreichischen Investoren zum ATX habe. Es ist auf keinen Fall eine romantische Beziehung mit der ATX wo ich ihn irgendwo verkläre oder ihn irgendwo als Abbild der Österreichischen Wirtschaft betrachte. Er ist ein Werkzeug, das volatil sein kann, ich verdiene damit Geld und am Ende zählt für professionelle Investoren nämlich nur das.

    Börsevorstand Michael Buhl über ATX, ÖTOB, Osteuropa, Banken, FinTechs (25 Jahre ATX)

     

    (27.03.2016)



     

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