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Armin Wolf schreibt, warum die Sicherheit nicht wiederkommen wird (Christian Drastil)

Bild: © win2, Armin Wolf

Autor:
Christian Drastil

Der Namensgeber des Blogs. Ich funktioniere nach dem Motto "Trial, Error & Learning". Mehrjährige Business Pläne passen einfach nicht zu mir. Zu schnell (ver)ändert sich die Welt, in der wir leben. Damit bin ich wohl nicht konzernkompatibel sondern lieber ein alter Jungunternehmer. Ein lupenreiner Digital Immigrant ohne auch nur einen Funken Programmier-Know-How, aber - wie manche sagen - vielleicht mit einem ausgeprägten Gespür für Geschäftsmodelle, die funktionieren. Der Versuch, Finanzmedien mit Sport, Musik und schrägen Ideen positiv aufzuladen, um Financial Literacy für ein grosses Publikum spannend zu machen, steht im Mittelpunkt. Diese Dinge sind mein Berufsleben und ich arbeite gerne. Der Blog soll u.a. zeigen, wie alles zusammenhängt und welches Bigger Picture angestrebt wird.
Christian Drastil

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19.08.2015, 8126 Zeichen

 Armin Wolf hat sich Zeit für eine ausführliche Einschätzung genommen, die ich in weiten Teilen teile, daher auch hier teile ...

"WARUM DIE SICHERHEIT NICHT WIEDERKOMMT

Ich bin Jahrgang 1966, also vor allem in den 1970er Jahren aufgewachsen, als im Fernsehen die Sparbuch-Werbung unten lief. Das war im Großen und Ganzen eine feine Zeit. Die einzige "Krise", die wir Kinder mitbekamen, war, als eine Zeit lang jede Familie einen Tag pro Woche auf ihr Auto verzichten musste, um Benzin zu sparen (an welchem Tag – dazu musste man ein Pickerl aufs Auto kleben).

Ich glaube, dass heute sehr viele Menschen in Österreich eine große Sehnsucht nach dieser Zeit haben. Nur: Sie wird nicht wiederkommen. Weil diese Zeit ein einmaliger, (für uns) glücklicher Zufall in der Geschichte war.

Es geht gar nicht konkret um die 1970er, sondern um ein Lebensgefühl. Um die Übersichtlichkeit von damals, die Ordnung und die alltägliche Grundsicherheit – dass es Arbeit gibt und die Wirtschaft wächst, dass Papa nächstes Jahr mehr verdienen wird als heuer und in fünf Jahren noch mehr, dass man sich keine grundsätzlichen Sorgen machen muss. Und völlig klar war, dass es den Kindern einmal besser gehen wird – jedenfalls aber nie wieder so schlecht wie unseren Großeltern oder Eltern, die einen Krieg und die große Not danach erleben mussten. Das Wirtschaftswunder war in den 1970ern schon vorbei, das Land wieder aufgebaut, es herrschte „Vollbeschäftigung“, Kreisky regierte mit absoluter Mehrheit (was in Tirol wirklich nicht allen gefiel) und es ging – scheinbar für immer – aufwärts. Kurz: es war nicht alles perfekt, aber man musste jedenfalls keine Angst vor der Zukunft haben. Im Gegenteil.

Heute haben sehr viele Menschen Angst vor der Zukunft. Fast eine halbe Million ist arbeitslos, wer nicht selbst betroffen ist, kennt jemanden und fast jeder merkt, wie der Druck am Arbeitsplatz steigt. Wer über Mitte 40 ist, macht sich häufig Sorgen um den eigenen Job, auch in Branchen, in denen das früher nicht so war – und vor allem um die Zukunft seiner Kinder. Dass die es mal besser haben werden, ist keineswegs gewiss, in vielen Mittelstandsfamilien sogar eher fraglich.

In den Nachrichten laufen bad news ohne Ende, alleine gestern: Terror in Bangkok, wieder Kämpfe in der Ukraine, IS-Offensive in Syrien, Griechenland-Milliarden und Asylkrise, Flüchtlinge, Zuwanderer. 8.500 neue Asylanträge in Österreich alleine im Juli, bis zu 80.000 in diesem Jahr, 80 Prozent davon aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Auch in den 1970ern gab es Ausländer in Österreich: Türken und „Jugos“, Gastarbeiter und ihre Familien, die ab Mitte der 60er Jahre hierher geholt wurden, weil es zu wenige einheimische Arbeitskräfte gab. Selbst in den 70er Jahren hörte man Erwachsene schon über die „Tschuschn“ schimpfen, nicht umsonst entstand damals das berühmte Plakat „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns‘ zu dir Tschusch?“ Aber kaum jemand fühlte sich von Ausländern bedroht.

Nicht wenige Menschen würden gerne wieder dorthin zurück. Sie haben Angst „fremd im eigenen Land“ zu werden, um ihre Jobs, vor der Zukunft, Angst vor der Unübersichtlichkeit und der Ungewissheit. In ihrer Erinnerung war damals praktisch alles besser. Und weil das war, als es noch den Schilling gab und Grenzkontrollen und keine EU-Mitgliedschaft, glauben viele, „die EU“ sei daran schuld. Und wäre Österreich „nicht dabei“, hätten "wir" weder eine Euro-Krise, noch Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien und die Grenzen könnten wir auch wieder zusperren.

Was sie dabei übersehen ist, dass die Probleme wenig mit dem EU-Beitritt zu tun haben (obwohl man die Euro-Einführung für keinen Geniestreich halten muss). Es ist nur ein ungefähres zeitliches Zusammentreffen. Diese Phase, an die sich viele als so gut und sicher zurückerinnern, war nicht mehr als ein einmaliges historisches Zeitfenster von wenigen Jahrzehnten zwischen ca. 1960 und den frühen 1990ern. Die ärgste Not nach dem Krieg war vorbei, die Wirtschaft wuchs quasi automatisch und die großen Probleme der Welt waren von uns weggesperrt: Hinter dem Eisernen Vorhang im Osten Europas und in den grauslichen Diktaturen Nordafrikas und des Nahen Ostens.

Aber dieses Zeitfenster ist vorbei. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft und zuletzt mit dem „Arabischen Frühling“ ist die Geschichte zurückgekehrt. 
Die Not im Osten Europas, in Vorderasien und Nordafrika ist nicht mehr hinter Mauern und in Diktaturen eingekerkert, die Menschen dort können sich ebenso frei bewegen wie wir. Sie können sich ein besseres Leben suchen – weg von (Bürger-)Krieg, IS- oder Boko Haram-Terror, neuen Diktatoren und wirtschaftlicher Not. Und weil es Facebook, YouTube und Google auch in Syrien, im Irak und Eritrea gibt, braucht es kein „Westfernsehen“ mehr wie einst in der DDR, um zu sehen, wie ein besseres und friedlicheres Dasein aussehen kann.

Über Jahrhunderte hinweg sind Menschen in Massen gewandert, um neue Länder zu erobern, vor Kriegen und Hungersnöten zu fliehen oder um sich und ihren Familien eine neue Heimat suchen. Heute will kein fremdes Heer mehr das „Abendland“ erobern. Aber für Millionen, die nicht sehr weit von uns entfernt in Kriegsgebieten und großer Not leben, ist Europa ein ungeheuer attraktives Ziel. Wir werden sie schlicht nicht daran hindern können, zu kommen oder es zumindest zu versuchen. Im Vergleich zum täglichen Bombenterror in Aleppo sind auch das Chaos in Traiskirchen, der „Dschungel“ in Calais, das Zeltlager in Bayern und die endlose Reise nach Schweden attraktiv. Schon deswegen, weil hier Frieden herrscht. 

Die Frage ist, ob unsere Gesellschaften und unsere Demokratien in der Lage sind, mit dieser Herausforderung umzugehen? Oder ob wir die 1930er Jahre wiederholen wollen? Damals waren die Demokratien in Europa noch jung. Und nur in wenigen Ländern haben sie die Weltwirtschaftskrise samt Massenarbeitslosigkeit überstanden. Der vermeintliche Ausweg aus der großen Krise war für viele Menschen damals die Flucht in den Nationalismus - mit allen bekannten, katastrophalen Folgen. In den letzten Jahrzehnten waren wir uns alle sicher, dass sich das nie mehr wiederholen kann.

Aber können wir uns wirklich sicher sein? Wer auf Facebook liest, welche Wut, welche Aggression und welcher Hass da hinausgebrüllt wird, großteils mit Namen und Foto, kann kaum daran zweifeln, dass sich auch heute wieder „Reibpartien“ organisieren ließen wie 1938. Das Bedürfnis, anderen die Schuld dafür zu geben, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie mal war, ist bei vielen Menschen beängstigend groß.

Ich bin mir nicht sicher, wie „krisenfest“ unsere Demokratien sind – in den letzten 70 Jahren haben sie ja kaum Krisen erlebt. Dementsprechend fehlt vielen Politikern auch die Erfahrung mit Krisen. Sie wirken überfordert und immer weniger Menschen trauen ihnen zu, die neuen Probleme zu lösen. (Die Unfähigkeit der EU-Regierungen, sich auch nur über Länderquoten für Flüchtlinge zu einigen, liefert ja auch ein erschütterndes Beispiel dafür.) 
Der Frust mit traditionellen Parteien und die Verachtung etablierter Politiker erreichen Werte, die erschreckend sind. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Politikern, die ihnen den Eindruck vermitteln, sie könnten die Geschichte irgendwie zurückdrehen: Wenn sie an der Macht wären, würden die Probleme (wie auch immer, Details sind da nicht so wichtig) einfach wieder weggehen. Es wäre … wie früher.

Die Sehnsucht danach, dass es so ordentlich, gemütlich und friedlich wird wie damals, als Mama und Papa sich um die Probleme kümmerten und einen vor der bösen Welt beschützten, ist verständlich – aber eben kindlich. 
Erwachsenen, die sich an die 1970er erinnern können, sollte klar sein, dass sie jetzt Mama und Papa sind und die Probleme selber lösen müssen – und auch mit manchen Problemen leben. Die Sicherheit von damals kommt nie mehr wieder, auch wenn wir es uns noch so wünschen. 

Die Welt ändert sich – und es wird auch kein „starker Mann“ die Geschichte zurückdrehen. Das ist übrigens das Einzige, was man verlässlich aus der Geschichte lernen kann: die Versuche mit den „starken Männern“, die gehen nie gut aus."


(19.08.2015)

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Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Wiener Börse Party #1156: Mai-Verfallstag mit zunächst fallendem ATX, Verbund gesucht, am Fenstertag wenige News, aber viel Research




 

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    19.08.2015, 8126 Zeichen

     Armin Wolf hat sich Zeit für eine ausführliche Einschätzung genommen, die ich in weiten Teilen teile, daher auch hier teile ...

    "WARUM DIE SICHERHEIT NICHT WIEDERKOMMT

    Ich bin Jahrgang 1966, also vor allem in den 1970er Jahren aufgewachsen, als im Fernsehen die Sparbuch-Werbung unten lief. Das war im Großen und Ganzen eine feine Zeit. Die einzige "Krise", die wir Kinder mitbekamen, war, als eine Zeit lang jede Familie einen Tag pro Woche auf ihr Auto verzichten musste, um Benzin zu sparen (an welchem Tag – dazu musste man ein Pickerl aufs Auto kleben).

    Ich glaube, dass heute sehr viele Menschen in Österreich eine große Sehnsucht nach dieser Zeit haben. Nur: Sie wird nicht wiederkommen. Weil diese Zeit ein einmaliger, (für uns) glücklicher Zufall in der Geschichte war.

    Es geht gar nicht konkret um die 1970er, sondern um ein Lebensgefühl. Um die Übersichtlichkeit von damals, die Ordnung und die alltägliche Grundsicherheit – dass es Arbeit gibt und die Wirtschaft wächst, dass Papa nächstes Jahr mehr verdienen wird als heuer und in fünf Jahren noch mehr, dass man sich keine grundsätzlichen Sorgen machen muss. Und völlig klar war, dass es den Kindern einmal besser gehen wird – jedenfalls aber nie wieder so schlecht wie unseren Großeltern oder Eltern, die einen Krieg und die große Not danach erleben mussten. Das Wirtschaftswunder war in den 1970ern schon vorbei, das Land wieder aufgebaut, es herrschte „Vollbeschäftigung“, Kreisky regierte mit absoluter Mehrheit (was in Tirol wirklich nicht allen gefiel) und es ging – scheinbar für immer – aufwärts. Kurz: es war nicht alles perfekt, aber man musste jedenfalls keine Angst vor der Zukunft haben. Im Gegenteil.

    Heute haben sehr viele Menschen Angst vor der Zukunft. Fast eine halbe Million ist arbeitslos, wer nicht selbst betroffen ist, kennt jemanden und fast jeder merkt, wie der Druck am Arbeitsplatz steigt. Wer über Mitte 40 ist, macht sich häufig Sorgen um den eigenen Job, auch in Branchen, in denen das früher nicht so war – und vor allem um die Zukunft seiner Kinder. Dass die es mal besser haben werden, ist keineswegs gewiss, in vielen Mittelstandsfamilien sogar eher fraglich.

    In den Nachrichten laufen bad news ohne Ende, alleine gestern: Terror in Bangkok, wieder Kämpfe in der Ukraine, IS-Offensive in Syrien, Griechenland-Milliarden und Asylkrise, Flüchtlinge, Zuwanderer. 8.500 neue Asylanträge in Österreich alleine im Juli, bis zu 80.000 in diesem Jahr, 80 Prozent davon aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

    Auch in den 1970ern gab es Ausländer in Österreich: Türken und „Jugos“, Gastarbeiter und ihre Familien, die ab Mitte der 60er Jahre hierher geholt wurden, weil es zu wenige einheimische Arbeitskräfte gab. Selbst in den 70er Jahren hörte man Erwachsene schon über die „Tschuschn“ schimpfen, nicht umsonst entstand damals das berühmte Plakat „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns‘ zu dir Tschusch?“ Aber kaum jemand fühlte sich von Ausländern bedroht.

    Nicht wenige Menschen würden gerne wieder dorthin zurück. Sie haben Angst „fremd im eigenen Land“ zu werden, um ihre Jobs, vor der Zukunft, Angst vor der Unübersichtlichkeit und der Ungewissheit. In ihrer Erinnerung war damals praktisch alles besser. Und weil das war, als es noch den Schilling gab und Grenzkontrollen und keine EU-Mitgliedschaft, glauben viele, „die EU“ sei daran schuld. Und wäre Österreich „nicht dabei“, hätten "wir" weder eine Euro-Krise, noch Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien und die Grenzen könnten wir auch wieder zusperren.

    Was sie dabei übersehen ist, dass die Probleme wenig mit dem EU-Beitritt zu tun haben (obwohl man die Euro-Einführung für keinen Geniestreich halten muss). Es ist nur ein ungefähres zeitliches Zusammentreffen. Diese Phase, an die sich viele als so gut und sicher zurückerinnern, war nicht mehr als ein einmaliges historisches Zeitfenster von wenigen Jahrzehnten zwischen ca. 1960 und den frühen 1990ern. Die ärgste Not nach dem Krieg war vorbei, die Wirtschaft wuchs quasi automatisch und die großen Probleme der Welt waren von uns weggesperrt: Hinter dem Eisernen Vorhang im Osten Europas und in den grauslichen Diktaturen Nordafrikas und des Nahen Ostens.

    Aber dieses Zeitfenster ist vorbei. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft und zuletzt mit dem „Arabischen Frühling“ ist die Geschichte zurückgekehrt. 
    Die Not im Osten Europas, in Vorderasien und Nordafrika ist nicht mehr hinter Mauern und in Diktaturen eingekerkert, die Menschen dort können sich ebenso frei bewegen wie wir. Sie können sich ein besseres Leben suchen – weg von (Bürger-)Krieg, IS- oder Boko Haram-Terror, neuen Diktatoren und wirtschaftlicher Not. Und weil es Facebook, YouTube und Google auch in Syrien, im Irak und Eritrea gibt, braucht es kein „Westfernsehen“ mehr wie einst in der DDR, um zu sehen, wie ein besseres und friedlicheres Dasein aussehen kann.

    Über Jahrhunderte hinweg sind Menschen in Massen gewandert, um neue Länder zu erobern, vor Kriegen und Hungersnöten zu fliehen oder um sich und ihren Familien eine neue Heimat suchen. Heute will kein fremdes Heer mehr das „Abendland“ erobern. Aber für Millionen, die nicht sehr weit von uns entfernt in Kriegsgebieten und großer Not leben, ist Europa ein ungeheuer attraktives Ziel. Wir werden sie schlicht nicht daran hindern können, zu kommen oder es zumindest zu versuchen. Im Vergleich zum täglichen Bombenterror in Aleppo sind auch das Chaos in Traiskirchen, der „Dschungel“ in Calais, das Zeltlager in Bayern und die endlose Reise nach Schweden attraktiv. Schon deswegen, weil hier Frieden herrscht. 

    Die Frage ist, ob unsere Gesellschaften und unsere Demokratien in der Lage sind, mit dieser Herausforderung umzugehen? Oder ob wir die 1930er Jahre wiederholen wollen? Damals waren die Demokratien in Europa noch jung. Und nur in wenigen Ländern haben sie die Weltwirtschaftskrise samt Massenarbeitslosigkeit überstanden. Der vermeintliche Ausweg aus der großen Krise war für viele Menschen damals die Flucht in den Nationalismus - mit allen bekannten, katastrophalen Folgen. In den letzten Jahrzehnten waren wir uns alle sicher, dass sich das nie mehr wiederholen kann.

    Aber können wir uns wirklich sicher sein? Wer auf Facebook liest, welche Wut, welche Aggression und welcher Hass da hinausgebrüllt wird, großteils mit Namen und Foto, kann kaum daran zweifeln, dass sich auch heute wieder „Reibpartien“ organisieren ließen wie 1938. Das Bedürfnis, anderen die Schuld dafür zu geben, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie mal war, ist bei vielen Menschen beängstigend groß.

    Ich bin mir nicht sicher, wie „krisenfest“ unsere Demokratien sind – in den letzten 70 Jahren haben sie ja kaum Krisen erlebt. Dementsprechend fehlt vielen Politikern auch die Erfahrung mit Krisen. Sie wirken überfordert und immer weniger Menschen trauen ihnen zu, die neuen Probleme zu lösen. (Die Unfähigkeit der EU-Regierungen, sich auch nur über Länderquoten für Flüchtlinge zu einigen, liefert ja auch ein erschütterndes Beispiel dafür.) 
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    Die Sehnsucht danach, dass es so ordentlich, gemütlich und friedlich wird wie damals, als Mama und Papa sich um die Probleme kümmerten und einen vor der bösen Welt beschützten, ist verständlich – aber eben kindlich. 
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