27.05.2015, 2628 Zeichen
Rudolf Kemler, der glücklose Nachfolger von Peter Michaelis, hat wie von den Politikern geplant und durchgesetzt, seinen Vorsitz der Aufsichtsräte bei Post, OMV und Telekom aufgegeben. Ob ein großer Wurf gelungen ist, wird die Zukunft zeigen. Es ist weder angebracht der Öffentlichkeit die ÖIAG als die Erfolgsstory schlechthin zu verkaufen, noch von einer Serie von Misserfolgen zu sprechen. Für den Börseplatz Wien waren die Privatisierungen ein wichtiger Impuls. Peinlich und letztendlich Arbeitsplätze vernichtend war der Verkauf von VA TECH an Siemens, wobei Kovats & Pecik einen ordentlichen „Schnitt“ machten. Für Siemens ein Schnäppchen, da der Konzern die hohen steuerlichen Verluste nutzen konnte. Im Gegensatz zu einseitig lancierter Stimmungsmache war nach personellen Fehlgriffen (AUA-Chef Alfred Ötsch) und eigensinnigem Verhalten der Betriebsräte die Übergabe – besser „Morgengabe“ – der AUA an die Lufthansa für den Wirtschaftsstandort noch die beste Lösung. Rudolf Kemler und seinem kleinen Team gelang schliesslich mit dem Syndikatsvertrag mit American Movil aus einer aussichtslosen, prekären Situation noch ein respektables Verhandlungsergebnis. Schuld an der fast auswegslosen Situation der Telekom haben mehrere Faktoren: Zum einen Missmanagement, Korruption und keine Hilfestellung der Republik; zum anderen ein mehr als sturer Betriebsrat, bestehend aus der enorme Anzahl von fast 50 (!) dienstfreigestellten Betriebsräten, denen das Wohl des gesamten Unternehmens offenbar sekundär war. Kein Wunder, dass die Telekom zum Spielball von Spekulanten wurde. Leider nahm der ÖIAG-Aufsichtsrat die Chance nicht wahr, durch die Verkleinerung des ÖIAG-Portefolios auch die Macht der Betriebsräte einzugrenzen.
Die Besetzungsvorschläge von Andritz-Chef Wolfgang Leitner und VIG-Präsident Günther Geyer sind insgesamt betrachtet ausgewogen und primär auch sachlich zu rechtfertigen. Der noch zu bestellende Generalsekretär wird eine wichtige unterstützende Funktion für die neubestellten Vorsitzenden von OMV, Post und Telekom haben, die diese Funktionen jetzt nur mehr nebenberuflich wahrnehmen.
Durch die – hoffentlich nur vorübergehende - Übernahme der Anteile der Nationalbank-Gruppe an Casinos Austria und die vorher stattgefundene Telekom-Kapitalerhöhung steigen die Bankverbindlichkeiten der ÖBIB sprunghaft, aber noch vertretbar an.
Letztendlich wird entscheidend sein, welche Persönlichkeiten sich an den richtigen Positionen für das jeweilige Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich einsetzen. Ein gesundes Distanz, aber trotzdem ein konstruktives Verhältnis zur Politik, ist dafür unerlässlich.
Wiener Börse Sommerparty: Deuber/Matejka nach ATX-Höhentraining vorsichtig bzgl. 2.HJ - Drastil irritiert über Par.14 und Shareholder-ID
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