22.02.2015, 3437 Zeichen
Warum wir Kursziele und Stoppkurse einsetzen sollten und wann wir auf sie verzichten können. Dessen sollte sich jeder Anleger bewusst sein..
Es gibt Zeitschriften und Analysten, die Kursziele und Stoppkurse angeben. Das machen wir nicht. Warum eigentlich? Ganz einfach: Es macht wenig Sinn! Das Begrenzen des Verlustes haben erfolgreiche Anleger längst verinnerlicht. Egal, ob Sie sich nun als Grenze 25 Prozent oder 10 Prozent Verlust setzen. Verkaufen Sie beim Erreichen dieser Grenze einfach – ohne jegliche Emotionen. Wir empfehlen 15 bis 20 Prozent. Das hängt natürlich ein wenig von der Aktie und ihren Kursschwankungen ab. Bei einem Bergbautitel sollte die Absicherung woanders liegen als bei einem Dax-Wert. Viele Anleger schwören auf automatische Limits, bei denen ihre Papiere sofort verkauft werden. Das ist gefährlich, wenn eine Aktie nur einmal kurz unter die gesetzte Grenze abtaucht. Das kann aber auch von Vorteil sein, wenn der Absturz so schnell kommt, dass wir als Kleinanleger kaum noch reagieren können. Wir verzichten darauf jedoch weitgehend.
Jetzt kann ich die Aktie auch behalten, sagt man sich immer mal wieder, wenn man schon deutlich in der Verlustzone steckt. Oder: Die Aktie erholt sich schon wieder. So verschenken Sie allerdings Geld! Erstens: Warum sollte ich an einer Aktie festhalten, bei der ich darauf spekuliere, dass sie nicht weiter fällt und den Verlust von zehn Prozent innerhalb eines Jahres wieder wettmacht, wenn ich mein Geld stattdessen auf einen Titel setzen kann, der vermutlich 20 Prozent oder mehr zulegt. Zweitens: Nehmen wir an, Sie besäßen ein Depot mit zehn Aktien. Wenn Sie nun den Verlust einer Aktie von
20 Prozent realisieren, anstatt zu warten bis es noch mehr wird, dann bedeutet das lediglich ein Gesamtverlust von zwei Prozent. Das ist also halb so wild. Drittens: Fühlen Sie sich als Gewinner! Beobachten Sie eine verkaufte Aktie weiter, denn wenn Sie feststellen, wieviel Verlust Sie hätten noch einfahren müssen, werden Sie den Verkauf anders bewerten. Viertens: Kommen Sie nie auf die Idee,
Aktien nachzukaufen, um den Einstandskurs zu drücken. Das ist absoluter Quatsch! Fünftens: Setzen Sie sich doch eine Marke, dann aber bitte keine runde oder aus der Charttechnik abgeleitete, die viele Investoren gewählt haben.
Kommen wir zum anderen Ende: den Kurszielen. Diese überleben sich schnell. Ein Beispiel: Wer beim Sportartikelhersteller Adidas mit dem letzten veröffentlichten Jahresumsatz rechnet, der stellt fest, die Aktie ist nach dem jüngsten Anstieg mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von annährend 1,0 fair bewertet. Das Kursziel ist erreicht. Wer nun aber unterstellt, Adidas wird sein ausgerufenes Ziel erklimmen und den Umsatz im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich steigern, der kommt schnell auf ein KUV von 0,9. Somit ist bis zum fairen Wert noch Kurspotenzial vorhanden. Das Kursziel liegt also nun jenseits von 74 Euro und ist noch nicht erreicht. Was aber, wenn Ihnen jemand das Kursziel oder den Stoppkurs genannt hat, aber Sie nicht darüber aufgeklärt hat, wie er zu dem Kurs kommt? Ja dann, dann sind Sie auf sich allein gestellt, zu beurteilen, ob sich etwa das Kursziel geändert hat oder nicht. Solche Angaben machen also wenig bis gar keinen Sinn. Bilden Sie sich lieber eine eigene Meinung, in diesem Sinne, laden Sie sich doch die neue (kostenlose) Ausgabe von boersianer.info herunter.
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Börsepeople im Podcast S23/17: Ulrike Farnik
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