07.10.2013, 3885 Zeichen
Sehr geehrte Privatanleger,
in diesen Tagen werden unsere Mitglieder mein neues Buch „Sehr geehrte Privatanleger – die besten Börsenweisheiten aus 10 Jahren“ erhalten. Ich habe Ihnen dort meine, wie ich glaube, besten Kolumnen aus dieser Zeit zusammengestellt
Vieles ist in diesen 10 Jahren oder in den 15 Jahren nach dem Dezember 1998, als ich meine Vision für einen Privatanlegerinformationsdienst hatte, passiert. Die ersten fünf Jahre dieser Zeit beinhalten den Höhepunkt der New Economy und viele interne Kämpfe und gescheiterte Joint Ventures, bis ich mich wirklich freigeschwommen hatte und Ihnen einen Informationsdienst anbieten konnte, der nicht nur von den Banken unabhängig war, sondern auch von überdrehten Managern der New Economy.
Wenn Sie die Überschrift noch im Kopf haben, werden Sie vielleicht meinen, dass ich manchmal die Gründung von IFVE und meinen Weg in Frage stelle. Nein, das ist es nicht.
Ich meine etwas anderes. Gerade las ich über Warren Buffetts Auftritt vor Studenten der Georgetown University, wo er die jungen Menschen von Dienst und Patriotismus und der ungerechten Vermögensverteilung im Lande erzählte. Die Studenten hörten begeistert zu, denn es ist heutzutage selten, dass sich jemand der herrschenden Schicht dazu äußert. Meist leben diese Menschen, abgeschirmt von ihren Beratern, völlig zurückgezogen in ihren eigenen Kreisen. Wir bekommen nur das mit, was wir über die Medien hören sollen.
Das war früher – gerade auch in Deutschland – anders. Unternehmer bauten ihre Villen und Häuser mitten im Ort, um Vorbild und Inspiration zu sein. Sie bauten Arbeitersiedlungen. Heute gehen sie nach Mallorca oder sonst wo hin. Ein Freund von mir aus der Finanzbranche brachte den entsetzlichen Spruch, dass er nun ein Haus in einer „gated community (abgeschlossenen Gemeinschaft) ohne gate“ in der Nähe von Frankfurt gebaut habe.
Zurück zu Buffett: In Georgetown sagte er wieder einmal, das man nicht besonders viele Investmententscheidungen im Leben benötige, um reich zu werden. Fünf Entscheidungen würden wahrscheinlich ausreichen. Er meint das so, wie er es sagt: wer sparsam lebt und das Wunder des Zinseszinses wirken lässt, wird bei einigermaßen vernünftigen Investments zwangsläufig reich.
Was er verschweigt, ist die Tatsache, dass es relativ schwer ist, langfristig gute Investments auszusuchen. Die genannten fünf richtigen Entscheidungen setzen also einen enormen Wissensfundus voraus.
Wir sind mit der Performance unseres PI Global Value Fonds (WKN: A0NE9G) und des neuen Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) durchaus zufrieden. In diesen Fonds führen wir – anders als in Privatanlegerdepots – eine recht aktive Bewirtschaftung des Portfolios durch. Das heißt, dass wir auf dem Weg nach oben schrittweise verkaufen und auf dem Weg nach unten schrittweise nachkaufen. Das Zweite geht bei Privatanlegern oft schon deshalb nicht, weil sie gerne in eine Schockstarre verfallen, wenn der Kurs einer Aktie massiv einbricht.
Und wissen Sie was? Manche der Portfolios, in denen am wenigsten gehandelt wurde – zum Beispiel Söhne- und Enkel-Depots – haben über die letzten fünf Jahre hervorragend performt. Da waren zum Beispiel United Internet (WKN: 508903), Gerry Weber (WKN: 330410), Anheuser-Busch (WKN: 590932) oder Fuchs Petrolub (WKN: 579043) drin. Und die haben 200, 300, 400 oder in einem Fall bei Anheuser 1000 Prozent gemacht und die Portfolioperformance mächtig nach oben gezogen.
Angesichts solcher Zahlen frage ich mich dann, ob es das ´“Active Rebalancing“ der Mühe wert ist.
Allerdings: vor fünf Jahren war Top-Qualität sehr, sehr billig. Das ist jetzt vorbei. Bei „normalen“ Aktien gibt es noch genug billige, bei hervorragenden Geschäftsmodellen nicht. Aber irgendwo wartet das nächste Top-Investment auch heute darauf, entdeckt zu werden.
Wir bleiben dran.
Auf gute Investments,
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
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Max Otte
, (© IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH) >> Öffnen auf photaq.com
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