16.04.2013, 8290 Zeichen
US-Unternehmen in Österreich erwarten sich vom geplanten Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU nicht nur positive Effekte für ihr eigenes Unternehmen, sondern auch für den Standort Österreich. Dies belegt das aktuelle Business-Barometer der Amerikanischen Handelskammer. Damit einhergehend frischt sich auch die Stimmung unter den Wirtschaftstreibenden deutlich auf. Na bitte. Der folgende Text stammt sicher (auch) aus der Feder von Daniela Homan (Ex-Kollegin beim WirtschaftsBlatt, jetzt AmCham Austria).
Wien, am 16. April 2013. Vertrauen in US-Präsident Obama und die EU: Die überwiegende Mehrheit US-amerikanischer Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Österreich, sieht dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsmächten mit großen Erwartungen entgegen. Dem AmCham Business-Barometer 1/2013, einer halbjährlichen Geschäftsklimaerhebung der amerikanischen Handelskammer in Österreich (AmCham Austria) in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers (PwC) Österreich, zufolge, erwarten sich 63 Prozent der befragten Geschäftsführer von US-Firmen durch ein Handelsabkommen positive Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Österreich. Gleichzeitig rechnen mehr als ein Viertel der Befragten zusätzlich mit positiven Effekten für ihr eigenes Unternehmen. „Nicht ein einziges Unternehmen rechnet mit einem Negativszenario, sollte ein derartiges Abkommen zwischen den USA und der EU umgesetzt werden – weder im Bezug auf den Standort Österreich, noch für das eigene Unternehmen“, erklärt Friedrich Rödler, Senior Partner von PwC Österreich und AmCham Austria-Vorstandsmitglied. Für die Erhebung wurden nun bereits zum fünften Mal Top-Entscheidungsträger aus über 100 US-Firmen mit Sitz in Österreich (darunter z.B. Microsoft, Pfizer, HP, IBM oder McDonald’s) zur aktuellen wirtschaftlichen Lage, einer Einschätzung der Lage für das kommende halbe Jahr und den Perspektiven ihres Unternehmens in Österreich und den USA befragt.
Die Stimmung wird besser
Dieser Optimismus scheint auch die Stimmung unter den Wirtschaftreibenden für das kommende Halbjahr zu beflügeln: So zeigen sich US-Unternehmen, was Österreich betrifft, in der Erhebung zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage als noch im September 2012 (plus drei Prozentpunkte). Auch das Geschäftsklima hat sich um fünf Prozentpunkte auf 37 Punkte verbessert. Die Geschäftserwartungen fallen mit 17 Punkten ebenfalls deutlich besser aus als im Herbst 2012 (12 Punkte). Friedrich Rödler dazu: „Die Zuwächse der Indikatoren sind zwar nicht extrem hoch, aber die Stimmung der Befragungsteilnehmer hat sich doch deutlich gebessert“. Für die USA beurteilen die Befragten die aktuelle Geschäftslage zwar geringfügig schlechter (minus zwei Prozentpunkte), erwarten aber eine bessere Geschäftsentwicklung für das kommende Halbjahr (plus sechs Prozentpunkte). Positiver fällt auch das Geschäftsklima aus – 35 Punkte (Herbst 2012: 33 Punkte).
Exportturbo für EU-Staaten
„Wir als Amerikanische Handelskammer unterstützen die Umsetzung dieser Freihandelszone voll und ganz. An dem Ergebnis der Befragung wird sichtbar, dass sich auch die Wirtschaft
davon viel erhofft. Gerade die Standortattraktivität Österreichs hätte dringend einen Boost nötig“, sagt AmCham Executive Director Daniela Homan. Die Standortattraktivität kommt in der Erhebung etwas besser weg als beim letzten Mal: plus neun Prozentpunkte. „Diese Entwicklung ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass sich die Standortattraktivität Österreichs aus Sicht der US-Unternehmen verbessert hat. Vielmehr darauf, dass im aktuellen Barometer weniger Teilnehmer eine Verschlechterung melden“, so Rödler.
Die Kammer nennt jedenfalls eine Vielzahl an Gründen, die für eine proaktive Unterstützung des Abkommens sprechen. So ist dadurch ein deutliches Wirtschaftswachstum für beide Handelspartner zu erwarten. „Experten zufolge könnte sich dadurch ein BIP-Wachstum von rund 1,5 Prozent für die USA und Europa ergeben“, so Rödler. Ganz zu Schweigen von einer deutlichen Steigerung des Exports aus EU-Mitgliedsstaaten in die USA. So erwartet sich etwa Deutschland Exportsteigerungen zwischen drei und fünf Milliarden Euro pro Jahr durch das Abkommen. „Für Österreich wären dadurch rund 300 Millionen Euro mehr Exportvolumen pro Jahr möglich“, sagt Homan.
Abbau von Gebühren und Bürokratie
Zudem würden durch eine gemeinsame Freihandelszone Zollgebühren und andere grenzpolitische Hindernisse der Vergangenheit angehören. Für Unternehmen aus beiden Ländern würde das vor allem eine finanzielle Entlastung bringen: Aktuell zahlen US-Unternehmen im Zuge ihrer Handelstätigkeiten im EU-Raum rund 6,4 Milliarden US-Dollar an Zollgebühren. Homan: „Umgekehrt sprechen wir bei europäischen Unternehmen von einem ähnlichen Betrag. Die Ersparnisse durch einen Wegfall dieser Gebühren könnten Unternehmen dann in sinnvollere Aktivitäten wie Investments oder die Einstellung neuer Mitarbeiter stecken“. An den Beschäftigungsplänen der US-Unternehmen in Österreich hat sich im Vergleich zum Herbst 2012 indes nichts geändert. 18 Prozent planen in den kommenden sechs Monaten mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen, 72 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Mitarbeiterstand aus. Ein Zehntel rechnet mit sinkender Beschäftigung.
Darüber hinaus würde das Abkommen auch den Abbau unnötiger bürokratischer Hürden mit sich bringen – aktuell eine der größten Problematiken des transatlantischen Handels. Einer aktuellen Studie zufolge, die 23 Branchen der Wirtschaft analysierte, könnte allein ein Abbau der Hälfte der aktuellen regulatorischen Hürden ein BIP-Plus von rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr für beide Wirtschaftsräume bringen.
Mehr Chancen für Unternehmen
„Nicht zuletzt bedeuten weniger Hürden für Unternehmen eine schnellere Kommerzialisierung ihrer neuen Produkte auf beiden Seiten des Atlantiks. Das ermöglicht es ihnen wiederum noch innovativer zu sein und neue Technologien schneller adaptieren und umsetzen zu können“, sagt Homan. Zudem ist es derzeit für Unternehmen sehr schwierig, Aufträge der öffentlichen Hand auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks zu ergattern. Dieser Zugang könnte sich in einer Freihandelszone wesentlich leichter gestalten. Daneben haben vor allem Klein- und mittlere Unternehmen (KMU) noch mit einer ganz anderen Problematik zu kämpfen. Durch die vielen Hindernisse auf bürokratischer und regulatorischer Ebene ist es für sie schwer leistbar, im jeweils anderen Wirtschaftsraum Fuß zu fassen. „Gerade diese Unternehmen sind aber das Rückgrat beider Wirtschaftszonen und ein Schlüsselfaktor für das Wirtschaftswachstum der Zukunft. Ein offenerer Markt würde ihnen das Leben erheblich leichter machen“, sagt Rödler. Auch der Dienstleistungssektor – für beide Handelsräume der wichtigste Wirtschafszweig und Jobmotor – könnte nach Ansicht von AmCham Austria durch verstärkte bilaterale Beziehungen Aufwind bekommen. „Bislang gibt es in diesem Bereich wenig transatlantischen Handel. Durch das Abkommen könnte dieser schlafende Gigant endlich geweckt werden, denn er birgt enormes Potenzial“, erklärt Homan.
Investments als Herzstück
Der wahre Kern kontinentalübergreifender Zusammenarbeit ist aus Sicht der Amerikanischen Handelskammer aber nicht der eigentliche Handel, sondern die Investments, die die Unternehmen im jeweils anderen Raum tätigen. Ende 2011 betrug das Investmentvolumen von US-Firmen in der EU rund 2,1 Billionen Dollar. Umgekehrt steckten Unternehmen aus Europa 1,57 Billionen Dollar in die US-Wirtschaft. „Diese Investitionstätigkeiten müssen weiterhin ausgedehnt und geschützt werden. Eine Liberalisierung des Handels wird genau das erreichen“, sagt Homan. In Österreich wollen amerikanische Firmen im nächsten halben Jahr jedenfalls wieder deutlich mehr Geld in die Hand nehmen und planen mehr Investments als noch im Vorjahr. Der Wert konnte sich im aktuellen Barometer von einem auf neun Prozentpunkte verbessern.
„USA und EU stellen zusammen die Hälfte die der weltweiten Wirtschaftsleistung. Wenn wir noch enger zusammenarbeiten, können wir gemeinsam globale Standards forcieren, die die Wettbewerbsfähigkeit beider Wirtschaftsräume erhöhen und so sicherstellen, dass die gemeinsamen Normen und Werte ein weltweiter Standard im Handel und Geschäftsleben werden“, fasst Executive Director Daniela Homan zusammen.
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Daniela Homan (Copyright: AmCham): Daniela und ich arbeiteten früher gemeinsam beim WirtschaftsBlatt
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