02.04.2013,
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(Autor:
Max Otte, Bilder von Max Otte
HIER) Manager und Eigentümer
Sehr geehrte Privatanleger,
ich erlebe es immer wieder, dass angestellte Manager auf Kosten der Eigentümer sich selbst bereichern, und zwar völlig legal im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. In Großkonzernen ist es mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme.
Auch in Deutschland ist das Verhältnis der Vergütung eines CEO zum durchschnittlichen Mitarbeiter mittlerweile in etlichen Fällen auf 200 bis 300 gestiegen, wo noch vor 25 Jahren ein Verhältnis von 20 bis 30 als angemessen galt. Wir erleben dieselbe Debatte, die ich Anfang der 90er Jahre in den USA miterlebte. Da ist mir die Aussage von Martin Winterkorn sehr sympathisch, dass er sich zu hoch bezahlt findet. Allerdings hat auch er nicht den Schritt gemacht, sein Gehalt auf 20 Prozent des letzten Gehalts zu reduzieren – was immer noch 3 Mio. € gewesen wären. Höchst angemessen, finde ich.
Ich persönlich finde die Selbstbereicherung der angestellten Manager widerlich, denn es geht ja nur um wenige Spitzenverdiener. Manager sind eben keine Unternehmer; es sind Funktionäre, die sich nach den Regeln des Systems richten. Wie bescheiden muten dagegen die Häuschen der ehemaligen DDR-Führung in Wandlitz an!
Die Regeln des Systems begünstigen angestellte Manager und benachteiligen die Aktionäre, wie Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der Stern School of Business in New York schreibt. Er fährt fort: „Ich begrüße aktivistische Aktionäre. Sie helfen, die Machtbalance zu verbessern (wenn auch nur ein wenig). Bei Abwesenheit von aktivistischen Aktionären kann ich Ihnen versichern, dass Aufsichtsräte weiter die oft gegen die Aktionäre gerichteten Pläne von CEOs abnicken werden. Ganze Ökosysteme von Rechtsanwälten, Bankern und Unternehmensberatern helfen dem Management, weil sie vom Status Quo profitieren. Und der Status Quo stinkt in vielen Unternehmen.“
Deswegen mögen wir auch Unternehmen besonders, in denen Eigentümer eine besondere Rolle spielen, zum Beispiel
BMW (WKN: 519003),
Fielmann (WKN: 577220),
CTS Eventim (WKN: 547030),
United Internet (WKN: 508903). Solche Unternehmen gibt es auch zum Beispiel in Italien und Spanien, wobei ich nicht unbedingt an Silvio Berlusconis
Mediaset (WKN: 901402) denke. Die halten wir zwar auch, aber vor allem, weil sie so billig ist. In Italien gibt es
CIR (WKN: 864687),
Fiat (WKN: 860007); in Spanien zum Beispiel
Inditex (WKN: 756434, nach unseren Berechnungen etwas teuer) oder
Almirall (WKN: A0MU8Y). Mit dem Einstieg von Carlos Slim bei
KPN (WKN: 890963) und
Telekom Austria (WKN: 588811) kann man hoffen, dass auch dort mehr Eigentümergeist einzieht.
Eigentlich wäre es ja schon genug, wenn das Management das von Unternehmen freigesetzte Kapital sorgfältig behandelt und nur dort investiert, wo es auch sinnvoll ist. Aber angestellte Manager neigen dazu, systematisch überzuinvestieren. Mehr Investitionen = mehr Mitarbeiter = mehr Macht = mehr Gehalt. So ist die einfache Rechnung. Und sie funktioniert meistens, auch bei den schlimmsten Managern.
Buffett sagt hierzu: „Investieren Sie nur in Unternehmen, die auch von einem Idioten geleitet werden können. Denn genau dies wird eines Tages der Fall sein.“ Natürlich muss man diese, wie alle Buffett aussagen, mit einer Prise Hintergrundwissen nehmen. Buffett hat auch in andere Unternehmen investiert, sich aber dann detailliert darum gekümmert.
Was ist sonst neu auf den Kapitalmärkten. Zypern wurde „gerettet“ – mit einer halbwegs intelligenten Lösung, wie ich meine. (Siehe hierzu auch mein Interview im Deutschlandfunk:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2056872/ ). Das funktionierte aber nur, weil die Betroffenen vor allem Russen waren.
In Italien ist die Regierungsbildung um Bersani vorläufig gescheitert. Das hat italienischen Aktien noch einmal einen Dämpfer verpasst. Aber was ist daran neu, das in Italien eine Regierungsbildung scheitert? So gibt es in Italien, Spanien – aber auch in Frankreich – wenigstens noch etliche Schnäppchen.
Ich wünsche Ihnen frohe Ostern,
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
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