28.06.2012,
4791 Zeichen
(Autor:
Herbert Geyer, original für das
WirtschaftsBlatt)
Ein Deutscher aus Italien, der die Welt zum Staunen brachte
War er ein Deutscher, der Italien beherrschte-oder ein Italiener, der Deutschland regierte? Egal: Kaiser Friedrich II. war seiner Zeit jedenfalls um Jahrhunderte voraus.
Was die Deutschen mit Italien verbindet, ist der seit der frühen Völkerwanderungszeit legendäre Drang der Germanen zum Zug nach Süden, gen Italien -ein Zug, der auch jetzt noch an jedem Sommerwochenende zu beobachten ist, wenn deutsche Urlauber Brenner-und Tauern-Autobahn verstopfen.
Auf die Spitze getrieben hat diesen Trend ein Mann: der Stauferkaiser Friedrich II.
Friedrich wurde bereits auf einer solchen Südreise seiner Eltern geboren -1194 in Jesi bei Ancona. Als Enkel des Normannenkönigs Roger II. erbte er den Thron von Sizilien und als Sohn des Stauferkaisers Heinrich VI. (und Enkel Friedrich Barbarossas) erhob er Anspruch auf die deutsche Kaiserkrone.
Diese Ansprüche auch tatsächlich durchzusetzen, war nicht leicht, weil Roger schon vor Friedrichs Geburt gestorben war und Heinrich drei Jahre danach. Außerdem zeigten die Päpste -Friedrich hatte mit fünfen zu kämpfen -wenig Begeisterung für eine gemeinsame Herrschaft über Deutschland, dem damals auch noch weite Teile Norditaliens unterstanden, und dem sizilianischen Königreich in Süditalien, weil dadurch der Kirchenstaat in die Zange genommen wurde.
Trotzdem gelang es Friedrich, nachdem er mit 14 für volljährig erklärt wurde, mit klugem Taktieren, geschicktem Paktieren und -wo nötig-mit militärischer Gewalt seine Herrschaft in Sizilien und Süditalien zu festigen, sich im Reich als Herrscher zu etablieren und sogar vom Papst zum Kaiser gekrönt zu werden. Ruhe hatte er dennoch nie. Zwar war seine Herrschaft im Süden weitgehend unbestritten -das Rechtssystem, das er schuf, hielt in Sizilien im Wesentlichen bis 1816 -,mit den Päpsten und deren Anhängern im Reich hörten die Konflikte nie auf.
Dahinter stand der Anspruch der Päpste, als Stellvertreter Christi über den weltlichen Herrschern zu stehen, während Friedrich nach dem Vorbild antiker und byzantinischer Kaiser keine geistliche Oberhoheit anerkennen wollte.
Im Zuge der Auseinandersetzungen wurde der Kaiser zweimal von Päpsten gebannt und schließlich sogar abgesetzt, was freilich auf die tatsächlichen Machtverhältnisse wenig Einfluss hatte.
Der erste Bann erfolgte, weil Friedrich einen mehrfach versprochenen Kreuzzug so lange hinausschob, bis dem Papst der Geduldsfaden riss. Daraufhin zog Friedrich ins Heilige Land, kämpfte aber nicht, sondern handelte einen Frieden aus, der ihm die Herrschaft über Jerusalem, Bethlehem und Nazareth sicherte.
Der Staufer sprach neben Italienisch, Latein und Deutsch wohl auch etwas Arabisch, das er bei den Sarazenen in Sizilien gelernt hatte. Er war daher auch nicht nur gegenüber dem Islam aufgeschlossen, sondern auch gegenüber den Wissenschaften, in denen die Araber damals den Europäern weit voraus waren. Er führte zum Beispiel das -in Arabien längst gebräuchliche -Rechnen mit der Null ein.
Den Zeitgenossen galt Friedrich als "Stupor Mundi", was allgemein als "Staunen der Welt" übersetzt wird. Besser trifft es wohl "Bestürzung", denn in seinem Denken war Friedrich, der nichts glauben wollte, was er nicht durch Vernunft begreifen konnte, seiner Zeit um Jahrhunderte voraus. Am besten demonstriert das sein Buch "Über die Kunst der Jagd mit Vögeln", das wegen seiner empirischen Grundausrichtung bis ins 20. Jahrhundert hinein als Standardwerk der Falknerei galt.
Auf seinen Bauplan geht auch das als "Krone Apuliens" bezeichnete Schloss Castel del Monte zurück, dessen achteckiger Grundriss offenbar die ebenfalls achteckige Kaiserkrone nachbildet.
Seit den Tagen Friedrichs haben die Deutschen gegenüber Italien einiges aufgeholt. Ihr BIP pro Kopf von 118 Prozent des EU-Schnitts schlägt das italienische (101) klar:
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Auch beim Wachstum lassen sich die deutschen Sparmeister von den italienischen Nachzüglern nichts sagen: Deutschlands Wirtschaft wächst heuer um 0,7 Prozent, die italienische schrumpft um 1,4 Prozent:
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In Italien wächst die Arbeitslosigkeit weiter, heuer auf 9,5 Prozent, in Deutschland sinkt sie auf 5,5 -es geht in Richtung Kantersieg:
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Zumal die Steuererhöhungen in Italien sogar ein krisenbedingtes Sinken der Inflationsrate verhindern. Mit 2,3 Prozent (gegenüber 3,2) sind auch da die Deutschen besser:
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Dabei kommt jetzt erst die wahre Stärke der Deutschen: ihre Handelsbilanz mit einem Überschuss von 5,6 Prozent des BIP, der die Italiener nur ein Defizit von 0,1 Prozent entgegenzusetzen haben:
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Das Debakel ist komplett, weil auch die Geheimwaffe der Italiener -ein Budgetdefizit von nur 2,0 Prozent des BIP -keinen Stich macht. Deutschland muss sich heuer nur 0,9 Prozent borgen. Endstand:
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