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17.04.2012, 5818 Zeichen

Franz Gschiegl ist ja eigentlich nicht Fondsmanager, sondern Vorstand der Erste Sparinvest. Egal; er beendete jedenfalls den Vienna City Marathon 2012 am 15. April (Bilder vom Marathon HIER) in 03:46:34 Stunden. Damit bleibt er die Nr. 1 unter jenem "knappen Dutzend" an Läufern, die alle bisherigen 29 Wien-Marathons beendet haben. Seine Gesamtzeit für die mehr als 1200 km beträgt 93:26:48. Gschiegls Bestzeit liegt bei 2:50, die Durchschnittszeit etwas unter 3:15. Der Blogbetreiber zieht den Hut.

Dabei hat Gschiegl den VCM heuer nur als Training gesehen: "Ich bereite mich auf den ESPA-Ötscher-Ultramarathon (72km und 3000 Höhenmeter) vor, den ich auch schon zum 12.Mal bestreiten möchte".

Im Herbst hatte ich Franz Gschiegl zu Gast im Cafe BE über das Laufen aus der Sicht einer berufstätigen Führungskraft. Ex-Tennisspieler Alex Antonitsch war auch dabei, also bitte nicht wundern, dass Zwischenfragen auch von Alex eingestreut wurden. Wie gesagt: Der Talk fand natürlich vor dem 29. Wien-Marathon statt, daher steht unten auch mehrmals die Zahl 28.

Drastil: 28x hat es den Vienna City Marathon bisher gegeben, Sie waren immer dabei und sind meines Wissens nach der Schnellste aller 28fach-Finisher. Wie kann man Kapitalmarktexperte und Sportler in trainingsintensiven Sportarten - es geht ja nicht nur ums Laufen bei Ihnen - gleichzeitig sein?
Gschiegl: Das Zeitthema beschäftigt uns ja alle. Jeder hat 24 Stunden, wie er die Zeit nützt, und was er damit macht, ist seine Sache. Ich glaube nicht, dass ich weniger arbeite als der Durchschnitt in der Finanzbranche. Aber dann gehe ich halt in der Früh laufen oder in der Mittagspause.

Drastil: Kann man beim Laufen arbeiten?
Gschiegl: Ja, gerade beim Laufen geht das. Beim Radfahren und beim Klettern eher nicht. Ich laufe jetzt seit ca. 40 Jahren und seit 30 Jahren als Leistungssportler. Die erste halbe Stunde ist der Übergang nach dem Büro oder vor dem Büro, wo man sich noch mit dem Büroalltag beschäftigt, dann löst sich alles rasch auf. Durch die Natur, ich laufe viel im Wienerwald, merke ich, dass alles gar nicht so schlimm ist. Die meisten haben ohnedies keine Aktien und Griechenland gibt es auch noch. Es ist ja nachgewiesen, dass durch die stärkere Durchblutung des Gehirnes die Gedanken frei werden. Ich habe viele gute Ideen dem Laufen zu verdanken. Ich habe drei Kinder, meine Frau sagt oft, wenn ich angespannt nach Hause komme: „Geh einmal laufen und wir besprechen nachher, was wir machen“. Wenn ich mehr Zeit habe, gehe ich gerne Bergsteigen oder Berglaufen. Ich sehe eine enge Beziehung zwischen Beruf, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Geduld und dann – wie Sie richtig gesagt haben, Herr Antonitsch – Durchschnitt ist gut, aber wenn ich eine Startnummer habe, will ich Erster werden. Mir ist es wichtig, dass wir als Fondsgesellschaft nicht nur das Beste geben, sondern auch die Nr.1 sind. Im manchen Bereichen sind wir es, in manchen die Nr. 2. Dort wollen wir die Nr. 1 werden. Im Sport habe ich, ich bin ja Amateursportler, nicht viel gewonnen: Ein Radrennen, einen Cross-Marathon.

Drastil: Und Ihr schnellster Marathon?
Gschiegl: In Wien bin ich einmal 2:50 gelaufen. Und das Schöne bei den 28 Wien-Marathons war ja, dass man immer fit sein muss und halbwegs in Form. Insgesamt habe ich schon mehr als 90 Marathons in den Beinen.

Antonitsch: Ist man beim Marathon auch kreativ?
Gschiegl: Beim Wettbewerb bleibt die Kreativität ein bisschen im Hintergrund, im Training lasse ich aber mittlerweile Dinge zu, die ich früher mit 300 Outdoor-Sport-Tagen im Jahr in einem gewissen Suchtverhalten nicht an mich herangelassen habe. Ich war auch auf allen Dienstreisen laufen. Beim Wettbewerb konzentriere ich mich voll auf den Wettbewerb.

Drastil: Die Erste Sparinvest ist auch Sponsor im Extremsportbereich ...
Gschiegl: Ja, beim Ötscher-Bergmarathon, den bin ich auch 12 Mal gelaufen, einmal Gesamtfünfter.

Drastil: Haben Sie den konzipiert?
Gschiegl: Nein, ich hatte gelesen, dass es den gibt, ab dem zweiten Mal war ich selbst dabei, ab dem fünften Mal waren wir als Hauptsponsor dabei. Auch Red Bull/Servus TV - gute Breitenwirkung, obwohl die Veranstaltung nur 150 Starter hat.

Drastil: Wie ist da die Siegerzeit?
Gschiegl: In den letzten Jahren hat ein Jordanier gewonnen, der weltweit die Nr. 2 ist. Der braucht 3:50 für 50km und 1900m Höhenmeter am Tag 1, Tag 2 ist mehr Kletterei über den Ötscher-Kamm.

Drastil: Und im Winter?
Gschiegl: Das Pendant ist der Skitouren-Rennsport, da waren wir sogar bei der WM 2002 dabei. Freies Skifahren, oft mit der Stirnlampe. Was ich machen will, das kann ich machen, es ist eine Kopfsache. Marathon? Jeder, der halbwegs sportlich ist, kann, wenn er sich ein Jahr lang vorbereitet, unter vier Stunden laufen, das ist keine Hexerei. Einen wichtigen Satz, den ich aus einem Shaolin-Seminar mitgenommen habe, möchte ich noch sagen: „Es gibt solche, die gewinnen und solche, die lernen dürfen.“ Das hab ich mir auch für den Job mitgenommen. Wir sehen einen Vertrauensverlust gegenüber der Finanzbranche, das ist eine Herausforderung, wir müssen Guidance geben, da ist viel Psychologie dahinter, aber man kann aus Panikreaktionen ja auch Nutzen ziehen.

Antonitsch: Glaube ich auch, wer jetzt „gut betreut“, der wird gewinnen.
Drastil: Und laufen Sie auch in die Firma, Herr Gschiegl?
Gschiegl: Nein, mit dem Rad schon, aber laufen nicht. In der Mittagspause gehe ich aber gerne laufen, Duschen sind im Office und ich bin nachher ein neuer Mensch.

Drastil: Ich glaube, Sie haben auch einige Erste-Kollegen inspiriert ...
Gschiegl (lacht): Ja, die Erste macht viel. Es wird mir unterstellt, dass ich bei Aufnahmegesprächen nach dem Sport im CV schaue, das ist aber übertrieben. Generell suche ich nach Leuten, die für irgendetwas Begeisterung aufbringen können.

Bilder zu diesem Talk gibt es HIER und die gesamte Mitschrift DA.


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    Der Gesamtschnellste aller 29 Wien-Marathons ist ein Fondsmanager und heisst Franz Gschiegl


    17.04.2012, 5818 Zeichen

    Franz Gschiegl ist ja eigentlich nicht Fondsmanager, sondern Vorstand der Erste Sparinvest. Egal; er beendete jedenfalls den Vienna City Marathon 2012 am 15. April (Bilder vom Marathon HIER) in 03:46:34 Stunden. Damit bleibt er die Nr. 1 unter jenem "knappen Dutzend" an Läufern, die alle bisherigen 29 Wien-Marathons beendet haben. Seine Gesamtzeit für die mehr als 1200 km beträgt 93:26:48. Gschiegls Bestzeit liegt bei 2:50, die Durchschnittszeit etwas unter 3:15. Der Blogbetreiber zieht den Hut.

    Dabei hat Gschiegl den VCM heuer nur als Training gesehen: "Ich bereite mich auf den ESPA-Ötscher-Ultramarathon (72km und 3000 Höhenmeter) vor, den ich auch schon zum 12.Mal bestreiten möchte".

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    Drastil: 28x hat es den Vienna City Marathon bisher gegeben, Sie waren immer dabei und sind meines Wissens nach der Schnellste aller 28fach-Finisher. Wie kann man Kapitalmarktexperte und Sportler in trainingsintensiven Sportarten - es geht ja nicht nur ums Laufen bei Ihnen - gleichzeitig sein?
    Gschiegl: Das Zeitthema beschäftigt uns ja alle. Jeder hat 24 Stunden, wie er die Zeit nützt, und was er damit macht, ist seine Sache. Ich glaube nicht, dass ich weniger arbeite als der Durchschnitt in der Finanzbranche. Aber dann gehe ich halt in der Früh laufen oder in der Mittagspause.

    Drastil: Kann man beim Laufen arbeiten?
    Gschiegl: Ja, gerade beim Laufen geht das. Beim Radfahren und beim Klettern eher nicht. Ich laufe jetzt seit ca. 40 Jahren und seit 30 Jahren als Leistungssportler. Die erste halbe Stunde ist der Übergang nach dem Büro oder vor dem Büro, wo man sich noch mit dem Büroalltag beschäftigt, dann löst sich alles rasch auf. Durch die Natur, ich laufe viel im Wienerwald, merke ich, dass alles gar nicht so schlimm ist. Die meisten haben ohnedies keine Aktien und Griechenland gibt es auch noch. Es ist ja nachgewiesen, dass durch die stärkere Durchblutung des Gehirnes die Gedanken frei werden. Ich habe viele gute Ideen dem Laufen zu verdanken. Ich habe drei Kinder, meine Frau sagt oft, wenn ich angespannt nach Hause komme: „Geh einmal laufen und wir besprechen nachher, was wir machen“. Wenn ich mehr Zeit habe, gehe ich gerne Bergsteigen oder Berglaufen. Ich sehe eine enge Beziehung zwischen Beruf, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Geduld und dann – wie Sie richtig gesagt haben, Herr Antonitsch – Durchschnitt ist gut, aber wenn ich eine Startnummer habe, will ich Erster werden. Mir ist es wichtig, dass wir als Fondsgesellschaft nicht nur das Beste geben, sondern auch die Nr.1 sind. Im manchen Bereichen sind wir es, in manchen die Nr. 2. Dort wollen wir die Nr. 1 werden. Im Sport habe ich, ich bin ja Amateursportler, nicht viel gewonnen: Ein Radrennen, einen Cross-Marathon.

    Drastil: Und Ihr schnellster Marathon?
    Gschiegl: In Wien bin ich einmal 2:50 gelaufen. Und das Schöne bei den 28 Wien-Marathons war ja, dass man immer fit sein muss und halbwegs in Form. Insgesamt habe ich schon mehr als 90 Marathons in den Beinen.

    Antonitsch: Ist man beim Marathon auch kreativ?
    Gschiegl: Beim Wettbewerb bleibt die Kreativität ein bisschen im Hintergrund, im Training lasse ich aber mittlerweile Dinge zu, die ich früher mit 300 Outdoor-Sport-Tagen im Jahr in einem gewissen Suchtverhalten nicht an mich herangelassen habe. Ich war auch auf allen Dienstreisen laufen. Beim Wettbewerb konzentriere ich mich voll auf den Wettbewerb.

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    Gschiegl: Ja, beim Ötscher-Bergmarathon, den bin ich auch 12 Mal gelaufen, einmal Gesamtfünfter.

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    Gschiegl: Nein, ich hatte gelesen, dass es den gibt, ab dem zweiten Mal war ich selbst dabei, ab dem fünften Mal waren wir als Hauptsponsor dabei. Auch Red Bull/Servus TV - gute Breitenwirkung, obwohl die Veranstaltung nur 150 Starter hat.

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    Gschiegl: In den letzten Jahren hat ein Jordanier gewonnen, der weltweit die Nr. 2 ist. Der braucht 3:50 für 50km und 1900m Höhenmeter am Tag 1, Tag 2 ist mehr Kletterei über den Ötscher-Kamm.

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    Gschiegl: Das Pendant ist der Skitouren-Rennsport, da waren wir sogar bei der WM 2002 dabei. Freies Skifahren, oft mit der Stirnlampe. Was ich machen will, das kann ich machen, es ist eine Kopfsache. Marathon? Jeder, der halbwegs sportlich ist, kann, wenn er sich ein Jahr lang vorbereitet, unter vier Stunden laufen, das ist keine Hexerei. Einen wichtigen Satz, den ich aus einem Shaolin-Seminar mitgenommen habe, möchte ich noch sagen: „Es gibt solche, die gewinnen und solche, die lernen dürfen.“ Das hab ich mir auch für den Job mitgenommen. Wir sehen einen Vertrauensverlust gegenüber der Finanzbranche, das ist eine Herausforderung, wir müssen Guidance geben, da ist viel Psychologie dahinter, aber man kann aus Panikreaktionen ja auch Nutzen ziehen.

    Antonitsch: Glaube ich auch, wer jetzt „gut betreut“, der wird gewinnen.
    Drastil: Und laufen Sie auch in die Firma, Herr Gschiegl?
    Gschiegl: Nein, mit dem Rad schon, aber laufen nicht. In der Mittagspause gehe ich aber gerne laufen, Duschen sind im Office und ich bin nachher ein neuer Mensch.

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