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05.05.2026, 4221 Zeichen

Die Transparenz und auch die Informationslust der Märkte sind enorm hochgestiegen. Aber, die Ereignisse und Schlagzeilen der letzten Woche im Kopf müsste man sich inzwischen ernsthaft fragen, welche dieser Nachrichten man denn nun ernst nehmen sollte und welche nicht. Die Kapitalmärkte, eigentlich als Schiedsrichter von Information und Entwicklung, flattern im Wind dieser Schlagzeilen wie die Sherpa-Fahnen am Mount Everest.

Die Aufzählung der „News“ macht uns dabei nicht sicherer:

Der Iran spielt das Nadelöhr und kann dabei kaum verlieren. Die USA drehen diesen Spieß um, blockieren selbst die iranischen Häfen und glauben damit einem Gegner, der bereits seit Jahren Verzicht lebt, zur Einsicht zu bringen. Dagegen leben die USA selbst den Fuchs und die Trauben wie kaum zuvor. Das Hochland des Konsums versinkt in immer teurer werdenden Energiepreisen, Konsum wird noch mehr fremdfinanziert und von allen Seiten wird Hilfe zum seltenen Gut, weil man davor alle möglichen Partner aktiv verprellt, beleidigt oder verjagt hat und gleichzeitig grinst man der Welt das trainierte Siegerlächeln entgegen.

Währenddessen blockiert China jedwede Fremd-Akquisition im Land und bereitet sich, via DeepSeek-reloaded, selbst auf die Eroberung der K.I.-Welten am restlichen Globus vor. Parallel zu konstant wachsenden Auftragsständen von Halbleiter- und Speicherchip-Produzenten hat K.I. begonnen mancherorts zum Überlebens-Halali zu blasen. Open-AI will mehr Geld für seine Services erhalten. Es droht sonst der finanzielle Kollaps angesichts kaum nachlassender Investitionspläne zu Erweiterung der Datenzentren. Der Wettlauf ums vermeintlich beste Produkt erschlägt die Ökonomie dies auch bezahlen zu können. Alle Kunden drehen die Verträge um, um ein Schlupfloch zu finden das ihnen den Weg zu anderen Anbietern erlaubt. Es scheint nur mehr eine Frage der Zeit, bis ein Unternehmen die weiße Fahne wirft (weil schwingen nicht mehr geht). K.I.-Schulden werden bereits zur Asset-Variable, die man weiterverkaufen kann. Monetarisierung der Schuld. Ein Prozess den wir ja die letzten Jahre via Non-Performing-Loan-Portfolios, Subprime, Collateral Debt oder gerade Private Credit kennenlernen durften. Kommt gerade wieder ums Eck.

Ein weiteres „Modell“ hat sich mittlerweile fix in unsere Wahrnehmung integriert: „Frontrunning durch Trump & his friends“. Die Häufung von kurz vor markanten Sagern der Trump-Administration umgesetzten Kapitalmarkttransaktionen mit blitzartiger Performance ist schon ungewöhnlich. Dass man diesen Vorfällen mittlerweile gar nicht mehr nachgeht, ein Korruptionsbeweis der besonderen Art. Was auffällt ist, dass auch der Iran die Technik und Taktik hinter dieser Informations-Politik erkannt haben dürfte. Auch dort häufen sich die kursrelevanten Aussagen. Wer weiß, vielleicht finanziert der Iran bereits einen Teil seiner Raketen durch unsere Märkte?

Jedenfalls ticken einige Uhren gerade ziemlich laut. Die letzte die dazu gekommen ist, ist der YEN. Japans Finanzminister hat mit scharfen Worten einen verbalen Strich gezogen. Er intervenierte erstmals seit zwei Jahren am Devisenmarkt, um eine weitere Abschwächung des Yen zu stoppen. Ist ihm auch gelungen. Bewirkt hat dies aber auch ein paar lautstarke Anrufe von Finanzministern anderer Länder. Jener Länder, die vom seit Jahren laufenden Carry Trade (man verschuldet sich billig in Yen und kauft dafür andere Assets) ziemlich gut gelebt hatten. Dürfte etwas genutzt haben, der kurzfristig erstarkte Yen gab nach einigen Stunden wieder Terrain ab. Der Carry-Crash wurde vorerst abgeblasen.

All dies ergibt eine Gemengelage, in der Unternehmensergebnisse eine Aufmerksamkeitspanne von ein paar Minuten haben. Danach wird meistens erstmal verkauft. Bei guten Ergebnissen, weil positive Liquidität genutzt wird, bei schlechten Ergebnissen, weil man unbedingt sofort „raus muss“.

Ein herrliches Umfeld für opportunistische Rückspiegelinvestoren. Jene Artisten dekursiver Intelligenz, die einem immer im Tonfall völliger Entrüstung, über solch offensichtliche Fehlinvestitionen, nachher sagen, was man vorher tun hätte müssen.

Auch das gehört wohl zu diesen Zeiten.

(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 05.05.)



BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Börsepeople im Podcast S25/01: Christian Drastil (Plan CD)


 

Bildnachweis

1. mind the #gabb



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