Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung.

Bitte lesen und akzeptieren Sie die Datenschutzinformation und Cookie-Informationen, damit Sie unser Angebot weiter nutzen können. Natürlich können Sie diese Einwilligung jederzeit widerrufen.





Psychotherapeuten-Honorare sinken trotz Therapienotstand ( Finanztrends)

14.03.2026, 4002 Zeichen

Der Erweiterte Bewertungsausschuss kürzt die Vergütung für ambulante Psychotherapie ab April um 4,5 Prozent. Die Entscheidung löst eine massive Protestwelle aus. Experten warnen vor einer akuten Gefährdung der Patientenversorgung.

Was genau beschlossen wurde

Auf Betreiben des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) senkt der Schiedsausschuss die Honorare für psychotherapeutische Leistungen. Zwar steigen gleichzeitig sogenannte Strukturzuschläge, doch Branchenberechnungen ergeben unter dem Strich eine Minderung von rund 2,8 Prozent für die Praxen.

Der GKV-Spitzenverband begründet den Schritt mit einer Angleichung. Die Einkünfte der Psychotherapeuten seien seit 2013 stärker gestiegen als bei anderen Ärzten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnte die Maßnahme geschlossen ab und stimmte dagegen.

Scharfe Reaktionen der Berufsverbände

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) nennt die Kürzung "völlig inakzeptabel" und kritisiert eine Politik nach dem Rasenmäherprinzip. Es sei paradox, in Zeiten hoher Inflation und steigender Praxiskosten genau jener Gruppe zu kürzen, die ohnehin die niedrigsten Vergütungen erhalte. Die Kammer kündigte an, den Rechtsweg zu beschreiten.

Auch Landesverbände reagieren mit Unverständnis. Die Psychotherapeutenkammer Berlin verweist darauf, dass ambulante Psychotherapie nur 0,7 Prozent der Gesamtkosten der GKV ausmache. Kammerpräsidenten aus Bayern und Niedersachsen warnen vor Problemen bei der Nachbesetzung von Praxen, besonders im ländlichen Raum.

Massenproteste und Petition erreichen 130.000 Unterschriften

Der Unmut geht weit über die Fachwelt hinaus. Eine Online-Petition sammelte innerhalb von zwei Tagen mehr als 130.000 Unterschriften. Sie fordert die sofortige Rücknahme der Kürzungen.

Parallel organisieren sich Therapeuten und Patienten in sozialen Netzwerken. Vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin gab es bereits spontane Kundgebungen. Für die kommenden Tage sind große Demonstrationen in Hamburg, München, Stuttgart und Hannover geplant.

Politische Debatte und Angst vor Zwei-Klassen-Medizin

Fachpolitiker der Linken bezeichnen die Kürzungen als "beispiellosen Vorgang". Sie warnen, dass gesetzlich Versicherte besonders hart getroffen würden. Schon heute fänden diese Patienten extrem schwer einen Therapieplatz.

Beobachter befürchten eine Zementierung der Zwei-Klassen-Medizin. Wenn Kapazitäten zunehmend von Privatpatienten beansprucht werden, drohe eine Verschlechterung der allgemeinen psychischen Volksgesundheit. Kritiker monieren, dass hier rein nach Kassenlage entschieden werde.

Warum die Kürzung wirtschaftlich fragwürdig ist

Psychotherapeuten erwirtschaften nach Abzug aller Kosten etwa 52 Euro je Arbeitsstunde. Das ist laut Experten nur die Hälfte dessen, was Haus- oder Fachärzte im Schnitt verdienen. Da Therapiesitzungen strikt zeitgebunden sind, können Praxen Einbußen nicht durch mehr Patienten kompensieren.

Gesundheitsökonomen halten die Sparmaßnahme für kurzsichtig. Studien belegen: Jeder Euro, der in ambulante Psychotherapie fließt, bringt der Gesellschaft zwei bis vier Euro Nutzen. Rechtzeitige Therapien verhindern chronische Verläufe und teure Krankenhausaufenthalte.

Das Deutsche Psychotherapeutennetzwerk rechnete vor: Die Kürzungen senken die Gesamtkassenkosten nur um etwa 0,05 Prozent. Dem stehen potenziell massive volkswirtschaftliche Folgekosten gegenüber.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die Bundespsychotherapeutenkammer bereitet juristische Schritte vor, der Konflikt könnte bald vor Sozialgerichten landen. Gleichzeitig erhöht der massive öffentliche Druck auf das Bundesgesundheitsministerium.

Für Patienten verschärft sich die Lage vorerst. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt bereits jetzt rund hundert Tage. Sollte der Beschluss wie geplant umgesetzt werden, rechnen Experten mit einer weiteren Verknappung des Angebots. Vor allem junge Therapeuten könnten das finanzielle Risiko einer Kassenzulassung scheuen.


(14.03.2026)

BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Wiener Börse Party #1114: ATX schwächer, das komplette Programm des Aktientags morgen und Alles ist jetzt Anders


 

Bildnachweis

1. Trading



Aktien auf dem Radar:Uniqa, Semperit, FACC, EuroTeleSites AG, Telekom Austria, Bawag, ATX NTR, RBI, VIG, voestalpine, Erste Group, DO&CO, CA Immo, Andritz, ATX, Rosgix, Porr, Wienerberger, ATX TR, ATX Prime, Palfinger, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, UBM, Polytec Group, Verbund, Amag, Flughafen Wien, CPI Europe AG, Österreichische Post, Zalando.


Random Partner

Baader Bank
Die Baader Bank ist eine der führenden familiengeführten Investmentbanken im deutschsprachigen Raum. Die beiden Säulen des Baader Bank Geschäftsmodells sind Market Making und Investment Banking. Als Spezialist an den Börsenplätzen Deutschland, Österreich und der Schweiz handelt die Baader Bank über 800.000 Finanzinstrumente.

>> Besuchen Sie 54 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


Trading


 Latest Blogs

» Serbien stoppt Netzanschlüsse für neue Wind- und Solarparks ( Finanztrends)

» UBS Aktie: Starke Zahlen, großer Gegenwind ( Finanztrends)

» Tech-Aktien: KI-Hoffnung gegen Krisenangst ( Finanztrends)

» Ta Win Aktie: Kupfer-Zyklus entscheidet ( Finanztrends)

» Komplementärmedizin: WHO-Strategie trifft auf deutsche Debatten ( Finanz...

» Neuroplastizität: Das Gehirn bleibt bis ins Alter formbar ( Finanztrends)

» Apotheken werden zu Gedächtnis-Checkpoints ( Finanztrends)

» Delivra Health Brands Aktie: E-Commerce-Hoffnung ( Finanztrends)

» Ericsson Aktie: Kurs auf 6G ( Finanztrends)

» OCI Aktie: Ära Sawiris endet ( Finanztrends)