06.07.2026, 5141 Zeichen
Was waren das für Zeiten! Damals, als das Geld an den Kapitalmärkten nichts wert war. Als wir mit Negativrenditen ganze Asset Klassen erklärt bekamen. Als man, wenn man Staatsanleihen kaufte, sicher sein konnte, am Ende der Laufzeit weniger zurückzubekommen. Und trotzdem kauften „alle“. Österreichs Bundesfinanzierung war schlau, man emittierte damals drei 100-jährige Anleihen. Einzig um den Hunger von Pensionskassen nach irgendeinem Zinsträger, der die Rolle der Zinseszinsen in den Pensionstöpfen spielen könnte zu befriedigen. Irre Preise wurden gezahlt. Gerade ein Kupon von 0,85% ging sich bei der ersten Emission aus. Sogar einen Zerobond emittierte man. Mit Kurs 65,-. Der Kursgewinn zum Laufzeitende im Jahr 2120 von 35% entsprach einer Rendite von 0,43%. Heute steht dieser Zero bei einem Kurs (!) von 4,21, was einer Rendite von 3,37% entspricht. Fakt ist, das Kapital war damals unglaublich billig und wenn man es genau nimmt und die inzwischen eingetretenen volkswirtschaftlichen Veränderungen zu damals berücksichtigt, ist es das noch immer. Aber das ist gerade dabei sich zu ändern.
Die Staatsfinanzen sehen am Globus nicht gut aus. Man macht Schulden um sein Wachstum, seine Wählerschichten oder seine Abschreckungspolitik zu finanzieren. Bisher waren Schulden am Ende das Problem der Notenbanken geworden, jetzt sieht das etwas anders aus. Der Globus ist im Wettbewerb und Schulden werden nicht mehr gemacht, weil es billig ist, sondern weil sie das Rennen, um einen strategischen Vorteil zu erreichen, finanzieren sollen. Dazu kommt noch, dass die Wachstumsfinanzierungen für ganze Ökonomien nicht immer auf breiten Beinen stehen. Das Ziel, die Wachstumsraten auf breiter Front zu erreichen, um auch später von einem balancierten Steuereinkommen zu leben, ist kaum mehr sichtbar. So ist beispielsweise der Zug in Richtung Künstliche Intelligenz zur vielbefahrenen Autobahn geworden, auf der sich eine Drängerei nach der anderen entwickelt mit immer bedrohlicheren Investitionen und Finanzierungszusagen. Let’s face it, wir sind in einem Investitionswettrennen angekommen. Und dessen Ausgang ist völlig ungewiss, denn wer die Rechnung am Ende zahlt, steht vorerst nur auf Spreadsheets. Gewiss ist allerdings, dass es in diesem Rennen natürlich auch um den günstigen Zugang zu Kapital geht. Und sobald dieser Zugang sich verengt, wird aus der Suche nach „günstig“ mittlerweile die Suche nach „genug“. An diesem Punkt sind wir bereits. Es wird auf Gedeih und Verderb die Refinanzierung dieser Investitionspläne vorangetrieben. Mit immer mehr fremdem Geld. Die schiere Höhe dieser Investitionspläne treibt diesen Markt und die ihn begleitenden Industrien voran. Halbleiter, Stromnetze, Stromerzeuger, Speicherchips, all das sind Träger einer sich überhöhenden Investitionsspirale. Und die Finanzierung über die Gewinne dieser Unternehmen ist schon lange nicht mehr möglich. Man verschuldet sich bei Privaten, Banken, Versicherungen, Pensionskassen oder gar seinen Lieferanten. Nur, um das Rennen um den finalen K.I.-Erfolg zu gewinnen. Free Cashflow steht am Plan, nicht in der Bilanz.
Irritierend und eigentlich waghalsig, wenn man bedenkt, dass in diesem Spiel ein Spieler mitspielt, der diese Regeln für sich außer Kraft setzt. China refinanziert nahezu seine gesamten Investitionen für K.I. durch seine eigenen Banken. Das macht China übrigens nicht nur mit K.I., auch Auto, Roboter, Energiewende oder Halbleiter sind beglückte Empfänger optimierter Kredite aus staatsnahen Banken. Der Return dieser Investitionen fließt daher naturgemäß auch nicht zu den Unternehmen, sondern an den Staat zurück. Das ökonomische Prinzip, Werte zu schaffen, die einem das weitere Wachstum finanzieren helfen wurde damit teilweise außer Kraft gesetzt. Der Staat ist als Schiedsrichter und Supervisor installiert. Kapitalismus a la China.
Wir werden uns klar sein müssen, dass die Zeiten billigen Geldes vorbei sind und wir, durch die enormen Investitionen in den Wandel unserer Gesellschaft, auch in den Wettbewerb um Refinanzierung eingetreten sind. Staaten befinden sich bereits Mittendrin in diesem Kampf. Deren Refinanzierung steht im Wettbewerb gegenüber den Hyperscalern, Energieversorgern, Halbleitergiganten oder generell China. Und all diese (selbst China am Ende, das ja eigentlich die Schwächen dieser Politik bei den Immobilien-Kredite noch lange fühlen wird) müssen sich die Frage intern stellen, ob die Investitionen den intrinsischen Wert erreichen, jenen Wert der sich aus der Summe der finanzierten und erreichten Cash-Flows ergibt und der diese Investitionen überhaupt erst sinnvoll macht. Der am Ende ein Plus in der Rechnung belässt und nicht wie vor einigen Jahren bei den Anleihen bereits zu Beginn das Minus akzeptierte. Dieses Rennen ist voll im Laufen und es sei befürchtet, ja geradezu erwartet, dass es nicht Alle schaffen werden dieses Plus zu erreichen. Bedenklich dabei, dass die schieren Summen, die in diesem Spiel im Laufen sind, bereits das Scheitern einiger Weniger zu einer Belastung für uns Viele machen könnten.
(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 06.07.)
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