27.03.2026, 3811 Zeichen
TKMS häuft Großaufträge an einem Tempo auf, das die eigene Produktionskapazität zur entscheidenden Engpassfrage macht. Als einziger verbliebener Bieter für das F127-Luftverteidigungsfregattenprogramm der Deutschen Marine und mit frisch verlängertem Vorvertrag für vier MEKO-A-200-Einheiten sitzt der Kieler Rüstungsschiffbauer an einem der dicksten Auftragsstapel der deutschen Verteidigungsindustrie.
Zwei Programme, ein Hersteller
Das F127-Programm ist das gewichtigere der beiden. Acht Luftverteidigungsfregatten soll die Deutsche Marine erhalten — als Ersatz für die auslaufende Sachsen-Klasse. Mit rund 10.000 Tonnen Einsatzverdrängung zählen die geplanten Schiffe zu den größten, die Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg in Auftrag gegeben hätte. Die Kosten werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, das erste Schiff soll 2034 einsatzbereit sein. TKMS bietet mit dem MEKO A-400 AMD als einziger Bieter — ein komfortabler Ausgangspunkt für die Vertragsverhandlungen.
Parallel läuft das MEKO-A-200-Programm als Brückenlösung für die verzögerte F126-Fregatte. Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte am 19. März die Verlängerung des Vorvertrags bis Ende Juni 2026 und stellte dafür rund 240 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr bereit. Das Geld erlaubt es TKMS, Fertigungskapazitäten zu sichern und Stahlarbeiten einzuleiten — noch vor Abschluss eines verbindlichen Bauvertrags. Zieldatum für die erste Auslieferung: Dezember 2029.
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Starke Zahlen, voller Kalender
Die operative Entwicklung unterstreicht den Aufwärtstrend. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte TKMS 545 Millionen Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von 17 Prozent und einem positiven freien Cashflow von 33 Millionen Euro. Das Management hob daraufhin die Jahresprognose an: Statt nullnahem Wachstum peilt TKMS nun 2 bis 5 Prozent Umsatzanstieg an. Ein zusätzlicher Ergänzungsauftrag im Wert von 250 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Fregattenneubau stärkt die Umsatzbasis weiter.
Der Auftragsbestand hat die Marke von 20 Milliarden Euro überschritten — auch dank eines Folgeauftrags Norwegens für zwei weitere U-Boote der Klasse 212CD. Um dieses Volumen abzuarbeiten, baut TKMS den Standort Wismar massiv aus: 200 Millionen Euro Investitionen, bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze bis Ende 2029. Allein im Januar 2026 starteten dort mehr als 140 neue Mitarbeiter.
Kanada als nächste Weichenstellung
Über die gesicherten Heimataufträge hinaus wartet eine internationale Entscheidung mit erheblichem Gewicht. In Kanada bewirbt sich TKMS mit dem arktistauglichen 212CD-Design um bis zu zwölf U-Boote für die Royal Canadian Navy — ein Programm, das Ottawa als größte Militärbeschaffung in der Geschichte des Landes bezeichnet. Der Vertragswert könnte mehr als 24 Milliarden kanadische Dollar erreichen. Eine Entscheidung über den bevorzugten Anbieter wird für Sommer 2026 erwartet.
Die nächsten Quartalszahlen erscheinen am 11. Mai 2026 — kurz vor dem erwarteten Entscheidungsfenster in Kanada. Die Aktie notiert aktuell rund 17 Prozent unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts und hat seit dem Allzeithoch vom 22. Januar fast 23 Prozent eingebüßt. Ob die Kanada-Entscheidung als Kurstreiber taugt, hängt davon ab, ob TKMS den Zuschlag erhält — und wie der Markt die Kapazitätsfrage bewertet, die mit jedem neuen Auftrag drängender wird.
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