27.03.2026, 3022 Zeichen
Chevron droht damit, seine Raffinerieoperationen in Kalifornien einzustellen — es sei denn, der Bundesstaat überdenkt seine Steuer- und Regulierungspolitik. Die Warnung vom 24. März trifft einen wunden Punkt: Rund 20 Prozent des kalifornischen Kraftstoffbedarfs werden aus Asien importiert, was den Staat bei Lieferunterbrechungen besonders anfällig macht.
Hormuz als Risikofaktor
Genau hier liegt das eigentliche Problem. CEO Mike Wirth hatte bereits auf der CERAWeek-Konferenz darauf hingewiesen, dass die Märkte einen möglichen Angebotsschock durch eine Sperrung der Straße von Hormuz unterschätzen könnten. Sollte der Iran-Konflikt eskalieren und die Meerenge blockiert werden, würden asiatische Länder ihren eigenen Bedarf kaum noch decken können — von Exporten nach Kalifornien ganz zu schweigen. Die Abhängigkeit des Bundesstaates von Importkraftstoffen würde dann zum ernsthaften Versorgungsproblem.
Chevrons Forderung nach einem Abbau staatlicher Belastungen lässt sich vor diesem Hintergrund als Wirtschaftlichkeitsrechnung lesen: Wenn die Margen im Raffineriegeschäft unter dem Druck von Steuern und Regulierung ohnehin eng sind, sinkt die Bereitschaft, das Risiko eines Versorgungsengpasses zu tragen.
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Starke Zahlen, breite Aufstellung
Operativ steht Chevron gut da. Im vierten Quartal 2025 erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 3,0 Milliarden Dollar, der operative Cashflow lag bei 10,8 Milliarden Dollar. Die weltweite Öl- und Gasproduktion erreichte 2025 mit 3,7 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag einen Rekordwert — ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig baut Chevron sein Explorationsportfolio aus: Neue Lizenzen in Libyen sowie vier Offshore-Blöcke vor der griechischen Küste, an denen das Unternehmen mit 70 Prozent operierender Anteilseigner ist, erweitern die geografische Basis.
Analysten bleiben optimistisch
Mehrere Analystenhäuser haben ihre Einschätzungen zuletzt angehoben. HSBC stufte die Aktie auf „Buy" hoch, Raymond James erhöhte das Kursziel, und Bernstein sowie Erste Group passten ihre Prognosen nach oben an. Als Argumente nennen die Analysten unter anderem die laufende Integration der Hess-Assets und Chevrons vergleichsweise geringe Nahost-Exposition.
Die Aktie markierte gestern mit 179,90 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch — ein Anstieg von über 35 Prozent seit Jahresbeginn. Ob Kalifornien auf Chevrons Forderungen eingeht, dürfte mittelfristig sowohl für die Versorgungssicherheit des Bundesstaates als auch für die Rentabilität des Raffineriegeschäfts entscheidend sein.
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