22.03.2026, 5220 Zeichen
WhatsApp verabschiedet sich von der Telefonnummer als zentraler Identität. Der Messenger führt bis Juni 2026 ein globales Nutzernamen-System ein und überarbeitet gleichzeitig seine Datenschutzeinstellungen grundlegend. Die Doppel-Offensive ist eine direkte Reaktion auf den verschärften regulatorischen Druck in Europa und soll Nutzern mehr Kontrolle geben.
Vom Must-Have zum Risikofaktor: Das Ende der Telefonnummer
Seit seinem Start war WhatsApp untrennbar mit der Handynummer verbunden. Diese Praxis galt lange als einfach und sicher, wurde aber zunehmend zum Datenschutz-Albtraum. Ab Juni 2026 ändert sich das grundlegend. Nutzer können dann einen eindeutigen Nutzernamen erstellen, über den sie kontaktiert werden können – ohne ihre eigentliche Telefonnummer preiszugeben.
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Die Funktion wird optional sein. Wer möchte, kann weiterhin über die Nummer gefunden werden. Für Geschäftskontakte, Online-Communities oder neue Bekanntschaften bietet der Nutzername jedoch einen entscheidenden Vorteil: Er schützt vor Spam, unerwünschten Kontaktanfragen und automatisiertem Datensammeln. Damit holt Meta zu konkurrierenden, privatsphären-fokussierten Messengern auf und entschärft eine der größten Schwachstellen seiner Plattform.
Neues Design: Datenschutz wird persönlich
Parallel zur Ankündigung rollt WhatsApp bereits ein komplett neues Interface für die Privatsphäre-Einstellungen aus. Auf iOS-Geräten ersetzt seit dieser Woche ein personalisierter „Du“-Tab das traditionelle Zahnrad-Icon in der Navigation.
Dieses Redesign ist mehr als nur Kosmetik. Es zentralisiert alle Kontoeinstellungen an einem intuitiven Ort und legt die technische Grundlage für die bald erwartete Multi-Account-Unterstützung. Das aktive Profilbild in der Navigationsleiste zeigt sofort an, welcher Account genutzt wird – ein wichtiges Feature für die Trennung von Beruf und Privatleben auf einem Gerät. Einstellungen für Lesebestätigungen, „Zuletzt online“-Status oder Sicherheitsfeatures sind nun schneller zu finden.
Strengere Kontrolle: WhatsApp für Kinder und in der Schule
Besonders im Fokus stehen jüngere Nutzer. Seit Mitte März 2026 können Eltern für ihre Kinder ab 13 Jahren sogenannte elternverwaltete Konten einrichten. Über eine sechsstellige PIN kontrollieren sie, wer das Kind kontaktieren darf, prüfen Nachrichtenanfragen und sperren Funktionen wie Standortteilen oder KI-Interaktionen. Der Account ist auf reines Texten und Telefonieren beschränkt.
In Deutschland trifft diese Entwicklung auf eine hitzige Debatte. Während Politiker wie Karin Prien (CDU) strengere Regeln für Klassenchats fordern, um problematische Inhalte einzudämmen, äußerte der Deutsche Lehrerverband am 20. März 2026 Zweifel an der Praktikabilität solcher Vorgaben. Die neuen technischen Kontrollmöglichkeiten für Eltern bieten hier einen direkten Ansatzpunkt, um Sicherheitsbedenken von Datenschützern zu adressieren.
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Was bedeutet das für Unternehmen und die EU?
Die Umstellung hat erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftswelt. Unternehmen können sich künftig einen geschäftlichen Nutzernamen reservieren, um mit Kunden zu kommunizieren, ohne Telefonnummern austauschen zu müssen. Das vereinfacht den Kundenservice und hilft bei der Einhaltung der DSGVO.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die EU-Kommission stufte WhatsApp Ende Januar 2026 als „Sehr große Online-Plattform“ (VLOP) gemäß dem Digital Services Act (DSA) ein. Diese Einstufung bringt verschärfte Pflichten für Risikomanagement und Inhaltsmoderation mit sich. Mit den neuen Datenschutz-Tools und dem Nutzernamen-Modell reagiert Meta proaktiv auf diese Erwartungen. Compliance-Experten sehen in der Multi-Account-Funktion und getesteten Gast-Chats zudem neue, sichere Wege für den Kundendialog in Europa.
Eine strategische Wende mit Signalwirkung
Die gleichzeitige Einführung von Nutzernamen und neuem Interface markiert eine strategische Kehrtwende. Die bisher obligatorische Telefonnummer war ein Hauptkritikpunkt in der Bedatte um Massenüberwachung und Datenhandel. Indem WhatsApp die absolute Verknüpfung von Identität und Telekommunikationsdaten lockert, priorisiert es künftig Anonymität und explizite Einwilligung.
Getrieben wird dieser Wandel vom Druck europäischer Regulierer und einer wachsenden Nachfrage der Nutzer nach digitaler Privatsphäre. Die granularen Kontrollmöglichkeiten im neuen „Du“-Tab ermächtigen die User, ihren digitalen Fußabdruck aktiv zu gestalten. Dieser proaktive Ansatz schützt Meta nicht nur vor möglichen Strafen, sondern setzt einen neuen Standard für die gesamte Messenger-Branche. Die Konkurrenz wird nachziehen müssen.
Börsepeople im Podcast S24/19: Manuela Wenger
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