16.03.2026, 3119 Zeichen
Die EU-Außenminister beraten in Brüssel über eine Ausweitung ihrer Marinepräsenz im Nahen Osten. Hintergrund ist der komplette Stillstand des Schiffsverkehrs in der strategisch vitalen Straße von Hormus. Seit der Eskalation des Konflikts zwischen Iran, Israel und den USA Ende Februar blockiert Teheran die Passage. Europa steht unter Druck, die Freiheit der Schifffahrt wiederherzustellen – doch die Einigung ist schwierig.
Operation Aspides soll erweitert werden
Im Zentrum der Diskussionen am Montag stand eine mögliche Anpassung des Mandats der Operation Aspides. Diese Mission schützt seit 2024 zivile Schiffe vor Houthi-Angriffen im Roten Meer. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sieht in der bestehenden Struktur den effizientesten Weg, Sicherheit in den Persischen Golf zu bringen. Eine Mandatsänderung erfordert jedoch Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten. Als Alternative wird eine Ad-hoc-Koalition williger Staaten erwogen, die schneller handeln könnte.
Weltwirtschaft vor dem Kollaps
Die Dringlichkeit ist enorm: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist zum Erliegen gekommen. Nachrichtendienste meldeten am vergangenen Wochenende null kommerzielle Transitbewegungen. Rund 400 Schiffe warten im Golf von Oman. Die Blockade trifft eine der wichtigsten Handelsadern der Welt: Hier passiert normalerweise ein Fünftel des globalen Rohöls und großer Teile des Flüssiggases. Die Folge sind explodierende Energiepreise. Der Brent-Rohölpreis stieg auf über 105 Dollar pro Barrel – ein Plus von 40 Prozent seit Februar.
Deutschland bremst, Frankreich drängt
Die Einigung auf ein militärisches Engagement gestaltet sich äußerst schwierig. Deutschland zeigt sich skeptisch. Außenminister Johann Wadephul bezweifelt, dass eine Marineerweiterung mehr Sicherheit bringt. Deutschland werde sich „nicht an der Auseinandersetzung beteiligen“. Auch Italien lehnt eine Verlegung seiner Schiffe ab. Frankreich hingegen signalisiert Interventionsbereitschaft. Paris will seine Marinepräsenz langfristig ausbauen und eine defensive Koalition mit internationalen Partnern schmieden.
Globale Lieferketten unter Stress
Die Krise hat längst die Weltwirtschaft erfasst. Schiffe mit lebenswichtigen Gütern – von Pharmaprodukten aus Indien über Halbleiter aus Asien bis zu Düngemitteln – festsitzen oder den wochenlangen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen müssen. Die Versicherungsprämien explodieren. Droht nun eine neue Inflationswelle? Die Blockade zeigt, wie regionale Konflikte die globalen Handelsnetze lahmlegen können. Die USA fordern bereits Unterstützung ihrer Verbündeten.
Geteilte EU, unsichere Zukunft
Die Krise offenbart die Schwäche der EU in geopolitischen Krisen. Die strukturelle Abhängigkeit von Einstimmigkeit lähmt schnelles Handeln. Verteidigungsexperten halten daher eine fragmentierte Lösung für wahrscheinlich: Eine Gruppe williger EU-Staaten könnte mit Großbritannien und anderen Partnern zusammenarbeiten. Solange keine Sicherheitslösung gefunden oder der Konflikt deeskaliert ist, bleibt die Straße von Hormus für den Handel gesperrt. Die Weltwirtschaft muss sich auf anhaltende Störungen einstellen.
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