07.03.2026, 4995 Zeichen
Die hessische Gemeinde Freigericht geht mit einem Bündel aus finanziellen Anreizen und bürokratiearmen Verfahren gegen leere Kassen und für neue Unternehmen vor. Nach dem Beschluss umfassender Förderrichtlinien im Frühjahr 2025 treibt die Kommune im Main-Kinzig-Kreis nun die konkrete Umsetzung voran. Im Fokus stehen der Ausbau eines Gewerbegebiets und ein neues Dialogformat mit der Wirtschaft.
Bis zu 30 Prozent Rabatt auf Gewerbeflächen
Herzstück der Strategie sind direkte finanzielle Anreize. Seit März 2025 können Unternehmen, die kommunale Gewerbeflächen erwerben, einen Preisnachlass von bis zu dreißig Prozent erhalten. Dieser gestaffelte Rabatt wird in Zehn-Prozent-Schritten für das Erfüllen bestimmter Kriterien gewährt.
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Unternehmen profitieren, wenn sie eine relevante Anzahl von Arbeitsplätzen schaffen, einen hohen Anteil an hochqualifizierten Stellen anbieten oder Ausbildungsplätze bereitstellen. Weitere Kriterien für die zehnprozentigen Abschläge sind ein hoher Innovationsgrad, signifikante Investitionskosten oder die Neugründung als Start-up. Auch lokale Betriebe, die aus Wohngebieten in ausgewiesene Gewerbezonen umziehen, sind antragsberechtigt. Das Ziel der Gemeinde ist klar: langfristige Arbeitsplätze sichern und die Gewerbesteuereinnahmen nachhaltig stärken.
One-Stop-Agency soll Bürokratie abbauen
Neben den finanziellen Vergünstigungen setzt Freigericht auf administrative Entlastung. Denn bürokratische Hürden bremsen oft Expansionen aus. Daher hat die Gemeinde die gewerbliche Entwicklung zur Chefsache erklärt und ein „One-Stop-Agency“-Modell eingerichtet.
Bürgermeister Waldemar Gogel und Erster Beigeordneter Heinz Höfler sind die primären Ansprechpartner dieser zentralen Servicestelle. Sie soll Ansiedlungsprojekte intern koordinieren, kurze Entscheidungswege garantieren und so Verfahren deutlich beschleunigen. „Klare Rahmenbedingungen und verlässliche Ansprechpartner sind für Unternehmen entscheidend“, so die Hoffnung der Verwaltung. Für Kommunen im Wettbewerb um Investitionen werden solche schlanken Strukturen immer wichtiger.
Gewerbegebiet wächst – Business Forum startet 2026
Parallel zur Umsetzung der Förderrichtlinien treibt die Gemeinde 2026 zwei große Projekte voran: die Erweiterung des Gewerbegebiets „Birkenhain“ und die Etablierung eines neuen Wirtschaftsdialogs.
Das bestehende Gebiet soll um rund 35.000 Quadratmeter wachsen. Um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, kooperiert Freigericht seit August 2025 mit der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Gemeinsam führen sie eine Bedarfserhebung bei lokalen Unternehmen durch. Diese Zusammenarbeit mündet 2026 im ersten Freigericht Business Forum. Es soll den Dialog zwischen Kommunalpolitik und Wirtschaft vertiefen und die Standortbedingungen optimieren.
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Förderung trotz angespannter Haushaltslage
Die offensive Wirtschaftsförderung geschieht vor dem Hintergrund angespannter Kommunalhaushalte. In seiner Haushaltsrede für die Jahre 2025/2026 räumte Bürgermeister Gogel im September 2025 zwar ein Millionen-Defizit ein, betonte aber die Notwendigkeit gezielter Investitionen. Geplant sind Investitionen von fast 13 Millionen Euro in verschiedenen Bereichen – die Wirtschafts- und Infrastrukturförderung soll nicht auf der Strecke bleiben.
Wirtschaftsbeobachter sehen in Freigerichts Doppelstrategie aus finanziellen Anreizen und entbürokratisierter Verwaltung eine pragmatische Antwort auf regionale Herausforderungen. Während bundesweit über Deregulierung diskutiert wird, schafft die lokale One-Stop-Agency für Mittelständler sofort wirksame Lösungen. Die Einbindung der IHK stellt zudem sicher, dass die Planungen am Bedarf der Privatwirtschaft ausgerichtet sind.
Erfolg hängt von der Unternehmens-Resonanz ab
Ob die Strategie aufgeht, wird sich 2026 zeigen. Entscheidend ist, wie viele lokale und externe Unternehmen die Förderangebote nutzen. Die Ergebnisse der Bedarfserhebung werden die konzeptionelle Aufteilung des neuen Gewerbegebiets „Birkenhain II“ bestimmen.
Das erste Business Forum dient als wichtiges Feedback-Instrument für die Verwaltung. Sollte die Strategie den gewünschten Zuzug innovativer Firmen und Start-ups bringen, könnte das die kommunalen Kassen durch höhere Gewerbesteuern deutlich entlasten. Freigerichts umfassender Ansatz könnte so zum Vorbild für andere Kommunen im Main-Kinzig-Kreis werden.
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