25.03.2026, 2740 Zeichen
Der Industriekonzern baut seinen Heimatstandort mit einer dreistelligen Millioneninvestition massiv aus. Gleichzeitig lenkt CEO Roland Busch das lukrative KI-Budget gezielt an Europa vorbei. Diese strategische Zweiteilung spiegelt die wachsende Frustration über die hiesige Regulierung wider und zwingt den Konzern zu einem bemerkenswerten Spagat.
Hardware für Bayern, Software für Übersee
Für rund 200 Millionen Euro verwandelt Siemens das bestehende Werk in Amberg bis zum Jahr 2030 in eine autonome Zukunftsfabrik. Das Bekenntnis zum heimischen Standort hat allerdings einen strategischen Haken. Während die Oberpfälzer von neuen Fertigungsanlagen profitieren, fließt der Löwenanteil des neuen, eine Milliarde Euro schweren KI-Budgets zunächst in die USA und nach China. Deutschland und der restliche europäische Raum folgen erst in einer zweiten Phase.
Verantwortlich für diese Priorisierung ist die Sorge vor einer Überregulierung in der Europäischen Union. Vorstandschef Busch bezeichnete den europäischen Technologiesektor im direkten Vergleich zu den USA unlängst als „stehendes Wasser“. Strikte Vorgaben zur Datensouveränität und hohe bürokratische Hürden bremsen aus Sicht des Managements die Innovationskraft. Der Konzern zieht daraus die Konsequenz und platziert seine digitalen Investitionen vorerst in dynamischeren Märkten, um im globalen Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren.
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Solides Fundament federt Skepsis ab
Am Aktienmarkt kommt die klare Kante der Führungsetage gut an. Der Titel legte am Mittwoch um 1,30 Prozent auf 214,75 Euro zu. Dennoch verdeutlicht ein Blick auf die 12-Monats-Performance mit einem Minus von 6,24 Prozent, dass der Weg zurück zu einem stabilen Aufwärtstrend noch Arbeit erfordert. Die operativen Zahlen stützen das Vorhaben zumindest: Im abgelaufenen ersten Quartal kletterte der Umsatz um gut vier Prozent auf über 19 Milliarden Euro.
Die Kombination aus hochmodernen Fertigungsstätten und einer pragmatischen, global ausgerichteten KI-Strategie soll die Marktführerschaft in der industriellen Digitalisierung langfristig absichern. Den nächsten konkreten Einblick in die Margenentwicklung der wichtigen digitalen Sparten liefert der Konzern am 13. Mai 2026 mit der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal.
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