24.03.2026, 4208 Zeichen
Der deutsche Wohnungsbau zeigt im Frühjahr 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen einen deutlichen Zuwachs bei den Baugenehmigungen. Gleichzeitig liefert der neu eingeführte „Bau-Turbo“ nach Paragraf 246e des Baugesetzbuches erste messbare Resultate. Besonders Hamburg gilt als Vorreiter bei der praktischen Anwendung der neuen gesetzlichen Freiheiten.
Hamburg nutzt den Paragraf 246e als Vorbild
Ein aktueller Bericht des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen verdeutlicht das Potenzial am Beispiel der Hansestadt. Demnach wurden auf Basis des Bau-Turbos bereits rund 750 Baugenehmigungen und Bauvorbescheide erlassen. Der Kern: Städte können in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt vorübergehend von starren Vorgaben der Bebauungspläne abweichen.
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Allein durch diese Sonderregelung genehmigte Hamburg 405 Wohnungen final. Für weitere 341 Einheiten liegen positive Bescheide vor. Aktuell prüft die Stadt etwa 1.100 weitere Wohneinheiten unter den neuen Vorzeichen. Branchenexperten werten dies als wichtiges Signal für andere Bundesländer.
Destatis meldet spürbare Belebung des Marktes
Flankiert wird die positive Nachricht aus dem Norden durch aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes. Die Zahlen für den Jahresauftakt zeigen eine spürbare Belebung. Im Januar 2026 wurde bundesweit der Bau von insgesamt 19.500 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Besonders dynamisch entwickelte sich der Bereich der Einfamilienhäuser mit einem Zuwachs von 12,6 Prozent. Der für den Mietmarkt entscheidende Geschosswohnungsbau in Mehrfamilienhäusern legte um 7,1 Prozent zu. Vertreter der Wohnungswirtschaft sehen darin ein Zeichen für eine langsame Stabilisierung nach dem historischen Tiefpunkt von 2024.
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Dennoch mahnen Fachleute zur Vorsicht: Das absolute Niveau der Genehmigungen liegt weiter deutlich unter den Zielwerten der Bundesregierung. Um den tatsächlichen Bedarf zu decken, seien weitaus höhere Fertigstellungsraten nötig.
Gebäudetyp E soll Baukosten senken
Neben der rechtlichen Beschleunigung gewinnt auch der sogenannte „Gebäudetyp E“ an Bedeutung. Dieses Konzept für „einfaches und innovatives Bauen“ soll es ermöglichen, von teuren Komfortstandards abzuweichen – ohne Sicherheit oder Qualität zu gefährden. Das Ziel: Baukosten pro Quadratmeter signifikant senken.
Branchenanalysten betonen die Kombination aus Bau-Turbo und reduzierten Baustandards. Während der Turbo zeitliche Hürden abbaut, adressiert der Gebäudetyp E die finanzielle Machbarkeit. Erste Pilotprojekte in Süddeutschland zeigen, dass Planungs- und Bauzeiten so um bis zu 25 Prozent verkürzt werden können.
Kritik an Planungshoheit und Fachkräftemangel
Trotz der positiven Signale gibt es auch kritische Stimmen. In einigen Kommunen herrscht Skepsis gegenüber der Experimentierklausel. Kritiker befürchten eine Aushöhlung der kommunalen Planungshoheit und eine Vernachlässigung von Umweltbelangen. Die Bundesregierung hält dagegen, dass die Zustimmung der Gemeinde für jedes Vorhaben zwingend bleibt.
Ein weiteres Nadelöhr ist die personelle Situation in den Bauämtern. Die beste Beschleunigungsgesetzgebung läuft ins Leere, wenn es an Fachkräften fehlt, um Anträge zeitnah zu bearbeiten. Zudem belasten weiterhin hohe Materialpreise und der Mangel an Bauhandwerkern die Umsetzung genehmigter Projekte.
Experten schätzen, dass der aktuelle Bauüberhang – also genehmigte, aber noch nicht begonnene Projekte – erst ab 2028 zu einem signifikanten Anstieg der fertiggestellten Wohnungen führen wird.
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