18.03.2026, 3182 Zeichen
Das Übernahmepoker zwischen UniCredit und Commerzbank erreicht eine neue Stufe. Seit Montag liegt ein formelles Angebot der Mailänder Bank auf dem Tisch — und die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein.
An der Börse feiert die Commerzbank-Aktie heute mit einem Kursplus von rund 5 Prozent. Das Papier profitiert dabei gleich von zwei Treibern: dem konkreten Übernahmeangebot und der gleichzeitigen Aussage von UniCredit-Chef Andrea Orcel, grundsätzlich offen für einen Dialog zu sein. Orcel bezeichnet die aktuelle Pattsituation als für alle Beteiligten unbefriedigend — und sieht in einem Erwerb auch nur einer Beteiligung knapp über 30 Prozent bereits einen Fortschritt.
Commerzbank-Führung hält dagegen
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lässt sich davon wenig beeindrucken. Die Offerte sei deutlich zu günstig bewertet, lautet ihr klares Urteil. Dass das aktuelle Angebot lediglich als Untergrenze gilt, wurde offiziell bestätigt — eine Formulierung, die Orcel ausdrücklich begrüßt. Beide Seiten suchen zwar nach Gesprächskanälen, liegen in der Preisfrage aber noch weit auseinander.
Orcel schließt nach eigenen Angaben eine Nachbesserung der Konditionen nicht kategorisch aus. Allerdings sei das kein Szenario, das derzeit aktiv verfolgt werde. Erst wenn konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten zu einem für alle akzeptablen Ergebnis führten, wäre eine Anpassung denkbar. Das Ergebnis des Angebots erwartet UniCredit frühestens im Juni 2026.
Sorgen hinter den Kulissen
Während die Aktie glänzt, brodelt es im Hintergrund. UniCredit baut parallel dazu in Deutschland bis zu 400 IT-Stellen ab, die bisher größtenteils in München angesiedelt waren. Teile der Jobs sollen nach Rumänien verlagert werden. Zwar versichert UniCredit, es handele sich dabei um eine eigene IT-Einheit der Gruppe und nicht um Stellen der Hypovereinsbank — doch Gewerkschaften nehmen die Entwicklung als Warnsignal. Sie befürchten, dass ein Erfolg der Übernahme ähnliche Maßnahmen bei der Commerzbank nach sich ziehen könnte.
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Unterdessen zeigt Visa Interesse an der Commerzbank — allerdings auf anderem Wege. Das Unternehmen hat die Bank als Partnerin für ein Pilotprojekt zu KI-gestützten Zahlungen gewonnen. KI-Agenten sollen dabei künftig eigenständig Einkäufe abwickeln, Preisverhandlungen führen und Ausschreibungen anstoßen — ohne direkte menschliche Intervention. Für die Commerzbank ist das ein Signal in Richtung Zukunftsfähigkeit, gerade in einem Moment, in dem ihre Eigenständigkeit zur Diskussion steht.
Wie das Übernahmepoker ausgeht, bleibt offen. Klar ist: UniCredit hat mit dem formellen Angebot die Initiative übernommen, die Commerzbank-Führung aber noch lange nicht überzeugt.
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