02.03.2026, 2898 Zeichen
Die Analysten von Raiffeisen Research ordnen in der Publikation "Hot Topic: Iran - Geopolitische Risiken ohne Energieschock" die gegenwärtige Situation im Nahen Osten ein. Sie erläutern: "Im Gegensatz zum Venezuela-Coup zeichnet sich mindestens ein mehrwöchiger Konflikt ab. Während die Logistik- und Energiemärkte die Situation an der Straße von Hormus und im Roten Meer genau beobachten, flüchten Anleger im einsetzenden Risk-Off primär in sichere Häfen." Ein kurzfristiger Sell-Off bei mehrwöchigem und regionalen Konflikt würde ihr konstruktives Aktienmarktszenario nicht in Frage stellen, so die Experten.
Zur Entwicklung der Finanzmärkte meinen die Raiffeisen-Experten: "Kurzfristig sollten die Finanzmärkte vor allem mögliche Ölpreis- und Inflationseffekte (Energiepreise, Versicherungsprämien, Risiko Lieferkettenverspannungen) beschäftigen. Für die Aktienmärkte sollte ein regional begrenzter Konflikt maximal für einige Tagesverluste herhalten und nicht unser konstruktives Aktienmarktszenario infrage stellen. Prinzipiell war schon in den letzten Wochen die Einpreisung einer Risikoprämie am Ölmarkt erkennbar bzw. eine konstruktive Preisung von sicheren Häfen. US-Staatsanleihen notierten schon vor dem Irankonflikt unter der Marke von 4 Prozent, Deutsche Bundesanleihen bei 2,6 Prozent, was auf Safe Haven Effekte in beiden Anlageklassen in der aktuellen Konfliktsituation hindeutet. Für heute gehen wir dennoch von einer Fortsetzung der Risk-Off-Bewegung aus, wodurch USTs, Bund und Gold profitieren sollten. Zeitgleich sollten risikoreiche Assets unter Druck geraten." Die Analysten raten nach wie vor zu einer defensiveren Positionierung und bestätigen ihr Value-Tilt bei einer erhöhten Volatilität.
Auf Sektorebene dürfte laut den Analysten die Luftfahrtindustrie unter Flugausfällen und kurzfristig höheren Treibstoffkosten leiden. Für die energieintensive europäische Aluminiumindustrie könnten sich abermals Produktionsengpässe und Margendruck aufgrund höhere Energiepreise ergeben, so die Experten. Im Umkehrschluss würde sich die Auto-, Bau- und Maschinenbauindustrie mit höheren Rohstoff- (Stahl, Aluminium, Kupfer) und Energiekosten konfrontiert sehen. Für die Autoindustrie ergeben sich zudem erneut etwaige Lieferkettenengpässe. Auch Düngemittelpreise könnten bei einem nachhaltigen Gaspreisanstieg deutlich zulegen. Zudem könnte der Kostendruck für F&B-Retailer erneut zunehmen und höhere Lebensmittelpreise die Nachfrage abermals hemmen, meinen die Experten. Positive Implikationen sehen sie dank höherer Preisniveaus für die Energieindustrie. Rüstungswerte sollten kurzfristig profitieren. In der Stahlindustrie könnte sich die Wettbewerbsposition heimischer Produzenten aufgrund höherer Transportkosten (Ausweichroute über Kap der Guten Hoffnung, höhere Treibstoffpreise und Versicherungsprämien) bei rund 40 Prozent der Importe, verbessern, so die Raiffeisen-Analysten.
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