20.05.2025, 5299 Zeichen
Wien (OTS) - Um aus fossilen Energien aussteigen und so die
Treibhausgas-Thematik
in Griff bekommen zu können, braucht es nicht eine, sondern alle
technisch und wirtschaftlich möglichen Lösungen: Wie der Veranstalter
des Internationalen Wiener Motorensymposiums, TU-Professor Bernhard
Geringer, zur Eröffnung dieses 46. Gipfeltreffens der globalen
Fahrzeugindustrie betonte, muss in der Bewertung von „Net Zero
Mobility“ nicht nur der Ausstoß während des Betriebes, sondern der
gesamte Lebenszyklus eines Fahrzeugs von der Rohstoffgewinnung und
Produktion bis zur Entsorgung betrachtet werden. „Korrekt sollte das
Ziel als ‚Defossilisierung‘ anstatt ‚Dekarbonisierung‘ bezeichnet
werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, brauchen wir vereinte
Anstrengungen und die gesamte physikalische Variantenvielfalt an
klimaneutralen Energieträgern samt den dazu passenden
Antriebstechniken.“
Technologieoffenheit im Antrieb gebe Flexibilität und auch
Sicherheit: „Europas Industrie und Handel braucht Planungssicherheit.
Dafür sind dringend verlässliche Regelungen von Seiten der Politik
notwendig“, forderte Professor Bernhard Geringer bei der
Eröffnungspressekonferenz. Neben der Personen- und
Nutzfahrzeugindustrie ist vor allem die nachhaltige Energieindustrie
an verlässlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen interessiert, so dass
Investitionen in Entwicklung und Produktion längerfristig geplant
werden können. „Die aktuelle EU-Flottengesetzgebung der reinen
Fahrzeug-Treibhausgas-Emission ist unzutreffend und muss einer Gesamt
-Systembetrachtung – wie etwa in Japan – weichen. Damit haben auch
klimaneutrale Kraftstoffe und energieeffiziente Antriebe wie Range-
Extender (REX) eine Chance. China macht uns das mit den sogenannten
New Energy Vehicles – u.a. BEVs und REX - vor.“
Zwtl.: Horse Powertrain: Neuer Sektor in Automobilindustrie
Was Professor Geringer damit meint, erklärte in Wien Matias
Giannini , CEO von Horse Powertrain, einem 2024 in London gegründeten
Joint Venture zwischen Geely, einem der größten Automobilhersteller
Chinas (dazu gehören u.a. Marken wie Volvo), sowie der Firmen Renault
und dem saudischen Aramco-Konzern. Horse Powertrain bietet komplette
Antriebsstränge für defacto alle Automobil-Hersteller der Welt an.
Das heißt, auch große Hersteller entwickeln und bauen zukünftig ihre
Motoren- und Getriebe-Einheiten für Elektro- oder Hybrid-Antriebe
nicht mehr zur Gänze selbst, sondern ein Spezialist liefert diese
Modullösung für den jeweiligen Bedarf. „Bis 2040 werden noch eine
Milliarde Verbrennungsmotoren auf den Straßen unterwegs sein. Horse
Powertrain baut das fehlende Glied: Hybride, synthetische Kraftstoffe
und ein modulares System, das für die Kompatibilität mit Elektro- und
Multi-Fuel-Plattformen ausgelegt ist. Unsere Lösungen rationalisieren
die Produktion und geben Erstausrüstern die Flexibilität, ihre
Antriebsstrategien an die besonderen Anforderungen des jeweiligen
Marktes anzupassen. Wir gestalten einen neuen Sektor - denn die
Zukunft wird nicht von einer einzigen Technologie bestimmt, sondern
von denen, die viele beherrschen. Wir brauchen nicht Solisten,
sondern ein Orchester. So verbinden wir die Herausforderungen von
heute mit den Netto-Null-Zielen von morgen.“
Zwtl.: Die Zukunft der Antriebe hat mehrere Dimensionen
„Bis 2039 wollen wir bilanziell CO2-neutral sein.“ - Wie der Vice
President Electrified Drive Systems bei Mercedes-Benz, Torsten Eder ,
sagte, stehen dabei die Kernprinzipien Performance, Effizienz und
Flexibilität, im Mittelpunkt dieser Transformation. Konkret
präsentierte das Unternehmen in Wien technologische Innovationen wie
die neue Mercedes Modular Architecture (MMA), die maximale
Vielseitigkeit ermöglicht – von höchsteffizienten
batterieelektrischen Antrieben mit hohen Ladegeschwindigkeiten und
Reichweiten bis hin zu modernen 48 V-Hybridsystemen mit elektrischem
8-Gang Getriebe. 800 Volt Spannung sind der neue Standard für
vollelektrische Fahrzeuge.
Neue Konzepte wie der kompakte Axialfluss-Elektromotor würden in
naher Zukunft neue Möglichkeiten im Bereich der Performance-
Elektromobilität ermöglichen. Im AMG „ist der neue E-Motor der V8 des
Elektrozeitalters. Aber auch der klassische V8 wird damit nicht
obsolet.“ Mit diesem breiten Antriebsportfolio könne man auch künftig
für jeden Kundenwunsch das perfekte Fahrzeug anbieten. „Mercedes-Benz
bietet auch in Zukunft den perfekten Antrieb für jedes
Kundenbedürfnis – batterieelektrisch oder hybridisch. Mit
Performance, Effizienz und Flexibilität führt das Unternehmen seine
langjährige Antriebskompetenz in eine neue Ära der Mobilität.“ (Eder)
Zwtl.: 90 Prozent aller Busse künftig elektrisch
Frederik Zohm , Vorstand für Forschung & Entwicklung bei MAN
Trucks & Bus, bekräftigte die künftige Bedeutung von
batterieelektrischen Antrieben für Nutzfahrzeuge: „Diese haben bei
der Energieeffizienz und den Betriebs- und Energiekosten aktuell
deutliche Vorteile gegenüber anderen Antriebskonzepten. Der CO2-
Ausstoß der aktuellen MAN-Lkw-Bestandsflotte beträgt rund 70
Millionen Tonnen pro Jahr, das liegt etwas über dem gesamten CO2-
Ausstoß von Österreich. Bis 2030 sollen bis zu 90 Prozent aller neuen
Busse und 50 Prozent aller neuen MAN-Lkw mit batterieelektrischen
Antrieben ausgestattet sein. Daher treiben wir die Elektrifizierung
unserer Fahrzeuge sehr konsequent voran.
Weitere Informationen hier .
Börsepeople im Podcast S23/03: Barbara Riedl-Wiesinger
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