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Analysten rechnen mit "Anpassungsprozess der Gewinnschätzungen nach unten"

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19.03.2022, 6412 Zeichen

Aus dem Wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Würde man nur auf die Fünftages-Performance der europäischen Aktienindizes schauen, so könnte schon fast der Eindruck entstehen, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine vorbei ist und alle wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Dem ist aber leider Gottes nicht so. Die Angriffe Russlands gehen trotz aller Verhandlungen unvermindert weiter und scheinen zudem an Härte gegenüber der Zivilbevölkerung sogar noch weiter zuzunehmen. Was ist aber dann der Grund für die in der letzten Woche durchaus als freundlich zu bezeichnende Aktienmarktperformance? Es ist schlicht und ergreifend das „Prinzip Hoffnung“. Im Wochenverlauf blitzten nämlich aufgrund der andauernden Verhandlungen zwischen der Ukraine und dem Aggressor Russland auch immer wieder kleine Lichtschimmer am glatten Börsenparkett auf. Immerhin meldete sich dazwischen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vorsichtig optimistisch in einer veröffentlichten Videobotschaft zu Wort, worin er die Verhandlungspositionen Russlands als realistischer einstufte. Zudem wurde bei den letzten Verhandlungsrunden zwischen Moskau und Kiew auch wiederholt eine Art Neutralität der Ukraine nach dem Vorbild Schwedens oder Österreichs ins Spiel gebracht, wobei der russische Außenminister Sergej Lawrow sogar von einer klaren Annäherung der Positionen gesprochen hat. Auch wenn die Ukraine in den Verhandlungen ein eigenes „ukrainisches“ Modell anstrebt, so ist aber der Umstand, dass darüber verhandelt und gleichzeitig von beiden Seiten an einem 15 Punkte-Plan gearbeitet wird, durchaus als vorsichtig positiv zu werten. Diese zaghafte Annäherung nährte die Hoffnungen, dass es möglicherweise doch noch zu einem Verhandlungserfolg und einer dementsprechenden Waffenruhe kommen kann, was an den Börsen einen vorsichtigen Optimismus wiedererweckte.

Aber nicht nur die aufkeimende Hoffnung einer möglichen Deeskalation im Ukraine-Krieg beflügelte die internationalen Aktienmärkte, nein, auch vonseiten Chinas kamen zuletzt Wortmeldungen, die von Investorenseite mehr als wohlwollend aufgenommen wurden. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, dass den chinesischen Aktien bereits im letzten Jahr ein gehöriger Gegenwind in Form von harten Regulierungsmaßnahmen und verhängten Strafen entgegenschlug, was die Vorgeschichte zum dramatischen Abverkauf zu Wochenbeginn (siehe Chart der Woche) darstellt. Was nun tatsächlich als Auslöser fungiert hat, lässt sich nur schwer eruieren. Fakt ist aber, dass es eine Reihe von Verkettungen war, welche die Befürchtungen der Investoren durch die Decke gehen ließ. Angefangen bei Sorgen vor US-Sanktionen aufgrund möglicher wirtschaftlicher oder militärischer Hilfe für Russland, über die drakonischen Maßnahmen in Folge erneuter COVID-19 Ausbrüche bis hin zu befürchteten Zwangs-Delistings chinesischer Unternehmen in den USA. Unabhängig davon, welcher dieser Faktoren am meisten zum Ausverkauf beigetragen hat, haben die geopolitischen Auswirkungen des russischen Einmarsches in der Ukraine den Verkaufsdruck jedenfalls noch zusätzlich verstärkt. Am Montag stürzte der Hang Seng China Enterprises Index, der die in Hongkong notierten Aktien des chinesischen Festlands abbildet, um 7,2 % ab und verzeichnete damit den stärksten Tagesrückgang seit dem Tiefpunkt der globalen Finanzkrise 2008. Inklusive Dienstag belief sich der Kurseinbruch dann schon auf über 13 % und im Vergleich zum Hoch vor etwas mehr als einem Jahr (17. Februar 2021) hatte sich der Index um satte 50 % ermäßigt. Scheinbar reichte dies Präsident Xi Jinping, der darauf bedacht ist, dass seine dritte Amtszeit im Herbst vom Parteitag der Kommunistischen Partei bestätigt wird, weswegen ihm Stabilität im Moment wichtiger als alles andere sein dürfte. Der Krieg seines russischen Amtskollegen gegen die Ukraine schafft hingegen nur weitere Instabilität und zeigt möglicherweise auch die Grenzen der Partnerschaft zwischen Russland und China auf. Am Mittwoch lösten der chinesische Vizeministerpräsident Liu He und der Ausschuss für Finanzstabilität und Entwicklung eine heftige Rally an den Aktienmärkten aus, als He eine Erklärung abgab, in der er auf die meisten der großen Sorgen der Anleger einging. Peking versprach, die Märkte zu stützen, die Börsennotierung in Übersee zu erleichtern und die Restrukturierung des Technologiesektors so bald wie möglich (und wohl auch etwas behutsamer) abzuschließen. Obwohl noch keine konkreten Maßnahmen veröffentlicht wurden, löste das bloße Lippenbekenntnis ein wahres Kursfeuerwerk aus, was auch die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten deutlich aufhellte. Dies ist umso bemerkenswerter, da auch an diesem Tag die US-Notenbank nicht nur wie erwartet ihre erste Zinserhöhung in Höhe von 25 Basispunkten verkündete, sondern auch noch den weiteren Pfad skizzierte. Konkret wurde eine etwas aggressivere Vorgehensweise verkündet, wonach die Zinssätze auf jeder der sechs verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr um jeweils 25 Basispunkte angehoben werden dürften, wodurch die Leitzinsspanne bis Ende 2022 auf 1,75 % bis 2,00 % steigen würde. Des Weiteren soll auch die durch die Corona-Notprogramme angeschwollene Fed-Bilanz bald reduziert werden, was dem Finanzmarkt Liquidität entziehen würde. Die Märkte reagierten überraschend tiefenentspannt und schlossen trotz der etwas aggressiver als erwarteten Vorgangsweise am Tageshöchststand.

Auch wenn die Aktienmärkte zuletzt etwas besser gelaufen sind, warnen wir vor verfrühtem Optimismus an den Börsen. Zaghafte Annäherungen bei den Verhandlungen der Kriegsparteien sind zwar vorsichtig positiv zu werten, aber von einem Durchbruch ist man wohl aufgrund der vielen offenen Fragen (Ländergrenzen, Entschädigung etc.) sowie der anhaltenden und massiven Angriffe Russlands vermutlich noch deutlich entfernt. Aufgrund des Umstandes, dass der „Westen“ mit Russland in einen offen geführten „Wirtschaftskrieg“ eingetreten ist und weitere militärische Eskalationen vonseiten Russlands sicher auch die Sanktionsspirale weiter in Bewegung halten werden, erscheint uns das in der letzten Woche schon angesprochene „Stagflationsszenario“ vor allem an den europäischen Aktienmärkten wohl auch weiterhin nicht vollständig eingepreist zu sein. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass es in den nächsten Wochen wohl zu einem deutlichen Anpassungsprozess der Gewinnschätzungen nach unten kommen wird."

 



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    Aber nicht nur die aufkeimende Hoffnung einer möglichen Deeskalation im Ukraine-Krieg beflügelte die internationalen Aktienmärkte, nein, auch vonseiten Chinas kamen zuletzt Wortmeldungen, die von Investorenseite mehr als wohlwollend aufgenommen wurden. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, dass den chinesischen Aktien bereits im letzten Jahr ein gehöriger Gegenwind in Form von harten Regulierungsmaßnahmen und verhängten Strafen entgegenschlug, was die Vorgeschichte zum dramatischen Abverkauf zu Wochenbeginn (siehe Chart der Woche) darstellt. Was nun tatsächlich als Auslöser fungiert hat, lässt sich nur schwer eruieren. Fakt ist aber, dass es eine Reihe von Verkettungen war, welche die Befürchtungen der Investoren durch die Decke gehen ließ. Angefangen bei Sorgen vor US-Sanktionen aufgrund möglicher wirtschaftlicher oder militärischer Hilfe für Russland, über die drakonischen Maßnahmen in Folge erneuter COVID-19 Ausbrüche bis hin zu befürchteten Zwangs-Delistings chinesischer Unternehmen in den USA. Unabhängig davon, welcher dieser Faktoren am meisten zum Ausverkauf beigetragen hat, haben die geopolitischen Auswirkungen des russischen Einmarsches in der Ukraine den Verkaufsdruck jedenfalls noch zusätzlich verstärkt. Am Montag stürzte der Hang Seng China Enterprises Index, der die in Hongkong notierten Aktien des chinesischen Festlands abbildet, um 7,2 % ab und verzeichnete damit den stärksten Tagesrückgang seit dem Tiefpunkt der globalen Finanzkrise 2008. Inklusive Dienstag belief sich der Kurseinbruch dann schon auf über 13 % und im Vergleich zum Hoch vor etwas mehr als einem Jahr (17. Februar 2021) hatte sich der Index um satte 50 % ermäßigt. Scheinbar reichte dies Präsident Xi Jinping, der darauf bedacht ist, dass seine dritte Amtszeit im Herbst vom Parteitag der Kommunistischen Partei bestätigt wird, weswegen ihm Stabilität im Moment wichtiger als alles andere sein dürfte. Der Krieg seines russischen Amtskollegen gegen die Ukraine schafft hingegen nur weitere Instabilität und zeigt möglicherweise auch die Grenzen der Partnerschaft zwischen Russland und China auf. Am Mittwoch lösten der chinesische Vizeministerpräsident Liu He und der Ausschuss für Finanzstabilität und Entwicklung eine heftige Rally an den Aktienmärkten aus, als He eine Erklärung abgab, in der er auf die meisten der großen Sorgen der Anleger einging. Peking versprach, die Märkte zu stützen, die Börsennotierung in Übersee zu erleichtern und die Restrukturierung des Technologiesektors so bald wie möglich (und wohl auch etwas behutsamer) abzuschließen. Obwohl noch keine konkreten Maßnahmen veröffentlicht wurden, löste das bloße Lippenbekenntnis ein wahres Kursfeuerwerk aus, was auch die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten deutlich aufhellte. Dies ist umso bemerkenswerter, da auch an diesem Tag die US-Notenbank nicht nur wie erwartet ihre erste Zinserhöhung in Höhe von 25 Basispunkten verkündete, sondern auch noch den weiteren Pfad skizzierte. Konkret wurde eine etwas aggressivere Vorgehensweise verkündet, wonach die Zinssätze auf jeder der sechs verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr um jeweils 25 Basispunkte angehoben werden dürften, wodurch die Leitzinsspanne bis Ende 2022 auf 1,75 % bis 2,00 % steigen würde. Des Weiteren soll auch die durch die Corona-Notprogramme angeschwollene Fed-Bilanz bald reduziert werden, was dem Finanzmarkt Liquidität entziehen würde. Die Märkte reagierten überraschend tiefenentspannt und schlossen trotz der etwas aggressiver als erwarteten Vorgangsweise am Tageshöchststand.

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