18.12.2021, 4005 Zeichen
Aus dem Equity Weekly der Erste Group: Der globale Aktienmarktindex gab in der letzten Woche in EUR um -0,4% nach. Der Stoxx 600 notierte in EUR fast unverändert (-0,1%), der S&P 500 verlor in EUR -0,2%. Der Nikkei 225 hingegen befestigte sich in EUR um +0,9%. Der globale Schwellenländerindex setzte auch gegen Ende des Jahres seine relative Schwäche fort. Er verlor im Wochenvergleich in EUR -2,2%.
Die Energiepreise stiegen auch in der letzten Woche an. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl legte um +2,1% zu. Der Preisanstieg seit Jahresbeginn beträgt +45%. Der Gaspreis legte vor allem in Europa stark zu. Die Ursachen dafür sind ein geringer Lagerbestand, ein durch eine kühlere Witterung erhöhter Verbrauch, der CO2-Preis für die Emissionen von Kohlendioxid und auch die gestiegenen Ängste um die Versorgungs-sicherheit durch Russland. Der Preisanstieg für europäisches Erdgas für die Lieferung im Folge- monat, stieg seit Jahresbeginn in EUR um +607% (bzw. +33,5% in der letz- ten Woche).
Erdgas wird in zahlreichen Ländern, wie auch in Österreich, unter anderem zur Stromerzeugung im Winter eingesetzt, wenn die Wasserkraftwerke we- niger Leistung erbringen. Der Strompreis ist in den letzten Monaten eben- falls stark angestiegen. Der Preis für 1 MWh Grundlast betrug in Deutsch- land zuletzt EUR 245. Der nachstehende Chart zeigt den raschen Anstieg des Strompreises, der schon Ende 2020 eingesetzt hatte.
Aktien mit einer hohen Relation von der Energieintensität zu den Umsätzen sind von den steigenden Energiepreisen negativ betroffen, besonders wenn die operative Marge niedrig ist. Dies trifft beispielsweise für Werte im Roh- stoff- und im Industriebereich zu (z.B. BASF, Bayer, Continental – alle drei sind Halten-Empfehlungen). Firmen mit hohen Margen in diesen Sektoren können aufgrund ihrer Wettbewerbsvorteile die gestiegenen Einstandskos- ten für Energie wesentlich leichter durch Preiserhöhungen weitergeben (z.B. Linde, Sika, ABB – die Aktien dieser drei Firmen sind Kauf-Empfehlungen in der Globalen Aktienempfehlungsliste). Die Aktien dieser Unternehmen wei- sen auch eine signifikant bessere Performance auf als jene der schwäche- ren Mitbewerber des Sektors. Eine sehr geringe Relation von Energieinten- sität/Umsatz haben vor allem Unternehmen aus dem Konsumbereich. Dazu zählen Firmen wie L’Oreal (Kaufen), LVMH (Kaufen), Kering (Halten), Ri- chemont (Halten), Zalando (Halten), Adidas (Halten).
Das politische Risiko ist derzeit ebenfalls ein wichtiger Faktor, der die Ertragserwartung für Aktien und Aktienindizes bestimmt. Nach China rückt derzeit das gestiegenen politische Risiko bei russischen Aktien in das Blickfeld der Anleger. Bei chinesischen Aktien hat die Einflussnahme der Politik bei Unternehmen heuer zu großen Kursrückgängen bei vielen Aktien geführt.
Auch in vielen russischen Unternehmen hat die Politik einen großen Einfluss. Dazu kommt das Risiko von weiteren Sanktionen, die bei Konflikten von Russland mit Nachbarstaaten verhängt werden würden. Aktionäre müssen sich daher bei russischen Unternehmen mit einer nachhaltig niedrigeren Bewertung der Aktien im globalen Sektoren-Vergleich abfinden. So ging z.B. der Kurs der Gazprom-Aktie (Halten) in den letzten beiden Monaten sukzessive zurück, während der Gaspreis stark anstieg. Das für 2022 erwartete KGV von 3,3x hat wenig Potenzial für eine Ausweitung. Die Aktie von Sberbank (Halten) weist beispielsweise trotz der im europäischen Vergleich sehr hohen Profitabilität (ROE und operative Marge) eine sehr niedrigere Bewertung nach dem erwarteten KGV auf (2022e von 5,2x).
Aktien aus entwickelten Märkten haben also langfristig signifikant bessere Perspektiven. Der nachstehende Chart zeigt, dass ein höheres Demokratie-Rating eines Landes auch eine höhere Bewertung nach dem KGV zur Folge hat.
Ausblick: Wir erwarten, dass der globale Aktienmarkt in den nächsten Woche seitwärts tendieren wird. Die Leitindizes der entwickelten Märkte sollten ihre Outperformance gegenüber den Schwellenländer-Indizes fortsetzen.
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