29.08.2021, 3855 Zeichen
Aus dem wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Die Leitindizes der etablierten Wirtschaftsräume tendierten in dieser Woche leicht aufwärts. Datenseitig kamen von den Schnellschätzungen für die PMIs Impulse, wobei die in Summe etwas unter den Erwartungen ausgefallenen Vorlaufindikatoren das Sentiment nicht substanziell eintrübten. Im Hinblick auf die Geldpolitik übte sich der Markt dann im Vorfeld der Rede von Fed-Präsident Powell am jährlichen Symposium in Jackson Hole in Zurückhaltung.
Auch in den nächsten Tagen stehen wieder makroökonomische Daten bei den Aktieninvestoren im Fokus, da u.a. mit den ISM-Indizes und dem freitägigen Arbeitsmarktbericht die monatlichen Datenschwergewichte auf der Agenda stehen. Unsere Ökonomen gehen bei den wichtigen Vorlaufindikatoren in den nächsten Monaten von einer Konsolidierung auf hohem Niveau aus. Insofern sollte dieser Einflussfaktor in den nächsten Wochen die Aktien nicht mehr groß stützen oder sich sogar als leicht belastend herausstellen. Ein sehr starker Arbeitsmarktbericht könnte zudem noch mehr Gewissheit bringen, dass die Fed in Bälde mit ihrem ersten Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik beginnt und folglich mit der Reduktion des Ankaufprogramms startet. Das könnte zumindest kurzfristig für ein Störfeuer an den Märkten sorgen. Auch die Sorge vor erneuten Lockdowns dürfte in den nächsten Wochen auf dem Radar bleiben, was sich für die sogenannten „Reopening“-Aktien als Belastungsfaktor in der kalten Jahreszeit herausstellen könnte. Dass der Aktienmarkt im Hinblick auf die Konjunktur momentan die Dinge vielleicht ein wenig auf die leichte Schulter nimmt, kann auch aus dem Umstand abgeleitet werden, wonach wirtschaftssensitive Rohstoffe wie Öl oder Kupfer im Gegensatz zu den sich zum Größtenteil auf Höhenjagd befindlichen Aktienmärkten aktuell deutlich unter ihren Jahreshöchstständen notieren.
Wenig Richtung ist bis Mitte Oktober nunmehr auch von Seiten der Unternehmen zu erwarten, da die Berichtssaison bis auf wenige Ausreißer erfolgreich zu Ende gebracht wurde. Die Ergebnisse konnten dabei sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks klar überzeugen, was zu deutlichen Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2021 führte (z.B. S&P 500: 46 %). Damit ist allerdings auch die Spitze im Hinblick auf die Wachstumsdynamik erreicht und im zweiten Halbjahr bzw. 2022 ist klar von einer Normalisierung der Gewinnwachstumsraten auszugehen.
Im Hinblick auf die Markttechnik ist interessant zu beobachten, dass der S&P 500 mittlerweile sehr lange ohne größere Disruption unterwegs ist. Konkret ist das mittlerweile die drittlängste Periode nach der Finanzmarktkrise, in der nach einem Allzeithoch noch kein 5 %-Rückschlag verzeichnet wurde. In Summe bestätigen wir daher für die von uns analysierten Aktienindizes die „Halten“-Empfehlung und setzen darauf, dass wir in den saisonal ohnehin schwächeren Monaten September und Oktober noch bessere Gelegenheiten vorfinden, um die Empfehlung wieder auf "Kauf" zu drehen, da wir auf Jahressicht weiterhin konstruktiv für die Aktienmarktentwicklung sind. Beim chinesischen Aktienmarkt raten wir hingegen schon jetzt zum Einstieg. Der Hang Seng China Enterprise Index (HSCEI) hat vom Jahreshoch in der Spitze mehr als 27 % verloren, die großen Tech-Titel sogar noch deutlich mehr. Im Hinblick auf die Konjunktur-Abkühlungsängste und Regulierungsbestrebungen liegt hier unserer Meinung nach schon sehr viel Negatives auf dem Tisch, auch wenn der Nachrichtenfluss in den Herbst hinein weitere schlechte Nachrichten bringen könnte. Dafür, dass chinesische Aktien schon über Gebühr abgestraft wurden spricht u.a. auch, dass der HSCEI im Vergleich zum S&P 500 auf Kursbasis und Bewertungsbasis (der Abschlag beim Kurs/ Buchwertverhältnis beträgt 80 %!) jüngst den tiefsten Stand seit 20 Jahren markierte."
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