13.07.2021, 3362 Zeichen
Das Handelsvolumen privater Anlagegeschäfte hat sich seit 2016 verdoppelt und macht nun etwa 20 Prozent des durchschnittlichen Volumens der täglich in den USA gehandelten Aktien aus. "Mit dem Angebot provisionsfreier Handelsgeschäfte haben neue Anbieter den öffentlichen Zugang zum Aktienmarkt erweitert und dabei Millionen neuer Marktteilnehmer angelockt", wie Javier Rodriguez-Alarcon, Leiter Portfolio Management/Quantitative Investment Strategies bei Goldman Sachs Asset Management, meint.
Goldman Sachs Asset Management hat sich angesehen, was der Anstieg der Privatanlagetätigkeiten für den Gesamtmarkt bedeutet. Und welche Auswirkungen das auf die Aktienbewertungen für aktive Manager und ihre Fähigkeit haben, Alpha zu generieren und Risiken zu steuern.
Das Equity Alpha Team hat dabei mehrere, auf den Mikrostrukturen des Marktes basierende hauseigene Methoden entwickelt, um abzuleiten, welche Geschäfte eventuell von Kleinanlegern ausgingen – und ob es sich dabei um Käufe oder Verkäufe gehandelt hat. Die Handelsgeschäfte von Privatanlegern haben bestimmte identifizierbare Merkmale, wie Transaktionsgrößen und Ausführungsmethoden. Werden diese gezielt untersucht, können Schätzungen über das Handelsvolumen privater Anleger an einem bestimmten Tag abgeleitet werden.
"Zu diesen Datensätzen gehört das Interesse an bestimmten Tickersymbolen bei Suchvorgängen auf den gängigsten Suchmaschinen. Auch andere Daten, wie Kommentare in Onlineforen oder Beiträge in sozialen Medien, können uns dabei helfen, Aktien zu identifizieren, denen der nächste Hype seitens Kleinanlegern gelten könnte", so Rodriguez-Alarcon.
In jedem Fall: Anlageentscheidungen sollten auf der Grundlage einer ganzheitlicheren Perspektive getroffen werden, die mehr berücksichtigt als nur die Stimmung bei den Kleinanlegern.
Rodriguez-Alarcon: "Die Positionen in unseren Portfolios werden von uns laufend überwacht. So können Aktien erkannt werden, die eine extrem große Aufmerksamkeit von Kleinanlegern auf sich ziehen könnten. Unser Hauptaugenmerk gilt dabei Hinweisen auf übermäßigen Optimismus. Denn aufgrund der Kosten von Leerverkäufen haben Kleinanleger nur begrenzte Möglichkeiten, negative Einschätzungen einer Aktie zum Ausdruck zu bringen. Wir analysieren zudem marktbasierte Kennzahlen, wie die Short-Interest-Quote. Diese misst, wie viele – meist institutionelle – Anleger eine Short-Position in einer bestimmten Aktie halten. Bei Aktien mit hoher Short-Interest-Quote oder hoher Kreditaufnahme ist die Gefahr höher, dass es zu einem Short Squeeze kommt. Diese Kombination aus verschiedenen Einschätzungen und Auffassungen berücksichtigen wir bei der Bestimmung, wie viel Risiko wir einer Aktie zuordnen möchten."
Was Faktorrisiken angeht, konnten von GSAM gleichbleibende Muster bei den Gesamtrisiken beobachtet werden, die Kleinanleger eingehen – etwa bei Aktien mit höherer Volatilität. "Da Privatanleger meist auf der Suche nach der Aktie sind, die der nächste „Hauptgewinn“ sein könnte, bevorzugen sie häufig Aktien, deren Kurse stark schwanken, weil sie dadurch auf höhere Gewinne hoffen", so Rodriguez-Alarcon. Er sagt:
"Grundsätzlich möchten wir mit unserem Prozess abwägen, wie wir die potenziellen Chancen, die sich durch die gestiegene Aktivität von Kleinanlegern bieten, nutzen und gleichzeitig an unseren gründlichen Risikomanagementpraktiken festhalten können."
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