22.02.2021, 5012 Zeichen
Dr. Martin Gächter ist Leiter Finanzstabilität / Makroprudenzielle Aufsicht der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA). Im Gespräch mit dem Börse Social Magazine erläutert er die aktuelle Situation bei den liechtensteinischen Banken.
Bis jetzt scheinen die liechtensteinischen Banken die Corona-Pandemie vergleichsweise gut zu überstehen. Was ist deren Rezept?
Der „sichere Hafen“ Liechtenstein ist auch in Krisenzeiten sehr gefragt. Trotz eines erheblichen Rückgangs der verwalteten Kundenvermögen im Zuge der Finanzmarktkorrektur im März und April konnte der liechtensteinische Bankensektor seine Profitabilität sogar steigern und die Kapitalisierung nahm entgegen dem internationalen Trend zu. Während der Finanzmarktturbulenzen stieg die Handelstätigkeit der Kunden, wodurch die Banken höhere Erträge aus Kommission- und Gebühreneinnahmen erwirtschaften konnten. Darüber hinaus verzeichnete Liechtensteins Bankensektor auch Nettoneugeldzuflüsse.
Welchen Einfluss hat das anhaltende Tiefzinsumfeld für die liechtensteinischen Banken?
Niedrige Zinssätze und hohe Bewertungen an den Aktien- und Anleihenmärkten stellen alle Finanzintermediäre, speziell bei der Profitabilität, vor immer neue Herausforderungen. Niedrige Zinssätze sind mit geringeren Zinsmargen und Kapitalerträgen verbunden, was für viele Finanzmarktteilnehmer eine geringere Profitabilität bedeutet. Das klassische Kreditgeschäft der liechtensteinischen Banken spielt im Vergleich zur Vermögensverwaltung aber eine eher untergeordnete Rolle. So wurden sie vom Niedrigzinsumfeld deutlich weniger getroffen.
In der Schweiz kam es in den vergangenen zwölf Monaten zu namhaften Übernahmen im Privatbanken-Sektor. Ist eine solche Entwicklung auch im Fürstentum respektive bei den liechtensteinischen Banken zu erwarten?
Der liechtensteinische Bankensektor wird insbesondere durch drei große Akteure – LGT Bank AG, Liechtensteinische Landesbank AG und VP Bank AG – geprägt. Diese Institute verfolgen nach eigenen Angaben künftig selbst eine Wachstumsstrategie, welche unter anderem auch Übernahmen im Ausland beinhalten kann.
Welche Institutionen spielen in Liechtenstein bei der Gewährleistung der Finanzstabilität eine Rolle?
Da Liechtenstein über keine eigene Zentralbank verfügt, fällt das Mandat zur Gewährleistung der Finanzstabilität gesetzlich der FMA zu. Die FMA publiziert einen jährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht, der einen Überblick über die identifizierten systemischen Risiken gibt und auch erklärt, wie diese Risiken adressiert werden. Im Jahr 2019 wurde ausserdem ein Ausschuss für Finanzmarktstabilität eingerichtet, dessen Mitglieder vom Finanzministerium und von der FMA entsendet werden. Der Ausschuss beschäftigt sich regelmäßig mit den identifizierten strukturellen und zyklischen systemischen Risiken im liechtensteinischen Finanzsektor. Wie beabsichtigt, hat seine Schaffung dazu beigetragen, dass deren Identifizierung und Eindämmung zunehmend in den Vordergrund gerückt ist.
Zudem ist Liechtenstein seit 2017 Mitglied im Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und arbeitet aktiv in den verschiedenen Gremien der europäischen Makro-Aufsicht mit. Um die Finanzstabilität nachhaltig sicherzustellen, ist eine differenzierte Kombination von makroprudenziellen Kapitalpuffern sowie Kreditgeber- und Kreditnehmer-basierten Maßnahmen in Kraft. Damit wird die systemische Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors verbessert und die Anhäufung systemischer Risiken verhindert.
Welche Risikofaktoren stufen Sie als Aufsichtsbehörde des Finanzmarktes am höchsten respektive am bedrohlichsten ein?
Größere akute Risiken für die Finanzplatzstabilität sehen wir derzeit nicht. Insgesamt zeichnet sich der liechtensteinische Bankensektor durch ausgezeichnete Kapital- und Liquiditätsindikatoren aus, was für die Stabilität natürlich sehr förderlich ist. Trotzdem gibt es einige Risiken, die wir regelmäßig beobachten. Beispielsweise ist die private Haushaltsverschuldung im internationalen Vergleich relativ hoch. Wir sehen dies nicht als akutes Risiko, müssen dieses Thema mittelfristig aber im Auge behalten. Das Geschäftsmodell des Private Banking und der Vermögensverwaltung ist naturgemäß mit Reputationsrisiken verbunden. Hier macht es sich bezahlt, dass Liechtenstein in den letzten Jahren im Bereich der Geldwäschereiprävention eine absolute Nulltoleranzpolitik verfolgt hat.
In Bezug auf die globale Pandemie ist die Unsicherheit weiterhin hoch. Zwar erwarten wir, dass die negativen Effekte auf den liechtensteinischen Bankensektor deutlich schwächer ausfallen werden als in anderen Ländern, dennoch müssen wir die wichtigsten Indikatoren in den nächsten Monaten aufmerksam beobachten. Damit der Finanzsektor eine wichtige unterstützende Rolle in der wirtschaftlichen Erholung spielen kann, muss ein Übergreifen des realwirtschaftlichen Einbruchs auf den Finanzsektor mit allen Mitteln verhindert werden.
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