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Virtuelle FACC-HV 26.6.2020: Rupert-Heinrich Staller gibt Widerspruch zu Protokoll (Günter Luntsch)

Virtuelle FACC-HV 26.6.2020. Auf der FACC-HV am 26.6.2020 wurde ziemlich sicher das Ende der virtuellen HVs in Österreich eingeleitet. Das ist der Hauptkritikpunkt seitens der angemeldeten Aktionäre, der sich bei aller Höflichkeit nicht noch weiträumiger umschreiben lässt, das hat ja jeder Zuseher mitgekriegt: Sinnentstellendes Zusammenfassen von Aktionärsfragen und nur teilweise oder gar keine Beantwortung derselben. Und, so erfuhr ich weiters, beantragte Wortmeldungen wurden einfach nicht vorgelesen. Ja, das habe ich schon geahnt, es war auch nur logisch, dass Rupert-Heinrich Staller Widerspruch zu Protokoll gab. Es ist mir schon klar, dass man als Betroffener keine Freude hat, wenn Staller das Wort ergreift. Aber das gleich im Vorfeld zu unterbinden, das geht halt auch nicht. Die Möglichkeit der virtuellen HV wurde nicht geschaffen, um sich Wortmeldungen von Aktionären vom Leib zu halten. Das wird nicht gelingen, und schon gar nicht bei Staller. Um unserer AG die Kosten einer weiteren HV um sage und schreibe 150.000 Euro (die billigere um 120.000 Euro wird nicht gehen, aus gutem Grund) zu ersparen, würde ich dringend ersuchen, das Einvernehmen mit Staller zu suchen. Also natürlich mit allen betroffenen Aktionären, aber Staller zieht das durch, wie man ihn kennt. Mit einer ordentlichen HV hatte diese virtuelle Rumpfgeschäftsjahrs-HV jedenfalls nichts zu tun. Das ist keine Kritik am Unternehmen FACC, an das wir alle mehr oder weniger glauben (Zeiten werden härter, FACC muss schrumpfen, das haben wir verstanden, und wir akzeptieren es auch), sondern am Umgang mit den Aktionären. So etwas darf nicht einreißen, sonst macht es jede andere AG genauso, die unangenehme Fragen fürchtet. Auch eine virtuelle HV darf nicht auf diese Art durchgezogen werden. Es sind eh nur wenige Aktionäre "anwesend". Soll keine Werbung für einen ohnehin gut beschäftigten Mann sein, aber ein Alfred Gusenbauer schafft es, eine HV in einem guten Zeitrahmen zu Ende zu bringen, ohne dass er Aktionärswortmeldungen unter den Tisch fallen lässt.

Der ARV Zhen Pang konnte aufgrund der Reisebeschränkungen nicht kommen. Eine Präsenz von 79 anwesenden Aktionären mit 27,498.375 Aktien wurde verlesen. Den Vorsitz auf der HV konnte er nicht übernehmen, da dieser nur von einer persönlich anwesenden Person übernommen werden könne. Es gab 10 Minuten Pause, damit die Aktionäre Vorschläge für die Vorsitzführung einbringen können. Kurz sah es so aus, als sei kein Vorschlag eingelangt, es habe "ein technisches Problem in der 10-Minuten-Frist" gegeben. Die Vorsitzführung durch Rechtsanwalt Richard Wolf kam zur Abstimmung, da Notar Christian Mayer auf Aktionärsvorschlag meinte, der beurkundende Notar dürfe nicht den Vorsitz führen. Mit nur 490 Gegenstimmen fuhr der Kandidat bei einer Anwesenheit von 57,51% des Grundkapitals eine satte Mehrheit von 99,99% ein. Es gab gegen seine Wahl Widerspruch zu Protokoll. Der HV-Leiter erklärte unumwunden, dass man von der Vorlesung von langwierigen, abschweifenden und beleidigenden Wortmeldungen Abstand nehmen werde. Anm: Und jetzt sind diejenigen Aktionäre beleidigt, die meinen, ihre Wortmeldung hätte gar keine beleidigenden Worte enthalten. Gut, die fallen im Verständnis des HV-Leiters dann halt unter "langwierig" oder "abschweifend".

Wir wurden über 220.000 Euro AR-Vergütung für das 9monatige Rumpfgeschäftsjahr informiert, die der AR je nach Leistung unter seinen Mitgliedern verteilen wolle. Zum Fixum zwischen 20.000 und 35.000 Euro kämen Sitzungsgelder zwischen 2.000 und 2.500 Euro hinzu. Von Rolls-Royce habe man den Best-Practice-Award erhalten. Wir erfuhren von der strategischen Partnerschaft mit Ehang. Und schon war die erste Stunde vergangen, am "langwierigen" Start waren aber nicht die Aktionäre schuld. Der AR-Kandidat Thomas "Tom" Williams, vorher CFO bei Airbus, "unserem wichtigsten Kunden", wurde vorgestellt bzw. stellte sich in einer Videobotschaft auch selbst vor. FACC habe einen Auftragsstand über 800 Mio. US-Dollar und 43% EK-Quote, zuletzt sei ein Schuldscheindarlehen über 70 Mio. Euro erfolgreich zur Zeichnung aufgelegen. 59% der bei FACC erzeugten Bauteile fänden direkt oder indirekt ihren Weg in einen Airbus, nicht immer sei Airbus der direkte Kunde. Das Geschäft mit Boeing mache nur noch 8% des Umsatzes aus, es habe sich aufgrund eines Modellwechsels schon vorher um 60 Mio reduziert, die Probleme mit der 737 MAX würden uns daher nicht wirklich tangieren, da "FACC dort nichts wesentliches macht". 27% mache man mit dem A320 (Anm: von dem haben wir erst kürzlich bei Pankl gehört). Man wolle von 5% auf 8% Ergebnismarge kommen. In Kroatien wolle man ein neues Werk errichten, dort habe man aktuell 1,5 Mio Euro investiert, insbesondere in den Erwerb von 128.000 m2 Grund, habe derzeit aber noch keinen Bau vor, man prüfe die Auswirkungen von Covid19.

CFO Ales Starek erklärte, IFRS15 habe uns 10 Mio Ebitda pro Jahr gekostet, und IFRS16 habe die Nettoverschuldung um 30 Mio nach oben getrieben. Eine nachhaltige Dividendenpolitik sei eine unserer Prioritäten. Das gute Marktumfeld habe man für günstige Refinanzierung genutzt. CEO Robert Machtlinger meinte, es könne davon ausgegangen werden, dass die Krisenbewältigung länger als 2008 dauern werde. 80% der Flugzeugflotte seien bis vor kurzem nicht in Betrieb gewesen, das schlage voll auf unsere Kunden durch. Bei Boeing sei es wegen des 737-MAX-Groundings noch dramatischer. Das werde sich spürbar auf die FACC auswirken: "Kurz- und mittelfristig wird die FACC kleiner werden." Ganz zu Beginn habe man zwei Corona-Fälle gehabt, die den Virus aus dem familiären Umfeld bekommen hätten. Kurzarbeit sei bis Ende September beantragt und genehmigt worden. Man führe mit dem Betriebsrat Gespräche, um notwendige Personalanpassungen vornehmen zu können. China sei zwei Monate vor Europa von Covid19 betroffen gewesen, es komme nun zu einem leichten Wiederanstieg des Luftverkehrs in China, er liege aber immer noch 50% unter dem Niveau vor Corona. Da so viele Flugzeuge nicht in Betrieb seien, könne es zu keiner Neuauslieferung in größerer Stückzahl kommen. Der Markt werde sich konsolidieren, wir könnten Mitbewerber übernehmen, oder wir könnten Arbeitspakete übernehmen, die derzeit dort gemacht werden. Es zähle jetzt, die Liquidität zu sichern, die Kosten zu senken, den Marktanteil zu steigern. Für einen wirtschaftlichen Ausblick erbitte er Geduld, mangels Branchentransparenz könne eine Prognose auf das Gesamtgeschäftsjahr noch nicht gegeben werden.

Um 11:47 h verlies HV-Leiter Wolf eine aktuelle Präsenz von 80 Aktionären mit 27,498.475 Aktien, ein 100-Stück-Aktionär hat es also doch noch rechtzeitig geschafft, einen der vier besonderen Stimmrechtsvertreter zu bevollmächtigen, die Wortfolge "bis tunlichst 24. Juni 2020 um 12:00 Uhr (MESZ) (einlangend)" in der Einladung zur HV hat also nur empfehlenden Charakter. Florian Beckermann gab an, davon 76 Aktionäre mit rund 2 Mio Stimmen zu vertreten. Auf eine Aktionärsfrage erfuhren wir, dass der gesamte Vorstand auf 20% des Nettobezugs verzichte, das Geld stehe auf einem Konto des Unternehmens "für FACC-Mitarbeiter im Falle einer Krise zur Verfügung", das müsse nicht Covid19 sein, es könne auch eine familiäre Krise sein. Es gebe keine Strafzahlungen für zurückgezogene Aufträge, FACC habe hier keine Möglichkeit. Und wir hätten keine Strafzahlungen zu leisten, da wir unseren Verpflichtungen immer zeitgerecht nachgekommen seien. Mit 5 Partnerfirmen an Bord habe man ein WC für die Bedürfnisse von eingeschränkten Fluggästen entwickelt, derzeit sei 1/2 Mio Euro hier investiert worden, die österreichische FFG fördere, wir hätten das WC aber noch nicht verkaufen können, der Zeitpunkt sei ungünstig. Sehr viel wurde über die zu erreichenden Ziele für die Vorstandsboni geredet, allerdings nicht sehr erhellend, die Ausführungen waren für den Normalaktionär allesamt ziemlich abstrakt. Interessanter wurde es, als (zusammengefasst) Fragen zum "Fake President Incident" kamen, was zwar schon viereinhalb Jahre zurück liege, aber immer noch reges Interesse seitens der Aktionäre zeitige. Es sei "unsere Pflicht, den Schaden so gut wie möglich zu ersetzen". Mit der Versicherung sei man zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Frau Gu und Herr Stephan seien geklagt worden. Frau Gu habe man in Deutschland klagen müssen, da die Zustimmung aller Betroffenen nötig gewesen wäre, wenn man das im ursprünglich angestrebten gemeinsamen Verfahren in Österreich mache. Wegen Covid19 sei es zu Verzögerungen gekommen. Der Paukenschlag aber: Die chinesischen Behörden hätten zwar unsere 10,8 Mio Euro nach Österreich zurück überwiesen, allerdings gebe es eine Weisung seitens des österreichischen Justizministeriums, dass das Geld nicht an FACC rücküberwiesen werden dürfe. Anm: Wenn das stimmen sollte, dass die Republik Österreich das Geld nötiger brauchen sollte als die FACC, dann schockt mich das. Und noch mehr schockt mich, dass wir Unsummen an Rechtskosten ausgeben müssen, um an unser eigenes Geld heranzukommen. Eigentlich wachsen in Österreich ja nur in bescheidenem Umfang Bananen, aber mir drängt sich da ein Vergleich auf.

Der CFO war sichtlich genervt von vielen Aktionärsfragen, deren Antworten man (angeblich) eh irgendwo im Geschäftsbericht nachlesen könne, er weigerte sich, sie zu beantworten. Was für Fragen das genau waren, erfuhren wir nicht. Die D&O-Versicherung habe man kürzlich gewechselt (Anm: wohl aus nachvollziehbarem Grund), für 70.000 Euro Prämie sei man nun auf 50 Mio. Euro versichert, und zwar zur Hälfte durch AXA, zur anderen Hälfte durch Allianz. Wir erfuhren von 80.000 Euro Spesen des Aufsichtsrats. Anm: Heuer, wenn nicht leicht geflogen werden kann, werden sie wohl drastisch sinken. Zum Aktienkurs könne nur gesagt werden, dass viel Unsicherheit im Markt vorherrsche, das treibe die Volatilität nach oben.

Machtlinger verriet, man habe 17 Leiharbeitskräfte weltweit, davon 12 in Österreich, das seien aber spezielle Techniker, im Fertigungsbereich beschäftige man keine Leiharbeitskräfte mehr. In Kroatien gehe es um arbeitsintensive Prozesse, die man von Zulieferern zurückholen könnte. Derzeit würden dort keine Investitionen getätigt. Produktionsunterbrechungen setze man ganz gezielt ein (Anm: wegen Kurzarbeitförderung?). Die HV-Kosten hätten im Vorjahr 150.000 Euro betragen, heuer spare man 20% davon ein, weil die Online-HV nur 120.000 koste. Der CFO wollte sich nicht für unterlassene Aktienzukäufe durch die Vorstandsmitglieder im letzten Jahr rechtfertigen, das sei privat und persönlich, jeder müsse das für sich selbst entscheiden. Die Wirtschaftsprüferkosten würden sich nach der Arbeit richten, und die Prüfung von 9 Monaten sei nicht weniger Arbeit als die Prüfung von 12 Monaten. Anm: Zusammen mit den neuerlichen HV-Kosten schon nach 9 Monaten bedeutet so ein Rumpfwirtschaftsjahr einen ziemlich hohen Kostenfaktor für eine AG.

Laut Machtlinger mit Hinweis auf die Bekanntgabe der Freisetzung von bis zu 700 Mitarbeitern "blute einem das Herz, wenn Sie hochqualifizierte Mitarbeiter dem Markt zurückgeben müssen". Anm: Das hat er sehr schön gesagt, in Wirklichkeit kann die spätere Suche nach einem ähnlich qualifizierten Mitarbeiter das Unternehmen recht teuer kommen, aber natürlich sollte man nicht vergessen, dass die Rückgabe an den Markt auch für den Mitarbeiter oft kein Honiglecken ist, bis auf die wenigen Leute, die wirklich was besseres finden. Die Abstimmungen gingen mit mindestens 98% PRO-Stimmen zu allen Tagesordnungspunkten mit Zustimmung aus. Staller gab Widerspruch gegen die gesamte HV zu Protokoll, da durch die Covid-Verordnung das Rederecht nicht aufgehoben worden sei. Um 13:34 h, nach kaum mehr als dreieinhalb Stunden, war die virtuelle HV (soweit man sie als HV bezeichnen kann) zu Ende.
FACC ( Akt. Indikation:  6,30 /6,35, 0,40%)

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 29.06.)

(29.06.2020)



 

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    CFO Ales Starek erklärte, IFRS15 habe uns 10 Mio Ebitda pro Jahr gekostet, und IFRS16 habe die Nettoverschuldung um 30 Mio nach oben getrieben. Eine nachhaltige Dividendenpolitik sei eine unserer Prioritäten. Das gute Marktumfeld habe man für günstige Refinanzierung genutzt. CEO Robert Machtlinger meinte, es könne davon ausgegangen werden, dass die Krisenbewältigung länger als 2008 dauern werde. 80% der Flugzeugflotte seien bis vor kurzem nicht in Betrieb gewesen, das schlage voll auf unsere Kunden durch. Bei Boeing sei es wegen des 737-MAX-Groundings noch dramatischer. Das werde sich spürbar auf die FACC auswirken: "Kurz- und mittelfristig wird die FACC kleiner werden." Ganz zu Beginn habe man zwei Corona-Fälle gehabt, die den Virus aus dem familiären Umfeld bekommen hätten. Kurzarbeit sei bis Ende September beantragt und genehmigt worden. Man führe mit dem Betriebsrat Gespräche, um notwendige Personalanpassungen vornehmen zu können. China sei zwei Monate vor Europa von Covid19 betroffen gewesen, es komme nun zu einem leichten Wiederanstieg des Luftverkehrs in China, er liege aber immer noch 50% unter dem Niveau vor Corona. Da so viele Flugzeuge nicht in Betrieb seien, könne es zu keiner Neuauslieferung in größerer Stückzahl kommen. Der Markt werde sich konsolidieren, wir könnten Mitbewerber übernehmen, oder wir könnten Arbeitspakete übernehmen, die derzeit dort gemacht werden. Es zähle jetzt, die Liquidität zu sichern, die Kosten zu senken, den Marktanteil zu steigern. Für einen wirtschaftlichen Ausblick erbitte er Geduld, mangels Branchentransparenz könne eine Prognose auf das Gesamtgeschäftsjahr noch nicht gegeben werden.

    Um 11:47 h verlies HV-Leiter Wolf eine aktuelle Präsenz von 80 Aktionären mit 27,498.475 Aktien, ein 100-Stück-Aktionär hat es also doch noch rechtzeitig geschafft, einen der vier besonderen Stimmrechtsvertreter zu bevollmächtigen, die Wortfolge "bis tunlichst 24. Juni 2020 um 12:00 Uhr (MESZ) (einlangend)" in der Einladung zur HV hat also nur empfehlenden Charakter. Florian Beckermann gab an, davon 76 Aktionäre mit rund 2 Mio Stimmen zu vertreten. Auf eine Aktionärsfrage erfuhren wir, dass der gesamte Vorstand auf 20% des Nettobezugs verzichte, das Geld stehe auf einem Konto des Unternehmens "für FACC-Mitarbeiter im Falle einer Krise zur Verfügung", das müsse nicht Covid19 sein, es könne auch eine familiäre Krise sein. Es gebe keine Strafzahlungen für zurückgezogene Aufträge, FACC habe hier keine Möglichkeit. Und wir hätten keine Strafzahlungen zu leisten, da wir unseren Verpflichtungen immer zeitgerecht nachgekommen seien. Mit 5 Partnerfirmen an Bord habe man ein WC für die Bedürfnisse von eingeschränkten Fluggästen entwickelt, derzeit sei 1/2 Mio Euro hier investiert worden, die österreichische FFG fördere, wir hätten das WC aber noch nicht verkaufen können, der Zeitpunkt sei ungünstig. Sehr viel wurde über die zu erreichenden Ziele für die Vorstandsboni geredet, allerdings nicht sehr erhellend, die Ausführungen waren für den Normalaktionär allesamt ziemlich abstrakt. Interessanter wurde es, als (zusammengefasst) Fragen zum "Fake President Incident" kamen, was zwar schon viereinhalb Jahre zurück liege, aber immer noch reges Interesse seitens der Aktionäre zeitige. Es sei "unsere Pflicht, den Schaden so gut wie möglich zu ersetzen". Mit der Versicherung sei man zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Frau Gu und Herr Stephan seien geklagt worden. Frau Gu habe man in Deutschland klagen müssen, da die Zustimmung aller Betroffenen nötig gewesen wäre, wenn man das im ursprünglich angestrebten gemeinsamen Verfahren in Österreich mache. Wegen Covid19 sei es zu Verzögerungen gekommen. Der Paukenschlag aber: Die chinesischen Behörden hätten zwar unsere 10,8 Mio Euro nach Österreich zurück überwiesen, allerdings gebe es eine Weisung seitens des österreichischen Justizministeriums, dass das Geld nicht an FACC rücküberwiesen werden dürfe. Anm: Wenn das stimmen sollte, dass die Republik Österreich das Geld nötiger brauchen sollte als die FACC, dann schockt mich das. Und noch mehr schockt mich, dass wir Unsummen an Rechtskosten ausgeben müssen, um an unser eigenes Geld heranzukommen. Eigentlich wachsen in Österreich ja nur in bescheidenem Umfang Bananen, aber mir drängt sich da ein Vergleich auf.

    Der CFO war sichtlich genervt von vielen Aktionärsfragen, deren Antworten man (angeblich) eh irgendwo im Geschäftsbericht nachlesen könne, er weigerte sich, sie zu beantworten. Was für Fragen das genau waren, erfuhren wir nicht. Die D&O-Versicherung habe man kürzlich gewechselt (Anm: wohl aus nachvollziehbarem Grund), für 70.000 Euro Prämie sei man nun auf 50 Mio. Euro versichert, und zwar zur Hälfte durch AXA, zur anderen Hälfte durch Allianz. Wir erfuhren von 80.000 Euro Spesen des Aufsichtsrats. Anm: Heuer, wenn nicht leicht geflogen werden kann, werden sie wohl drastisch sinken. Zum Aktienkurs könne nur gesagt werden, dass viel Unsicherheit im Markt vorherrsche, das treibe die Volatilität nach oben.

    Machtlinger verriet, man habe 17 Leiharbeitskräfte weltweit, davon 12 in Österreich, das seien aber spezielle Techniker, im Fertigungsbereich beschäftige man keine Leiharbeitskräfte mehr. In Kroatien gehe es um arbeitsintensive Prozesse, die man von Zulieferern zurückholen könnte. Derzeit würden dort keine Investitionen getätigt. Produktionsunterbrechungen setze man ganz gezielt ein (Anm: wegen Kurzarbeitförderung?). Die HV-Kosten hätten im Vorjahr 150.000 Euro betragen, heuer spare man 20% davon ein, weil die Online-HV nur 120.000 koste. Der CFO wollte sich nicht für unterlassene Aktienzukäufe durch die Vorstandsmitglieder im letzten Jahr rechtfertigen, das sei privat und persönlich, jeder müsse das für sich selbst entscheiden. Die Wirtschaftsprüferkosten würden sich nach der Arbeit richten, und die Prüfung von 9 Monaten sei nicht weniger Arbeit als die Prüfung von 12 Monaten. Anm: Zusammen mit den neuerlichen HV-Kosten schon nach 9 Monaten bedeutet so ein Rumpfwirtschaftsjahr einen ziemlich hohen Kostenfaktor für eine AG.

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