15.04.2020, 7851 Zeichen
Die wichtigsten Börsen Europas haben am Dienstag größtenteils mit Erleichterung auf deutlich besser als erwartet ausgefallene Exportdaten aus China reagiert. Allerdings bröckelten die bis zum Nachmittag erzielten Gewinne anschließend etwas ab. Nach dem verlängerten Osterwochenende schloss der EuroStoxx 50 leicht höher mit einem Zuwachs von 0,9%, der CAC 40 in Paris verzeichnete einen Anstieg um 0,4%, der Dax schloss um 1,3% stärker, lediglich der FTSE 100 in London musste 0,9% nachgeben.
Hauptgrund für die eher freundliche Stimmung war die Meldung aus China, dass die Exporte im März lediglich um 6,6% zurückgegangen waren, es war mit einem viel deutlicheren Rückgang gerechnet worden. Die Drosselung der Ölproduktion um rund 10 Millionen Barrel pro Tag war etwas enttäuschend, es war mit stärkeren Kürzungen gerechnet worden, half allerdings, den Ölpreis vorerst einmal zu stabilisieren. Unter den einzelnen Branchen legten am Dienstag nach Ostern der Einzelhandels- und der Gesundheitssektor zu, während der Immobilien-, der Reise- und Freizeitsektor, der Öl- und der Bankensektor recht deutlich nachgaben. Druck lastete nach der Vorlage der Quartalszahlen von JPMorgan und Wells Fargo in den USA auf dem Bankensektor, ING war mit einem Abschlag von 5,7% am stärksten betroffen. Anheuser Busch halbierte wegen der Corona-Pandemie die Dividende, die Aktie schloss aber nur wenig verändert. Renault steigt aus der Partnerschaft mit dem chinesischen Automobilhersteller Dongfeng aus, nach anfänglichen Zuwächsen musste das französische Unternehmen 2,8% schwächer schliessen. Orange profitierte von einer frischen Kaufempfehlung durch UBS, der Telekomkonzern konnte rund 2,5% zulegen. In Deutschland gab es eine stundenlange Unterbrechung beim elektronischen Handel auf Grund einer Cyberattacke, erst am Nachmittag konnte der Betrieb wieder voll aufgenommen werden. SAP konnte von der guten Stimmung im Technologiesektor profitieren, nach den guten Vorgaben vom Vortag aus den USA konnte der Softwarehersteller um 1,8% anziehen. Wirecard konnte mit einem Plus von 8,0% die Spitze im Dax belegen, MTU Aero Engines hingegen leidet nach wie vor unter den Ausfällen im Flugverkehr und war mit einem Minus von knapp 6,0% Schlusslicht im deutschen Leitindex. Bei den Nebenwerten konnte Osram einen Kurssprung von 12,0% verzeichnen, da sich die Aussichten auf eine positiven Abschluss der Übernahme durch ams in dem freundlichen Umfeld klar gebessert hatten.
Technische Probleme standen im Mittelpunkt des Geschehens im Wien, der Handel stand am Vormittag bis in die frühen Nachmittagsstunden still, danach kam es zu Problemen bei der Kursauslieferung, die letzte verfügbare Notierung zeigte den ATX 0,8% im Plus. Der Handel habe regulär stattgefunden, wurde von der Wiener Börse mitgeteilt, das Problem habe lediglich die Auslieferung der Daten betroffen. Bei der letztmaligen Kursübermittlung war Do & Co der klare Gewinner des Tages mit einem Plus von 9,3%, auch Kapsch TrafficCom war gesucht und konnte sich um 6,2% verbessern. Ebenfalls in der Gunst der Käufer hoch oben rangierte Polytec mit einem Zuwachs von 4,2%, ebenso Palfinger, der Kranhersteller konnte eine Verbesserung im gleichen Ausmaß erzielen. Die Verliererliste wurde von uniqa angeführt, für den Versicherer ging es um 4,0% nach unten, auch Andritz war wenig beliebt, der Anlagenbauer musste 3,3% abgeben.
In den USA wurde das Geschehen einmal mehr von den Technologiewerten dominiert, der Nasdaq 100 konnte sich um stolze 4,3% verbessern, im Vergleich dazu fielen die Zuwächse der anderen Indices etwas ab, der Dow Jones erzielte ein Plus von 2,4% und der S&P 500 konnte um 3,1% vorrücken. Auch in den USA sorgten die weniger stark als befürchtet zurückgegangenen Exportdaten aus China für Optimismus, auch wenn der Internationale Währungsfonds in seiner neuesten Studie mit einer weltweiten Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von rund drei Prozent rechnet. Im Blickpunkt standen die ersten Ergebnisse der Berichtssaison, Johnson & Johnson konnte ein beeindruckendes erstes Quartal vorlegen, auch wenn für den weiteren Jahresverlauf ein Umsatz- und Gewinnrückgang erwartet wird, soll die Dividende dennoch erhöht werden und zusätzlich wird der Konzern seine Anstrengungen auf die Entwicklung einer Covid-19-Impfung legen, die Aktie erzielte ein Plus von 4,5%. Noch besser war im Dow Jones Walgreens Boots Alliance mit einem Zuwachs von 5,2%, auch Apple konnte sich um 5,1% verbessern auf Grund einer Meldung, wonach sich die iPhone-Absatzmengen in China im März stark erholt haben. JPMorgan musste auf Grund der Corona-Krise einen deutlichen Gewinneinbruch vermelden, die Aktie gab 2,7% ab. Noch deutlicher rutschte der Rivale Wells Fargo nach unten, die Bank hat deutlich weniger Gewinn gemacht und musste auf Grund der aktuellen Situation große Rückstellungen bilden, das führte zu einem Minus von 4,0%. Amazon kristallisiert sich als einer der Gewinner der Krise heraus, weil immer mehr Kunden auf Online-Bestellungen ausweichen müssen, gestern konnte der Titel um 5,3% auf ein neues Rekordhoch zulegen. Auch Tesla war erneut stark, dank eines positiven Kommentars von Credit Suisse konnte der Elektroautohersteller einen weiteren Zuwachs von 9,1% erzielen.
Wieder nachgeben mussten die Ölpreise vor allem gegen Ende des Handelstages trotz der Drosselung der Produktion auf Grund der düsteren Erwartungen des IWF für die Weltwirtschaft, Brent schloss 5,8% schwächer, für WTI ging es um 7,1% nach unten. Gold konnte nach einem eher volatilen Handelsverlauf leicht stärker bei einer Notierung von rund 1.730 US-Dollar den Tag beenden. Der Euro konnte sich im Handel gegen den US-Dollar leicht verbessern, das Währungspaar notierte am späten Abend bei einem Kurs von etwas über 1,098.
Vorbörslich sind die Märkte in Europa heute Mittwoch zur Eröffnung nahezu unverändert indiziert. Die Börsen in Asien verzeichneten größtenteils leichte Kursverluste. Unternehmensseitig gibt es Neuigkeiten zu Andritz und UNIQA (siehe unten). Makroseitig stehen in Europa heute die Verbraucherpreise, in den USA der Einzelhandelsumsatz, Empire State Index, Industrieproduktion, Lagerbestände sowie das Fed Beige Book im Fokus der Märkte.
UNTERNEHMENSNACHRICHTEN
Andritz
Der heimische Maschinenproduzent Andritz gab gestern bekannt, dass man beabsichtigt, die Anteile an der Schuler Aktiengesellschaft vollumfänglich zu übernehmen und hierfür ein Verfahren zur Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre bei der Schuler Aktiengesellschaft durchzuführen (sogenannter aktienrechtlicher Squeeze Out). Die ANDRITZ BTG IV, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der ANDRITZ AG, hält derzeit 96,62% des Grundkapitals der Schuler Aktiengesellschaft und ist damit deren Hauptaktionärin. Die Höhe der angemessenen Barabfindung, die die ANDRITZ BTG IV als Hauptaktionärin den Minderheitsaktionären der Schuler Aktiengesellschaft für die Übertragung der Aktien gewähren wird, steht derzeit noch nicht fest.
Uniqa
Die erheblichen negativen Auswirkungen von COVID-19 auf die Kapitalmärkte im ersten Quartal 2020 führen auf Basis vorläufiger Arbeiten zum Abschluss für das erste Quartal 2020 zu einer Belastung vor allem des Veranlagungsergebnisses von UNIQA. Als Resultat erwartet UNIQA ein negatives Ergebnis vor Steuern im niedrigen zweistelligen Millionen Euro Bereich für das erste Quartal 2020.
Aufgrund der hohen Unsicherheiten hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen durch COVID-19 auch im weiteren Jahresverlauf kann UNIQA die Prognose für das Geschäftsjahr 2020, wonach das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 2020 ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2019 liegen wird, nicht aufrecht erhalten. UNIQA erwartet daher ein möglicherweise negatives Ergebnis vor Steuern für das Gesamtjahr 2020. Die vorgeschlagene Dividende für 2019 beträgt 18 Cent (statt 54 Cent) je Aktie.
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