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Weltrekorde, Barrieren, Meilensteine (Vienna City Marathon)

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07.10.2019, 6938 Zeichen

Leichtathletik-Momente, die Geschichte geschrieben haben, in Österreich und weltweit

Wenn Eliud Kipchoge in Wien den Marathon in 1:59 läuft, wird das ein legendäres Ereignis der Weltsports. Die Leistung wäre so monumental, dass sie in Erinnerung bleibt, auch wenn dabei kein offizieller Weltrekord nach IAAF-Regeln erzielt wird.

Auftritte von Sportstars und Weltrekorde sind auch Teil von Österreichs Leichtathletik-Geschichte. Der legendäre Finne Paavo Nurmi ist 1926 und 1928 bei mehreren Rennen in Wien gestartet. Der Wiener Prater, wo Eliud Kipchoge im Oktober Sportgeschichte schreiben will, war mehrfach Schauplatz für Weltrekorde. 1948 erzielte Österreichs bisher einzige Leichtathletik-Olympiasiegerin Herma Bauma im heutigen Ernst-Happel-Stadion mit 48,63 Meter einen Weltrekord im Speerwurf. Ilona Gusenbauer jubelte 1971 an gleicher Stelle über den Weltrekord von 1,92 Meter im Hochsprung. 1978 sorgte Henry Rono mit dem 10.000m-Weltrekord von 27:22,4 Minuten am LAZ (ehemals Cricket Platz) ganz nahe an der Prater Hauptallee für Furore.

2001 war Götzis in Vorarlberg der Ort für den legendären ersten Zehnkampf über 9.000 Punkte. Der Tscheche Roman Sebrle sorgte mit 9.026 Zählern für eine Sternstunde.

Ohne Weltrekordleistungen, aber von riesiger Publikumsbegeisterung begleitet, lief in den Jahren 2011-13 der Laufstar Haile Gebrselassie beim Halbmarathonbewerb des Vienna City Marathon. 2012 kam es dabei zum einmaligen Duell mit Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe. Paula war gesundheitlich angeschlagen, darum konnte Haile die Zeitvorgabe souverän aufholen – große Emotionen, großes Kino.

Rekorde zu übertreffen und „Schallmauern“ zu durchbrechen war immer ein Teil des Sports. Hier ein Blick auf ganz große Barrierebrecher, auf unbekannte Sportler und auf Grenzen, die es noch zu überwinden gilt.

Erste Meile unter vier Minuten

Das historische Vorbild für alle Barriere-Brecher im Sport: Der Brite Roger Bannister lief am 6. Mai 1954 in Oxford die erste „Sub-4“ Meile. Dieses Vorhaben galt als außerhalb der menschlichen Fähigkeiten. Seine Zeit für die 1609,34 Meter lautete 3:59,4 Minuten. Ein Mythos war geboren. Bannister und seine beiden Tempomacher, Chris Brasher und Chris Chataway, wurden vom aus Wien stammenden Trainer Franz Stampfl trainiert. Der legendäre Coach wurde kürzlich vom Leichtathletik Weltverband posthum als einer von sechs Trainern weltweit mit einer „World Athletics Heritage Plaque“ geehrt. Eliud Kipchoge hat seinen ersten Versuch, die 2-Stunden-Marke im Marathon zu unterbieten, nicht zufällig am 6. Mai 2017 unternommen. Ebenso wurde genau am 6. Mai 2019 bekannt gegeben, dass er es ein weiteres Mal versuchen will.

100 Meter in 10,0 Sekunden

Armin Hary aus Deutschland lief beim Leichtathletik-Meeting im Zürcher Letzigrund am 21. Juni 1960 handgestoppte 10,0 Sekunden. Sein erster Lauf in 10,0 wurde wegen eines angeblichen Fehlstarts annulliert. Eine halbe Stunde später lief er erneut und diesmal offiziell 10,0 Sekunden. Der zweifache Sprint-Olympiasieger erregte damit mehr Aufmerksamkeit als die erste Zeit unter der 10-Sekunden-Grenze. Jim Hines (USA) siegte bei den Olympischen Spielen in der Höhenlage von Mexico 1968 in elektronisch gestoppter Zeit von 9,95 Sekunden.

Zehnkampf über 9.000 Punkte

Roman Sebrle hat am 26. und 27. Mai 2001 in Götzis als erster Mensch die 9.000 Punkte im Zehnkampf übertroffen. „Sebrle hat den Himmel berührt“, schrieb die tschechische Zeitung „Sport“ über das bahnbrechende Ergebnis von 9.026 Punkten. „Es war ein Meilenstein der Sportgeschichte“, sagte der langjährige Meetingdirektor Konrad Lerch.

Weitsprung über 9 Meter

Diese Barriere gilt es noch zu übertreffen, doch es scheint nicht unmittelbar bevor zu stehen. Der „Jahrhundertsprung“ von Bob Beamon auf 8,90 Meter bei den Olympischen Spielen in der Höhenluft von Mexico 1968 galt lange als unerreichbar. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio 1991 lieferten sich Carl Lewis und Mike Powell ein legendäres Duell um den Titel. Lewis sprang bei diesem Wettkampf 8,84 Meter, 8,87 Meter und 8,91 Meter weit, doch Powell triumphierte mit der Weltrekordweite von 8,95 Meter.

Frauen-Marathon unter 2:20 Stunden

Die Japanerin Naoko Takahashi jubelte am 30. September 2001 in Berlin über den Marathonsieg in 2:19:46 Stunden. Als erste Frau war sie unter 2:20 geblieben. Bald darauf verbesserten weitere Läuferinnen diese Marke. Unerreicht ist bis heute Paula Radcliffe mit ihren 2:15:25 Stunden vom London Marathon am 13. April 2003.

Marathon-„Schallmauern“ Frauen

Erste unter 2:30: Grete Waitz (NOR) 2:27:33 Stunden, New York Marathon, 1979
Erste unter 2:20: Naoko Takahashi (JPN) 2:19:46 Stunden, Berlin Marathon, 2001
Erste unter 2:19: Catherine Ndereba (KEN) 2:18:47 Stunden, Chicago Marathon, 2001
Erste unter 2:18: Paula Radcliffe (GBR) 2:17:18 Stunden, Chicago Marathon, 2002
Erste unter 2:16 und aktuelle Weltrekordhalterin: Paula Radcliffe (GBR) 2:15:25 Stunden, London, 2003

Erste Österreicherin unter drei Stunden

Erste Österreicherin, die einen Marathon gelaufen ist, war im Jahr 1971 Melitta Bogensperger in 3:53:15 Stunden. Mehr als zehn Jahre danach schaffte Henriette Fina die erste Sub-3 Zeit einer Österreicherin – und wie! Sie siegte beim Bienwald-Marathon 1982 in Kandel in 2:40:51 Stunden. 1983 steigerte sie sich in Osaka auf 2:39:22 Stunden.

Erster Österreicher unter drei Stunden

Otto Pensl aus Steyr lief am 27. September 1925 in Wien einen Marathon in 2:59:21 Stunden. „Niemand hätte daran geglaubt“, schrieben die „Wiener Neuesten Nachrichten“ am Tag darauf, „dass es in Österreich einen Menschen gibt, der die Strecke von 42,2 Kilometern unter drei Stunden zurücklegen könnte.“ Der vergleichsweise hügelige Marathonkurs führte vom Sportclub-Platz in Hernals durchs Wiental nach Westen bis Untertullnerbach und wieder zurück. Pensl war mit dem Fahrrad nach Wien gekommen und fuhr auf diese Weise auch wieder nach Hause. Als Kommunist war er im Austrofaschismus wie in der NS-Zeit mehrfach inhaftiert. Am 28. April 1945 wurde er im KZ Mauthausen ermordet.

Marathon-„Schallmauern“ Männer

Erster unter 2:20: Jim Peters (GBR) 2:18:41 Stunden, Polytechnic Marathon London, 1953
Erster unter 2:10: Derek Clayton (AUS) 2:09:37 Stunden, Fukuoka Marathon, 1967
Erster unter 2:05: Paul Tergat (KEN) 2:04:55 Stunden, Berlin Marathon, 2003
Erster unter 2:04: Haile Gebrselassie (ETH) 2:03:59 Stunden, Berlin Marathon, 2008
Erster unter 2:03: Dennis Kimetto (KEN), 2:02:57 Stunden, Berlin Marathon, 2014
Erster unter 2:02 und aktueller Weltrekordhalter: Eliud Kipchoge (KEN), 2:01:39 Stunden, Berlin 2018

Erste Österreicher unter 2:10 und unter 2:30

Derzeit halten Lemawork Ketema (2:10:44 beim Vienna City Marathon 2019) und Andrea Mayr (2:30:43 beim Vienna City Marathon 2009) die österreichischen Marathonrekorde. Die Grenzen von 2:10 und 2:30 werden früher oder später fallen. Wir freuen uns darauf!


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Im Original hier erschienen: Weltrekorde, Barrieren, Meilensteine



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    Leichtathletik-Momente, die Geschichte geschrieben haben, in Österreich und weltweit

    Wenn Eliud Kipchoge in Wien den Marathon in 1:59 läuft, wird das ein legendäres Ereignis der Weltsports. Die Leistung wäre so monumental, dass sie in Erinnerung bleibt, auch wenn dabei kein offizieller Weltrekord nach IAAF-Regeln erzielt wird.

    Auftritte von Sportstars und Weltrekorde sind auch Teil von Österreichs Leichtathletik-Geschichte. Der legendäre Finne Paavo Nurmi ist 1926 und 1928 bei mehreren Rennen in Wien gestartet. Der Wiener Prater, wo Eliud Kipchoge im Oktober Sportgeschichte schreiben will, war mehrfach Schauplatz für Weltrekorde. 1948 erzielte Österreichs bisher einzige Leichtathletik-Olympiasiegerin Herma Bauma im heutigen Ernst-Happel-Stadion mit 48,63 Meter einen Weltrekord im Speerwurf. Ilona Gusenbauer jubelte 1971 an gleicher Stelle über den Weltrekord von 1,92 Meter im Hochsprung. 1978 sorgte Henry Rono mit dem 10.000m-Weltrekord von 27:22,4 Minuten am LAZ (ehemals Cricket Platz) ganz nahe an der Prater Hauptallee für Furore.

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    Rekorde zu übertreffen und „Schallmauern“ zu durchbrechen war immer ein Teil des Sports. Hier ein Blick auf ganz große Barrierebrecher, auf unbekannte Sportler und auf Grenzen, die es noch zu überwinden gilt.

    Erste Meile unter vier Minuten

    Das historische Vorbild für alle Barriere-Brecher im Sport: Der Brite Roger Bannister lief am 6. Mai 1954 in Oxford die erste „Sub-4“ Meile. Dieses Vorhaben galt als außerhalb der menschlichen Fähigkeiten. Seine Zeit für die 1609,34 Meter lautete 3:59,4 Minuten. Ein Mythos war geboren. Bannister und seine beiden Tempomacher, Chris Brasher und Chris Chataway, wurden vom aus Wien stammenden Trainer Franz Stampfl trainiert. Der legendäre Coach wurde kürzlich vom Leichtathletik Weltverband posthum als einer von sechs Trainern weltweit mit einer „World Athletics Heritage Plaque“ geehrt. Eliud Kipchoge hat seinen ersten Versuch, die 2-Stunden-Marke im Marathon zu unterbieten, nicht zufällig am 6. Mai 2017 unternommen. Ebenso wurde genau am 6. Mai 2019 bekannt gegeben, dass er es ein weiteres Mal versuchen will.

    100 Meter in 10,0 Sekunden

    Armin Hary aus Deutschland lief beim Leichtathletik-Meeting im Zürcher Letzigrund am 21. Juni 1960 handgestoppte 10,0 Sekunden. Sein erster Lauf in 10,0 wurde wegen eines angeblichen Fehlstarts annulliert. Eine halbe Stunde später lief er erneut und diesmal offiziell 10,0 Sekunden. Der zweifache Sprint-Olympiasieger erregte damit mehr Aufmerksamkeit als die erste Zeit unter der 10-Sekunden-Grenze. Jim Hines (USA) siegte bei den Olympischen Spielen in der Höhenlage von Mexico 1968 in elektronisch gestoppter Zeit von 9,95 Sekunden.

    Zehnkampf über 9.000 Punkte

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    Weitsprung über 9 Meter

    Diese Barriere gilt es noch zu übertreffen, doch es scheint nicht unmittelbar bevor zu stehen. Der „Jahrhundertsprung“ von Bob Beamon auf 8,90 Meter bei den Olympischen Spielen in der Höhenluft von Mexico 1968 galt lange als unerreichbar. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio 1991 lieferten sich Carl Lewis und Mike Powell ein legendäres Duell um den Titel. Lewis sprang bei diesem Wettkampf 8,84 Meter, 8,87 Meter und 8,91 Meter weit, doch Powell triumphierte mit der Weltrekordweite von 8,95 Meter.

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    Erste Österreicherin unter drei Stunden

    Erste Österreicherin, die einen Marathon gelaufen ist, war im Jahr 1971 Melitta Bogensperger in 3:53:15 Stunden. Mehr als zehn Jahre danach schaffte Henriette Fina die erste Sub-3 Zeit einer Österreicherin – und wie! Sie siegte beim Bienwald-Marathon 1982 in Kandel in 2:40:51 Stunden. 1983 steigerte sie sich in Osaka auf 2:39:22 Stunden.

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    Otto Pensl aus Steyr lief am 27. September 1925 in Wien einen Marathon in 2:59:21 Stunden. „Niemand hätte daran geglaubt“, schrieben die „Wiener Neuesten Nachrichten“ am Tag darauf, „dass es in Österreich einen Menschen gibt, der die Strecke von 42,2 Kilometern unter drei Stunden zurücklegen könnte.“ Der vergleichsweise hügelige Marathonkurs führte vom Sportclub-Platz in Hernals durchs Wiental nach Westen bis Untertullnerbach und wieder zurück. Pensl war mit dem Fahrrad nach Wien gekommen und fuhr auf diese Weise auch wieder nach Hause. Als Kommunist war er im Austrofaschismus wie in der NS-Zeit mehrfach inhaftiert. Am 28. April 1945 wurde er im KZ Mauthausen ermordet.

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    Erster unter 2:10: Derek Clayton (AUS) 2:09:37 Stunden, Fukuoka Marathon, 1967
    Erster unter 2:05: Paul Tergat (KEN) 2:04:55 Stunden, Berlin Marathon, 2003
    Erster unter 2:04: Haile Gebrselassie (ETH) 2:03:59 Stunden, Berlin Marathon, 2008
    Erster unter 2:03: Dennis Kimetto (KEN), 2:02:57 Stunden, Berlin Marathon, 2014
    Erster unter 2:02 und aktueller Weltrekordhalter: Eliud Kipchoge (KEN), 2:01:39 Stunden, Berlin 2018

    Erste Österreicher unter 2:10 und unter 2:30

    Derzeit halten Lemawork Ketema (2:10:44 beim Vienna City Marathon 2019) und Andrea Mayr (2:30:43 beim Vienna City Marathon 2009) die österreichischen Marathonrekorde. Die Grenzen von 2:10 und 2:30 werden früher oder später fallen. Wir freuen uns darauf!


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