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Vier Gründe für eine Investition in die Automobilindustrie

10.09.2019

Diego D'Argenio, Teamleiter Global ESG Integrated bei Swisscanto Invest, nimmt die europäische Automobilindustrie unter die Lupe: „Zweifellos gelten Automobilaktien aufgrund ihrer aktuell tiefen Bewertung als gute Beispiele für Value-Titel. Europäische Automobilhersteller verloren fast 13 Prozent Prozent über die vergangenen zwölf Monate (STOXX Europe Automobiles Index bis 30.08.2019), wobei die bekannten Namen mit minus 8 Prozent bis minus 25 Prozent nochmals stärker nachgaben. Im gleichen Zeitraum lag der breite europäische Aktienmarkt mit 2,2 Prozent im Plus. Investoren mieden in jüngerer Vergangenheit dieses Segment, da sich europäische Automobilhersteller sinkenden Verkaufszahlen, abnehmender Profitabilität und steigenden Investitionsausgaben gegenübersahen. Letztere sind unter anderem notwendig, um die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge auf dem Markt weiter zu erhöhen.“

Einige der größten Herausforderungen für den Sektor sind: A) Transition zum Elektrofahrzeug, welche keineswegs einfach ist und enorme Investitionsausgaben erfordert. Gemäß einer Reuters-Studie wird erwartet, dass die globale Automobilindustrie über die nächsten fünf bis zehn Jahre rund USD 300 Billionen für Technologien im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen ausgeben wird. B) Das verlangsamende Wachstum im chinesischen Automobilmarkt. Diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen insbesondere für europäische Automobilhersteller, welche eine hohe Abhängigkeit vom chinesischen Konsumenten aufgebaut haben: BMW generierte beispielsweise fast 50 Prozent des Nettoeinkommens in China. C) Der weiterhin ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China. Er trägt zur allgemeinen Unsicherheit bei und trübt die Prognosen bezüglich zukünftigen Investitionsaktivitäten. „Somit gibt es im Prinzip genügend Gründe, um den Automobilsektor abzustrafen und um sich Verkaufsargumente für europäische Automobilaktien zurecht zu legen“, so D'Argenio.

Weiter meint der Aktienmarktexperte: „Viele der aktuellen Herausforderungen können weder einfach noch schnell gemeistert werden. Und es vergehen noch einige Quartale, bevor der breite Markt den wahren Wert, welcher der Automobilindustrie innewohnt, entdeckt. Vier Gründe machen eine Investition zum heutigen Zeitpunkt attraktiv.“

Diese Gründe sind im Einzelnen:

Die finanzielle Lage der Autohersteller zeigt sich gefestigt und bleibt solide. Trotz den fallenden operativen Margen können viele Fahrzeugproduzenten auf eine robuste Finanzlage zählen. Die steigenden Investitionsausgaben, welche seit 2013 zu beobachten sind, finanzieren sich durch vorangegangene äußerst profitable Geschäftsjahre und sind entsprechend kein Grund zur Besorgnis. Gleich nach der globalen Finanzkrise kürzten Unternehmen ihre Investitionsausgaben und nutzten Effizienzpotenziale aus, so dass sie heute über eine weit bessere Verfassung verfügen.

Die Sicherheitsmarge ist groß genug, da sich die Bewertung der Industrie auf historischen Tiefstständen bewegt. Die aktuellen Bewertungsindikatoren implizieren bereits eine signifikante Vernichtung von Shareholder Value über die nächsten Jahre.

Trotz struktureller Veränderungen, welche die Automobilindustrie zwingen ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen, bleibt die Industrie hochgradig kapitalintensiv. Dies bedeutet, dass die Einstiegsbarrieren weiterhin hoch sind. Dies befähigt traditionelle Autobauer, um neue technologische Trends zu konkurrieren. Die Geschichte der US- Firma Tesla zeigt deutlich, dass es viele Jahre braucht, um ein kapitalintensives Geschäftsmodell nachhaltig und profitabel zu etablieren.

Historisch gesehen ist der beste Zeitpunkt für eine Investition in Automobilaktien dann, wenn die Gewinne substanziell unter Druck kommen und die Markterwartungen auf Tiefstständen notieren. Es sind keine Anzeichen zu sehen, warum es dieses Mal anders sein sollte als in den vergangenen 30 Jahren.

Abschließend sagt D'Argenio: „Aktien steigen im Wert nicht einfach an, weil sie günstig sind. Gewisse Signale sind hierzu notwendig. Bereits eine bescheidene Erholung des chinesischen Markts kann diese Funktion ausüben und für eine Neubewertung des Automobilsektors sorgen. Aktuell ist die Erwartungshaltung gegenüber Autoherstellern extrem tief, was bedeutet, dass schon eine leichte Aufhellung im chinesischen Automarkt einen signifikanten Schub bei den Aktienkursen auslösen kann.“




 

Bildnachweis

1. Diego D'Argenio, Teamleiter Global ESG Integrated bei Swisscanto Invest, Credit: Swisscanto   >> Öffnen auf photaq.com

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Diego D'Argenio, Teamleiter Global ESG Integrated bei Swisscanto Invest, Credit: Swisscanto


Autor
Christine Petzwinkler
Börse Social Network/Magazine


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    Einige der größten Herausforderungen für den Sektor sind: A) Transition zum Elektrofahrzeug, welche keineswegs einfach ist und enorme Investitionsausgaben erfordert. Gemäß einer Reuters-Studie wird erwartet, dass die globale Automobilindustrie über die nächsten fünf bis zehn Jahre rund USD 300 Billionen für Technologien im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen ausgeben wird. B) Das verlangsamende Wachstum im chinesischen Automobilmarkt. Diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen insbesondere für europäische Automobilhersteller, welche eine hohe Abhängigkeit vom chinesischen Konsumenten aufgebaut haben: BMW generierte beispielsweise fast 50 Prozent des Nettoeinkommens in China. C) Der weiterhin ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China. Er trägt zur allgemeinen Unsicherheit bei und trübt die Prognosen bezüglich zukünftigen Investitionsaktivitäten. „Somit gibt es im Prinzip genügend Gründe, um den Automobilsektor abzustrafen und um sich Verkaufsargumente für europäische Automobilaktien zurecht zu legen“, so D'Argenio.

    Weiter meint der Aktienmarktexperte: „Viele der aktuellen Herausforderungen können weder einfach noch schnell gemeistert werden. Und es vergehen noch einige Quartale, bevor der breite Markt den wahren Wert, welcher der Automobilindustrie innewohnt, entdeckt. Vier Gründe machen eine Investition zum heutigen Zeitpunkt attraktiv.“

    Diese Gründe sind im Einzelnen:

    Die finanzielle Lage der Autohersteller zeigt sich gefestigt und bleibt solide. Trotz den fallenden operativen Margen können viele Fahrzeugproduzenten auf eine robuste Finanzlage zählen. Die steigenden Investitionsausgaben, welche seit 2013 zu beobachten sind, finanzieren sich durch vorangegangene äußerst profitable Geschäftsjahre und sind entsprechend kein Grund zur Besorgnis. Gleich nach der globalen Finanzkrise kürzten Unternehmen ihre Investitionsausgaben und nutzten Effizienzpotenziale aus, so dass sie heute über eine weit bessere Verfassung verfügen.

    Die Sicherheitsmarge ist groß genug, da sich die Bewertung der Industrie auf historischen Tiefstständen bewegt. Die aktuellen Bewertungsindikatoren implizieren bereits eine signifikante Vernichtung von Shareholder Value über die nächsten Jahre.

    Trotz struktureller Veränderungen, welche die Automobilindustrie zwingen ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen, bleibt die Industrie hochgradig kapitalintensiv. Dies bedeutet, dass die Einstiegsbarrieren weiterhin hoch sind. Dies befähigt traditionelle Autobauer, um neue technologische Trends zu konkurrieren. Die Geschichte der US- Firma Tesla zeigt deutlich, dass es viele Jahre braucht, um ein kapitalintensives Geschäftsmodell nachhaltig und profitabel zu etablieren.

    Historisch gesehen ist der beste Zeitpunkt für eine Investition in Automobilaktien dann, wenn die Gewinne substanziell unter Druck kommen und die Markterwartungen auf Tiefstständen notieren. Es sind keine Anzeichen zu sehen, warum es dieses Mal anders sein sollte als in den vergangenen 30 Jahren.

    Abschließend sagt D'Argenio: „Aktien steigen im Wert nicht einfach an, weil sie günstig sind. Gewisse Signale sind hierzu notwendig. Bereits eine bescheidene Erholung des chinesischen Markts kann diese Funktion ausüben und für eine Neubewertung des Automobilsektors sorgen. Aktuell ist die Erwartungshaltung gegenüber Autoherstellern extrem tief, was bedeutet, dass schon eine leichte Aufhellung im chinesischen Automarkt einen signifikanten Schub bei den Aktienkursen auslösen kann.“




     

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    Christine Petzwinkler
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