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13.08.2019, 7281 Zeichen

STAMAG-HV (5) und Ende. Auf die Frage eines Aktionärs nach den Kosten dieser HV und der Existenz der AG erfuhren wir, dass die reinen Kosten dieser HV mit 19.500 Euro für die Einschaltung in der Wiener Zeitung, die notwendigen Veröffentlichungen usw. in die GuV eingeflossen seien. Die Kosten der österreichischen Prüfstelle für Rechnungslegung betrügen 7.725 Euro pro Jahr, die Kosten des Aufsichtsrats 14.560 Euro. Bei der Frage eines weiteren Aktionärs zur Art der Rohstoffabsicherung wurde es wieder extrem spannend. Die Preisschwankungen seien "relativ dramatisch". Jedes Mal, wenn wir Malz verkaufen, hätten wir die Rohstoffdeckung zu sichern. Bei den Verträgen mit der Stamag würden die Bauern "Gattungsschulden" (https://de.wikipedia.org/wiki/Gattungsschuld) eingehen. Der Bauer müsse zu diesem Preis erfüllen, egal wie die Ernte ausfällt. Das sei aber ein "stumpfes Schwert". Er nannte ein namhaftes Unternehmen, das diese Bezugsverträge ausgelagert habe, für den Fall eines Preisrutsches, dann könnten sie diese Firma (die die Verträge abgeschlossen hat) einfach zusperren und würden nicht mit untergehen. Wenn der Vertrag über 100 Tonnen zu einem Preis von 200 Euro pro Tonne abgeschlossen sei, und der Preis zur Ernte wäre höher, dann müsse der Vertragspartner auch nur das liefern, was er erntet. Wenn er 80 Tonnen ernte, aber angebe, nur 50 Tonnen geerntet zu haben, könne er (theoretisch, wenn ihm keiner draufkommt) die 30 Tonnen zu einem höheren Preis hinter unserem Rücken verkaufen. "Das ist die Situation, in der wir uns im Malzbereich befinden." Man investiere 1 Mio. Euro in ein entsprechendes Rohstoffdurchlaufsystem. Wir müssten kontrollieren, ob die Verträge eingehalten werden, und es gebe bereits so viele Produktspezifikationen, die wir einhalten müssen, so viele verschiedene Dinge wie "Waldviertler Mondscheingerste" usw. Anmerkung: Ich habe genau diesen Ausdruck im Internet nicht gefunden, es dürfte sich um eine beispielhafte Bezeichnung handeln. Wenn wir unseren Abnehmern die Verwendung exakt dieses beschriebenen Rohstoffs garantieren, müssen wir das auch einhalten, wurde betont. Das sahen wohl alle Aktionäre genauso.

In den Braugerstespezifikationen seien die geforderten und vereinbarten Qualitätsmerkmale (bei jedem Vertrag anders) auf 5 bis 10 Seiten beschrieben. Das Thema Deckungsrechnung sei ganz entscheidend. Das sei das zweite Jahr, dass in Österreich die Braugersteernte sehr schlecht ausfalle. Die Investitionen in Kalsdorf würden getätigt, weil der Standort Graz aus Ungarn und den Ostländern beliefert werde. Die Rohstoffe wollen wir bei uns lagern, denn es könne passieren (dürfte offenbar schon passiert sein), dass man uns schön gelagerte Ware zeige, und plötzlich sei sie weg, wenn man sie brauche. Es seien 500 verschiedene Rohstoffe, die dorthin geliefert würden. Tschechien habe mit Abstand die größte Anbaufläche, Überschüsse müsse man einlagern. Wir müssten analysieren, ob das Mohn aus der alten Ernte oder Mohn aus der neuen Ernte ist. Über Versicherungen könne man sich nicht gegen Rohstofflieferausfälle absichern, denn die technischen Maßnahmen zur Absicherung kennen wir besser, und Versicherungen seien nicht altruistisch bei der Kalkulation der Risiken. Man könne sich gegen Hagel versichern, aber nicht gegen Ernteausfall. Lloyds würde zwar den Hintern von Jennifer Lopez versichern, aber die Prämien wären so hoch, dass sie unbezahlbar seien. In neuen Ländern würden wir uns die Firmen (unsere Vertragspartner) einmal anschauen, ob sie überhaupt existieren.

Auf meine Frage, nach all dem Gehörten, wie wir mit Bauern verfahren, die uns "über den Tisch ziehen", wiegelte Soiné ab, "wir haben schon auch seriöse Lieferanten", für ihn seien die angesprochenen Fälle (also dass die Ernte nur teilweise abgeliefert wird, wenn die Preise am Markt höher sind) "Bauernschläue". Meine Anmerkung: Für mich sind solche Vorkommnisse keine Grauzone mehr, Verträge hat man einzuhalten, sonst bräuchte man sie ja nicht abzuschließen, wenn sie nur einseitig verbindlich sein sollten. Gerne arbeiten wir mit Erzeugergemeinschaften zusammen, wo viele qualitative Dinge mit den Erzeugern diskutiert würden. Dort kämen wir auch nicht so leicht in die Situation, dass "Bauernschläue" genützt werde. Anmerkung: Weil ein Bauer den anderen kontrolliert, und es ist fast unmöglich, dass alle gleichzeitig einen Teil ihrer Ernte auf die Seite schaffen, zu viele Mitwisser, und keiner würde es dem anderen gönnen, wenn der einen Kilo mehr weggebracht hätte als er. Vor allem hätte man da statistische Daten, welche Vermahlungsmenge geliefert werden könne. "Zum weit überwiegenden Teil" hätten wir vertragstreue Partner. Wenn nicht, gäbe es Sanktionen bis hin zur Trennung. Wir hätten den Ruf, dass wir vertragstreu sind, dass wir aber auch kritisch sind. Meist gehe es um die Qualität, und die Sicht darauf könne für jeden Vertragspartner etwas anders sein, alles würde im Labor kontrolliert, daher hätten wir so wenige Grenzwertüberschreitungen. Wer schlechte Qualität habe, liefere sie eher an andere Mälzereien, wo er genau wisse, dass die das nicht untersuchen können. Laut Ruckdeschel sei eher nicht das Problem, dass wir zu wenig angeliefert bekommen, das Problem sei eher die Qualität. Wo wir sehr kritisch sein müssten. Als Konsument verschiedener Biere, in denen Malz von der Stamag verarbeitet ist, bin ich auch dieser Meinung!

Um 12:05 h begannen die Abstimmungen. Bei der Abstimmung über die Dividende gab es eine Stimme "Enthaltung", die Beweggründe für diese Enthaltung interessierten die Medien, so auch mich, dank bester Vernetzung habe ich die Antwort aus ihm herausbekommen: Bei einer Kest von 27,5% konnte er der Dividende guten Gewissens nicht zustimmen, vielmehr hätte das Geld die Substanz der Gesellschaft stärken sollen. Da wir heute schon das Wort "altruistisch" (laut Duden: selbstlos, uneigennützig, aufopfernd) gelernt haben, möchte ich hiermit meine Hochachtung für seinen Idealismus bekunden! Der Finanzminister braucht aber nicht länger zu zittern: Es hat nichts genützt, die Dividende wurde trotzdem in der vorgeschlagenen Höhe beschlossen. Vor den Abstimmungen über die Neuvergabe der beiden frei werdenden AR-Mandate stellten sich Kandidat und Kandidatin vor. Beides sind langjährige Ireks-Konzernangehörige, sie kommen aus Marketing und Qualitätssicherung. Es gab keine Gegenstimmen. Am Ende der HV überreichte Stefan Soiné persönlich jedem anwesenden Aktionär ein Kraftlackl-Brot in formschöner und solide produzierter Brottasche und eine Stamag-Aktienurkunde aus 1955. Eine Brottasche (nicht einmal so schön wie unsere) gibt es im Fachhandel in der Preisklasse 15 bis 20 Euro. Die Aktienurkunde war ein auf den letzten Hauptversammlungen mehrfach geäußerter Wunsch seitens der Aktionäre. Wirklich, niemand hat wohl damit gerechnet, dass sie uns diesen Wunsch erfüllen werden, es war eine echte Überraschung. Danach gab es noch ein kleines kaltes Buffet mit Getränken, das Bier war heuer von Stiegl. Sehr positiv erwähnen muss ich die Art und den Umfang der Beantwortung der Fragen der Aktionäre durch Stefan Soiné. Es schwang immer ein angenehmer Witz mit. Die Art von Witz, die ich gerne noch öfters hören möchte.

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 13.08.)



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    Stamag-HV: Bauernschläue und Ablehnung einer Dividende mit 27,5% KESt (Günter Luntsch)


    13.08.2019, 7281 Zeichen

    STAMAG-HV (5) und Ende. Auf die Frage eines Aktionärs nach den Kosten dieser HV und der Existenz der AG erfuhren wir, dass die reinen Kosten dieser HV mit 19.500 Euro für die Einschaltung in der Wiener Zeitung, die notwendigen Veröffentlichungen usw. in die GuV eingeflossen seien. Die Kosten der österreichischen Prüfstelle für Rechnungslegung betrügen 7.725 Euro pro Jahr, die Kosten des Aufsichtsrats 14.560 Euro. Bei der Frage eines weiteren Aktionärs zur Art der Rohstoffabsicherung wurde es wieder extrem spannend. Die Preisschwankungen seien "relativ dramatisch". Jedes Mal, wenn wir Malz verkaufen, hätten wir die Rohstoffdeckung zu sichern. Bei den Verträgen mit der Stamag würden die Bauern "Gattungsschulden" (https://de.wikipedia.org/wiki/Gattungsschuld) eingehen. Der Bauer müsse zu diesem Preis erfüllen, egal wie die Ernte ausfällt. Das sei aber ein "stumpfes Schwert". Er nannte ein namhaftes Unternehmen, das diese Bezugsverträge ausgelagert habe, für den Fall eines Preisrutsches, dann könnten sie diese Firma (die die Verträge abgeschlossen hat) einfach zusperren und würden nicht mit untergehen. Wenn der Vertrag über 100 Tonnen zu einem Preis von 200 Euro pro Tonne abgeschlossen sei, und der Preis zur Ernte wäre höher, dann müsse der Vertragspartner auch nur das liefern, was er erntet. Wenn er 80 Tonnen ernte, aber angebe, nur 50 Tonnen geerntet zu haben, könne er (theoretisch, wenn ihm keiner draufkommt) die 30 Tonnen zu einem höheren Preis hinter unserem Rücken verkaufen. "Das ist die Situation, in der wir uns im Malzbereich befinden." Man investiere 1 Mio. Euro in ein entsprechendes Rohstoffdurchlaufsystem. Wir müssten kontrollieren, ob die Verträge eingehalten werden, und es gebe bereits so viele Produktspezifikationen, die wir einhalten müssen, so viele verschiedene Dinge wie "Waldviertler Mondscheingerste" usw. Anmerkung: Ich habe genau diesen Ausdruck im Internet nicht gefunden, es dürfte sich um eine beispielhafte Bezeichnung handeln. Wenn wir unseren Abnehmern die Verwendung exakt dieses beschriebenen Rohstoffs garantieren, müssen wir das auch einhalten, wurde betont. Das sahen wohl alle Aktionäre genauso.

    In den Braugerstespezifikationen seien die geforderten und vereinbarten Qualitätsmerkmale (bei jedem Vertrag anders) auf 5 bis 10 Seiten beschrieben. Das Thema Deckungsrechnung sei ganz entscheidend. Das sei das zweite Jahr, dass in Österreich die Braugersteernte sehr schlecht ausfalle. Die Investitionen in Kalsdorf würden getätigt, weil der Standort Graz aus Ungarn und den Ostländern beliefert werde. Die Rohstoffe wollen wir bei uns lagern, denn es könne passieren (dürfte offenbar schon passiert sein), dass man uns schön gelagerte Ware zeige, und plötzlich sei sie weg, wenn man sie brauche. Es seien 500 verschiedene Rohstoffe, die dorthin geliefert würden. Tschechien habe mit Abstand die größte Anbaufläche, Überschüsse müsse man einlagern. Wir müssten analysieren, ob das Mohn aus der alten Ernte oder Mohn aus der neuen Ernte ist. Über Versicherungen könne man sich nicht gegen Rohstofflieferausfälle absichern, denn die technischen Maßnahmen zur Absicherung kennen wir besser, und Versicherungen seien nicht altruistisch bei der Kalkulation der Risiken. Man könne sich gegen Hagel versichern, aber nicht gegen Ernteausfall. Lloyds würde zwar den Hintern von Jennifer Lopez versichern, aber die Prämien wären so hoch, dass sie unbezahlbar seien. In neuen Ländern würden wir uns die Firmen (unsere Vertragspartner) einmal anschauen, ob sie überhaupt existieren.

    Auf meine Frage, nach all dem Gehörten, wie wir mit Bauern verfahren, die uns "über den Tisch ziehen", wiegelte Soiné ab, "wir haben schon auch seriöse Lieferanten", für ihn seien die angesprochenen Fälle (also dass die Ernte nur teilweise abgeliefert wird, wenn die Preise am Markt höher sind) "Bauernschläue". Meine Anmerkung: Für mich sind solche Vorkommnisse keine Grauzone mehr, Verträge hat man einzuhalten, sonst bräuchte man sie ja nicht abzuschließen, wenn sie nur einseitig verbindlich sein sollten. Gerne arbeiten wir mit Erzeugergemeinschaften zusammen, wo viele qualitative Dinge mit den Erzeugern diskutiert würden. Dort kämen wir auch nicht so leicht in die Situation, dass "Bauernschläue" genützt werde. Anmerkung: Weil ein Bauer den anderen kontrolliert, und es ist fast unmöglich, dass alle gleichzeitig einen Teil ihrer Ernte auf die Seite schaffen, zu viele Mitwisser, und keiner würde es dem anderen gönnen, wenn der einen Kilo mehr weggebracht hätte als er. Vor allem hätte man da statistische Daten, welche Vermahlungsmenge geliefert werden könne. "Zum weit überwiegenden Teil" hätten wir vertragstreue Partner. Wenn nicht, gäbe es Sanktionen bis hin zur Trennung. Wir hätten den Ruf, dass wir vertragstreu sind, dass wir aber auch kritisch sind. Meist gehe es um die Qualität, und die Sicht darauf könne für jeden Vertragspartner etwas anders sein, alles würde im Labor kontrolliert, daher hätten wir so wenige Grenzwertüberschreitungen. Wer schlechte Qualität habe, liefere sie eher an andere Mälzereien, wo er genau wisse, dass die das nicht untersuchen können. Laut Ruckdeschel sei eher nicht das Problem, dass wir zu wenig angeliefert bekommen, das Problem sei eher die Qualität. Wo wir sehr kritisch sein müssten. Als Konsument verschiedener Biere, in denen Malz von der Stamag verarbeitet ist, bin ich auch dieser Meinung!

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