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07.02.2019, 3218 Zeichen

Börsegang einst und jetzt. Ich habe gestern kurz von Krems Chemie erzählt. Die Börsegänge damals waren in meiner Erinnerung regelmäßig überzeichnet. Jeder wollte die neue Aktie haben, die Zuteilung wurde gekürzt. Es war wie in einer Lotterie, ob man überhaupt ein einziges Stück bekommt. Da das Angebot so knapp und die Nachfrage so hoch war, konnte man von einer Kursexplosion in den Tagen nach dem Börsegang ausgehen. Was Krems Chemie genau erzeugte, wo die Phantasie lag? Irgendwas Uninteressantes wie Lacke. Und Krems Chemie war in meiner Erinnerung deswegen kein so planbarer Gewinn mehr, die Kursexplosion trat erst später ein: als sich tatsächlich zwei an einer Übernahme interessierte Gesellschaften eine öffentliche Bieterschlacht mit täglichen Inseraten in den Zeitungen geliefert haben. Gewonnen hat am Ende der "Gute" (ich weiß nicht mehr, warum diese Firma mir sympathischer war als die andere), jedenfalls der, der mir am meisten für meine 10 Aktien zahlen wollte. Eine ähnliche Bieterschlacht gab es in meiner Erinnerung nur ein zweites Mal, das betraf aber kein neunotiertes Unternehmen: als Mannesmann übernommen wurde und sich der Vorstand tapfer gewehrt hat, bis er sich endlich kaufen hat lassen. Ebenfalls über Zeitungsinserate. Da sage noch jemand, der Kapitalmarkt sei weniger spannend als ein Krimi oder Western! Wir haben gehofft und gezittert bis zum Schluss.

Was waren das noch für Zeiten! Verglichen mit jetzt: Nach langer Zeit, wo der Kurszettel der Wiener Börse immer kürzer wurde, gibt es endlich neue Werte an der Wiener Börse. Der direct market und der direct market plus sind sogar so interessant, dass die Kurse in den täglichen Kurstabellen der Zeitungen veröffentlicht werden. Egal wie klein sie sind, man kann die Kurse der Neuen täglich in der Kronen Zeitung nachverfolgen. Und wie reagiert mein Umfeld auf die Neuen? Egal, wen ich frage, keiner meiner Freunde sagt, dass er Aktien einer der neu notierenden AGs gekauft hat oder das auch nur in Erwägung zieht. Grundtenor: "Da weiß ich zuwenig, das schaue ich mir erst an, bis ich mehr weiß, und es hat Zeit." Marinomed (nicht direct market) wirkt im Chart zwar langweilig, man kann aber bisher von einem schönen Erfolg sprechen, weil sich die Aktie auf diesem Niveau gehalten hat. Den anderen etwas herausragenden Titel startup300 kann man aufgrund des sofortigen Kurseinbruchs schwer als Erfolg bezeichnen, aber immerhin kauft ein Insider auf diesem Niveau, er hält den aktuellen Preis also für günstig. Der gemeine Privatanleger wartet noch ab. Weil er sich das erst anschauen will, bis er mehr weiß. Es wird Zeit, das Anlegervolk mit Informationen zu füttern, dass es sich schön langsam ein Bild machen kann. Gerade habe ich eine Einladung erhalten, im Februar um 50 Euro an einer Veranstaltung teilzunehmen, wo startup300 sich vorstellt. Das klingt interessant, doch der klassische Anleger wird einen Eintrittspreis vielleicht als Hindernis empfinden. Aber ich freue mich auf "unsere" Roadshow im März, wo neben startup300 auch Marinomed und Cleen Energy angekündigt sind. Ja, es wird Zeit, denn keinen der drei Werte habe ich im Depot.

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 07.02.)



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    Börsegang einst und jetzt (Günter Luntsch)


    07.02.2019, 3218 Zeichen

    Börsegang einst und jetzt. Ich habe gestern kurz von Krems Chemie erzählt. Die Börsegänge damals waren in meiner Erinnerung regelmäßig überzeichnet. Jeder wollte die neue Aktie haben, die Zuteilung wurde gekürzt. Es war wie in einer Lotterie, ob man überhaupt ein einziges Stück bekommt. Da das Angebot so knapp und die Nachfrage so hoch war, konnte man von einer Kursexplosion in den Tagen nach dem Börsegang ausgehen. Was Krems Chemie genau erzeugte, wo die Phantasie lag? Irgendwas Uninteressantes wie Lacke. Und Krems Chemie war in meiner Erinnerung deswegen kein so planbarer Gewinn mehr, die Kursexplosion trat erst später ein: als sich tatsächlich zwei an einer Übernahme interessierte Gesellschaften eine öffentliche Bieterschlacht mit täglichen Inseraten in den Zeitungen geliefert haben. Gewonnen hat am Ende der "Gute" (ich weiß nicht mehr, warum diese Firma mir sympathischer war als die andere), jedenfalls der, der mir am meisten für meine 10 Aktien zahlen wollte. Eine ähnliche Bieterschlacht gab es in meiner Erinnerung nur ein zweites Mal, das betraf aber kein neunotiertes Unternehmen: als Mannesmann übernommen wurde und sich der Vorstand tapfer gewehrt hat, bis er sich endlich kaufen hat lassen. Ebenfalls über Zeitungsinserate. Da sage noch jemand, der Kapitalmarkt sei weniger spannend als ein Krimi oder Western! Wir haben gehofft und gezittert bis zum Schluss.

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