21.01.2019, 2810 Zeichen
Erwartungen an den drect market plus. Heute, am 21.1.2019, soll eine neue Ära an der Wiener Börse beginnen. Erstmals gibt es den "direct market plus". Eine lobenswerte Sache, die mir gefällt. Man sah ja in den letzten Jahren mit Schrecken, dass der Kurszettel der Wiener Börse immer kürzer wird. So viele Gesellschaften, speziell solche mit geringem Streubesitz, wollen sich eine Börsenotierung samt der damit einher gehenden besonderen Berichtspflichten und Kosten nicht mehr antun. Oft hat man sich über einen "Squeeze Out" der Streubesitzaktionäre gänzlich entledigt. Ich hoffe auf eine Gegenbewegung. Ich hoffe auf Gesellschaften, die den Privataktionär wieder schätzen. Der Privataktionär wird sich nicht lange bitten lassen: Stimmt die Story, wird er über Kapitalerhöhungen neues Geld in die Firma stecken. Der Privataktionär, auch der kleine, war immer ein verlässlicher Kapitalgeber.
Am ersten Tag wird es Interesse geben, man wird sich die "Kurssprünge" (so sie kommen) einmal ansehen. Am zweiten Tag werden die Zeitungen darüber berichten. Und dann? Wird es so still um diese Aktien werden wie um Autobank, Athos Immobilien, HTI? Wird der Anleger nach dem Kauf auch wieder die Möglichkeit haben, zu einem akzeptablen Preis auszusteigen? Es wird wohl einige Öffentlichkeitsarbeit nötig sein. Dass die Zeitungen zuletzt sogar die Veröffentlichung von Kursen des Auktionsmarkts mit Größen wie Frauenthal, Burgenland Holding und Ottakringer einsparen, darüber habe ich vor kurzem berichtet. Um wieviel schwieriger werden es dann erst die Neuen haben?
Ich hoffe auf einen Eröffnungsstammtisch mit den ersten interessierten Privatanlegern, die vielleicht schon verlässliche Langfristanleger und potentielle Zeichner von Kapitalerhöhungen sein könnten. Man will die unbekannten Lenker dieser Firmen kennen lernen, man will sie sehen und angreifen (Hände schütteln) können. Es soll regelmäßig verlässlich kundgetan werden, wie es um die Gesellschaft steht, auch wenn es nicht einfach ist, über Rückschläge zeitnah zu berichten, aber die Anleger verlassen sich darauf. Auch wenn nur geringe Veröffentlichungspflichten bestehen, den Gesellschaften soll es ein Bedürfnis sein, über den Fortgang der Geschäfte zu berichten. Je mehr wir wissen, desto sicherer fühlen wir uns mit der Aktie. Wenn wir wenig wissen, geraten wir leicht in Panik, und das Vertrauen ist zerstört, wenn wir das Gefühl haben, dass es nur dazu benutzt wurde, die in Panik geratenen Aktionäre auszubooten.
Ich hoffe, dass es ausreichend (wegen der Mindestspesen, ich will nicht 1 Aktie pro Tag kaufen) und zu fairen Preisen Aktien zu kaufen gibt, ich werde wohl an Bord kommen, und ich freue mich schon, von den "kleinen" Hauptversammlungen zu berichten.
(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 21.01.)
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