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08.01.2019, 5383 Zeichen

Ökostrom-HV 7 und Ende. Um 19:30h war der Saal noch gerammelt voll. Ökostrom-Aktionäre sind immer noch ein eigener Menschenschlag. So lange hält ein großer Teil des Aktionariats bei anderen Gesellschaften nicht durch. Eine Rednerin meinte, wir sollten gemeinsam gegen Atomstromimporte kämpfen, die Ökostromerzeuger sollten sich nicht gegenseitig kannibalisieren, es sei doch egal, ob einer die erste oder die vierte Stelle im Ranking habe. Beck erhob formal Einspruch gegen die Aussage (des Notars), dass die Vollmachten gültig seien. Um 19:45h begannen endlich die Abstimmungen. Bei einer Anwesenheit von 48.689 Aktien = 39,13% des Grundkapitals voteten 46.431 für und 2.258 Aktien gegen den Dividendenvorschlag in Form einer Einlagenrückzahlung. Kandidatin Kiener hatte bei Anwesenheit von 48.801 Aktien = 39,22% des Grundkapitals mit 33.754 zu 15.047 Stimmen einigen Gegenwind zu ertragen. Sie war vorher schon im AR, und man hörte, sie sei beim großen Umsturz damals (wo ich nicht dabei war, Vorstand und Strategie wurden in der Folge ausgewechselt) federführend gewesen. Kandidatin Zesch bekam bei Anwesenheit von 49.008 Aktien = 39,39% des Grundkapitals 33.318 JA- und 15.690 NEIN-Stimmen, ein ähnlich schlechtes Ergebnis. Da die beiden erstvorgeschlagenen Kandidatinnen somit bereits die beiden neu zu besetzenden Aufsichtsratsmandate bekommen hatten, kamen die Gegenanträge der anderen drei Kandidaten gar nicht mehr zur Wahl. Hier sieht man, wie wichtig eine höhere Präsenz auf einer HV sein kann. Trotz 1/3 Gegenstimmen konnte 1/4 des Aktionariats die Wahl für die beiden Kandidatinnen entscheiden.Als über die "Entlassung des Vorstands" abgestimmt werden sollte, erntete der ARV Lachen, er korrigierte den Fehler umgehend. Es ist nicht das erste Mal, dass diese beiden so ähnlichen Worte auf Hauptversammlungen verwechselt werden. Von 48.868 Stimmen bekam Stühlinger 40.276 JA- und 8.592 NEIN-Stimmen. Fast 20% NEIN-Stimmen gibt es bei anderen Gesellschaften selten, aber auf der Ökostrom-HV stimmen keine Fonds aus dem fernen Ausland ab, sondern es stimmt der leibhaftige kleine Mann persönlich. Er nimmt sein Stimmrecht sichtlich ernst, die Entlastung ist hier nicht nur eine Formsache. Bei den Abstimmungen über die Entlastung der Mitglieder des AR fehlten mehr als 7.000 Stimmen, ein Großer (W.E.B. war es nicht, die enthielten sich bei der Abstimmung über Trcka der Stimme) dürfte den Saal verlassen haben, es gab für Kiener und Okresek jeweils mehr als 40.000 Stimmen bei rund 2% Gegenstimmen. Trcka bekam 33.969 JA- und 589 NEIN-Stimmen, die NEIN-Stimmen kamen von einem einzigen größeren Kleinaktionär mit immerhin 1,7% Stimmgewicht (da ja mehr als 60% des Kapitals auf den HV-Besuch verzichtet hatten). Der ARV bekam 40.162 JA- und 8.746 NEIN-Stimmen.Es gab Protest aus dem Publikum: "Das stimmt net! Das war nur 1 Karte, das können ja net so viele Stimmen sein!" Er wurde aufgeklärt: "Jede Karte hat unterschiedliche Stimmen." Sympathisch von der Ökostrom AG: Auch über die Personalvertreter im AR wurde abgestimmt, mit 40.410 Stimmen bekamen sie 100% JA-Stimmen. Die AR-Vergütung wurde mit 47.628 JA- zu 995 NEIN-Stimmen beschlossen, Wirtschaftsprüfer Deloitte wurde mit 48.076 JA- zu 831 NEIN-Stimmen gewählt.Die Spannung stieg, jetzt ging es um den wichtigsten Punkt der HV, die Änderung der Satzung. Vorgeschlagen wurde - kurz gesagt - die offizielle Aufnahme des Vertriebs von Erdgas in die Satzung, obwohl Univ.Prof. Dr. Susanne Kalss in ihrem Gutachten ohnehin klargestellt hatte, dass es dem Ökostrom-Aktionär wurscht ist, ob Ökostrom oder konventionelles Erdgas verkauft wird, Hauptsache Energie. Bei einer Satzungsänderung ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. 35.475 stimmten für JA, 12.745 für NEIN. 73,56% gegen 26,44%. Somit wurde die Satzungsänderung abgelehnt. So mancher kleiner Aktionär durfte sich als Zünglein an der Waage fühlen. Wenn er anders abgestimmt hätte, wäre alles ganz anders ausgegangen. Ändern wird sich deswegen nichts: Erdgas bleibt im Sortiment, das Gutachten stützt den Vorstand.Der andere wichtige Punkt "Abfrage eines Meinungsbilds aus dem Aktionärskreis zum Konzept des Vorstands zur Notierung der Aktien am Dritten Markt der Wiener Börse" bekam bei einer Beteiligung von 40.779 Stimmen (32,78% d.GK) 38.502 JA- und 2.277 NEIN-Stimmen. Der letzte Punkt, Erwerb von Aktien zwischen 90 und 140 Euro pro Aktie für das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bekam 48.128 JA-Stimmen, das waren 100%. Um 20:15h war die HV aus, draußen gab es noch Wein und Kresseaufstrichbrötchen, aber die meisten Aktionäre wollten schon nach Hause kommen. Besonders die aus den Bundesländern waren darauf angewiesen, ihre letzte Bahnverbindung zu erwischen. Die Ökostrom-HV war wieder ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Hauptversammlungen spannender als jeder Western oder Krimi im Fernsehen sind. Und ich freue mich jetzt auf die Börsenotiz. Schnäppchenpreise wird es eher nicht geben, weil wohl kaum jemand seine Aktien auf ein Depot buchen lässt, nur um sie dann billiger als im Traderoom zu verkaufen. Aber wer weiß? Wenn jemand doch mal schnell Geld braucht oder schnell und unüberlegt auf eine schlechte Meldung reagiert? Im Traderoom hatte er viel Zeit, eine falsche Entscheidung zurückzunehmen, die Angebote sind ja unverbindlich, soviel ich weiß.(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 08.01.)

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    Ökostrom-HV 7: Entlassung vs. Entlastung des Vorstands (Günter Luntsch)


    08.01.2019, 5383 Zeichen

    Ökostrom-HV 7 und Ende. Um 19:30h war der Saal noch gerammelt voll. Ökostrom-Aktionäre sind immer noch ein eigener Menschenschlag. So lange hält ein großer Teil des Aktionariats bei anderen Gesellschaften nicht durch. Eine Rednerin meinte, wir sollten gemeinsam gegen Atomstromimporte kämpfen, die Ökostromerzeuger sollten sich nicht gegenseitig kannibalisieren, es sei doch egal, ob einer die erste oder die vierte Stelle im Ranking habe. Beck erhob formal Einspruch gegen die Aussage (des Notars), dass die Vollmachten gültig seien. Um 19:45h begannen endlich die Abstimmungen. Bei einer Anwesenheit von 48.689 Aktien = 39,13% des Grundkapitals voteten 46.431 für und 2.258 Aktien gegen den Dividendenvorschlag in Form einer Einlagenrückzahlung. Kandidatin Kiener hatte bei Anwesenheit von 48.801 Aktien = 39,22% des Grundkapitals mit 33.754 zu 15.047 Stimmen einigen Gegenwind zu ertragen. Sie war vorher schon im AR, und man hörte, sie sei beim großen Umsturz damals (wo ich nicht dabei war, Vorstand und Strategie wurden in der Folge ausgewechselt) federführend gewesen. Kandidatin Zesch bekam bei Anwesenheit von 49.008 Aktien = 39,39% des Grundkapitals 33.318 JA- und 15.690 NEIN-Stimmen, ein ähnlich schlechtes Ergebnis. Da die beiden erstvorgeschlagenen Kandidatinnen somit bereits die beiden neu zu besetzenden Aufsichtsratsmandate bekommen hatten, kamen die Gegenanträge der anderen drei Kandidaten gar nicht mehr zur Wahl. Hier sieht man, wie wichtig eine höhere Präsenz auf einer HV sein kann. Trotz 1/3 Gegenstimmen konnte 1/4 des Aktionariats die Wahl für die beiden Kandidatinnen entscheiden.Als über die "Entlassung des Vorstands" abgestimmt werden sollte, erntete der ARV Lachen, er korrigierte den Fehler umgehend. Es ist nicht das erste Mal, dass diese beiden so ähnlichen Worte auf Hauptversammlungen verwechselt werden. Von 48.868 Stimmen bekam Stühlinger 40.276 JA- und 8.592 NEIN-Stimmen. Fast 20% NEIN-Stimmen gibt es bei anderen Gesellschaften selten, aber auf der Ökostrom-HV stimmen keine Fonds aus dem fernen Ausland ab, sondern es stimmt der leibhaftige kleine Mann persönlich. Er nimmt sein Stimmrecht sichtlich ernst, die Entlastung ist hier nicht nur eine Formsache. Bei den Abstimmungen über die Entlastung der Mitglieder des AR fehlten mehr als 7.000 Stimmen, ein Großer (W.E.B. war es nicht, die enthielten sich bei der Abstimmung über Trcka der Stimme) dürfte den Saal verlassen haben, es gab für Kiener und Okresek jeweils mehr als 40.000 Stimmen bei rund 2% Gegenstimmen. Trcka bekam 33.969 JA- und 589 NEIN-Stimmen, die NEIN-Stimmen kamen von einem einzigen größeren Kleinaktionär mit immerhin 1,7% Stimmgewicht (da ja mehr als 60% des Kapitals auf den HV-Besuch verzichtet hatten). Der ARV bekam 40.162 JA- und 8.746 NEIN-Stimmen.Es gab Protest aus dem Publikum: "Das stimmt net! Das war nur 1 Karte, das können ja net so viele Stimmen sein!" Er wurde aufgeklärt: "Jede Karte hat unterschiedliche Stimmen." Sympathisch von der Ökostrom AG: Auch über die Personalvertreter im AR wurde abgestimmt, mit 40.410 Stimmen bekamen sie 100% JA-Stimmen. Die AR-Vergütung wurde mit 47.628 JA- zu 995 NEIN-Stimmen beschlossen, Wirtschaftsprüfer Deloitte wurde mit 48.076 JA- zu 831 NEIN-Stimmen gewählt.Die Spannung stieg, jetzt ging es um den wichtigsten Punkt der HV, die Änderung der Satzung. Vorgeschlagen wurde - kurz gesagt - die offizielle Aufnahme des Vertriebs von Erdgas in die Satzung, obwohl Univ.Prof. Dr. Susanne Kalss in ihrem Gutachten ohnehin klargestellt hatte, dass es dem Ökostrom-Aktionär wurscht ist, ob Ökostrom oder konventionelles Erdgas verkauft wird, Hauptsache Energie. Bei einer Satzungsänderung ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. 35.475 stimmten für JA, 12.745 für NEIN. 73,56% gegen 26,44%. Somit wurde die Satzungsänderung abgelehnt. So mancher kleiner Aktionär durfte sich als Zünglein an der Waage fühlen. Wenn er anders abgestimmt hätte, wäre alles ganz anders ausgegangen. Ändern wird sich deswegen nichts: Erdgas bleibt im Sortiment, das Gutachten stützt den Vorstand.Der andere wichtige Punkt "Abfrage eines Meinungsbilds aus dem Aktionärskreis zum Konzept des Vorstands zur Notierung der Aktien am Dritten Markt der Wiener Börse" bekam bei einer Beteiligung von 40.779 Stimmen (32,78% d.GK) 38.502 JA- und 2.277 NEIN-Stimmen. Der letzte Punkt, Erwerb von Aktien zwischen 90 und 140 Euro pro Aktie für das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bekam 48.128 JA-Stimmen, das waren 100%. Um 20:15h war die HV aus, draußen gab es noch Wein und Kresseaufstrichbrötchen, aber die meisten Aktionäre wollten schon nach Hause kommen. Besonders die aus den Bundesländern waren darauf angewiesen, ihre letzte Bahnverbindung zu erwischen. 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