10.12.2018, 2335 Zeichen
Wie über Sensibles schreiben? Wien ist klein, beim Punsch habe ich dieses Wochenende Leser getroffen, die gemeint haben, ich hätte beim Bericht über die A.o. UIAG-HV angriffiger sein sollen, und ich hätte auch klar benennen sollen, wer die Hauptschuld daran trägt, dass die HV so verlaufen ist, wie sie verlaufen ist. Insbesondere sollte ich mutiger sein und Namen nennen.
Wien ist klein, man wird die Namen sicher noch erfahren. Ich behaupte nicht, dass dieser Zugang richtig ist, aber im Hinblick darauf, dass viele meiner Beiträge auch im Internet veröffentlicht werden und dort vielleicht sehr lange googlebar sein werden, und darauf, dass sich die Akteure vielleicht nach der HV selbst bei den Ohren genommen und sich geschworen haben, dass sie so etwas nie mehr machen werden, möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, ihr berufliches Fortkommen nicht zu gefährden. Es war ja wirklich keine schöne Vorstellung. Bei nicht so sensiblen Geschehnissen habe ich kein Problem damit, die Akteure zu loben oder ein bißchen zu tadeln, vor allem im Hinblick darauf, es nächstes Mal besser zu machen. Den Akteuren auf der A.o.HV brauche ich nicht zu sagen, dass sie es nächstes Mal anders machen sollen, das haben sie bestimmt schon selbst begriffen.
Wo ich mich persönlich nicht betroffen fühle, muss ich nicht unbedingt Partei ergreifen, für mich war es nichts anderes als Entertainment, im Fernsehen läuft eh nichts Gescheites, und auch Kino und Theater sind mir zu langweilig, also gehe ich auf Hauptversammlungen. Ich richte nicht, ich erstatte Bericht und hoffe, meinen Lesern einen guten Einblick in das Geschehen auf jener A.o.HV gegeben zu haben. Dass beide Seiten am Ende als Verlierer dastehen, habe ich gleich zu Beginn des Berichts erwähnt. Ich habe wirklich versucht, ausgewogen zu berichten, Gutes wie Schlechtes, über alle Beteiligten. Diese Informationen zu bewerten, das überlasse ich dem mündigen Leser. Er darf gerne Partei ergreifen.
Eine Abschlussanekdote noch, da war ich persönlich nicht mehr dort, aber so wurde es mir zugetragen: Der Aktionär soll nach der HV dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Hand gereicht haben, und dieser soll widerwillig sinngemäß gesagt haben: "I mog Sie net! Sie bringen den ganzen Anwaltsstand in Verruf!"
(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 10.12.)
kapitalmarkt-stimme.at daily voice 58/365: Ein Ministerposten für die Börse
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