05.12.2018, 3187 Zeichen
Die Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat heute ihren jährlichen Bericht über die Lage der österreichischen Pensionskassen veröffentlicht. Auch im seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsumfeld zeigt sich der Pensionskassensektor, der derzeit betriebliche Pensionszusagen für rund 940.000 Personen verwaltet, stabil. Die Eigenmittel der Pensionskassen sind in den vergangenen Jahren in Einklang mit dem verwalteten Vermögen gestiegen und machten per Jahresende 2017 349 Mio. aus. Im Vergleich mit dem gesetzlichen Eigenmittelerfordernis wiesen die Pensionskassen damit eine Überdeckung von rund 66% aus.
Langfristig sind die von den österreichischen Pensionskassen erwirtschafteten Veranlagungserträge deutlich positiv. Seit Einführung des Pensionskassenwesens im Jahr 1990 betrug die durchschnittliche Jahresperformance 5,3%. Im vergangenen Gesamtjahr wurde ein Ertrag von 6,1% erwirtschaftet. Zum Vergleich: im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bewegte sich die Performance-Bandbreite zwischen 0% und 9%. In einem schwierigen Umfeld am Kapitalmarkt ist die Performance der Kapitalanlage zuletzt deutlich zurückgegangen - über die ersten drei Quartale des Jahres 2018 lag sie bei -1%[1].
Der Pensionskassensektor steht vor einem regulatorischen Wandel im Bereich der Kapitalanlage. Mit Anfang 2019 treten EU-weit die Bestimmungen der neuen Europäischen Pensionsfondsrichtlinie IORP II (Institutions for Occupational Retirement Provision) in Kraft, die in Österreich im Pensionskassengesetz (PKG) umgesetzt werden. Das PKG stellt es den Pensionskassen bereits jetzt frei, zu entscheiden, in welche Assets sie investieren. Sie waren dabei bisher aber an quantitative Veranlagungsgrenzen gebunden. Künftig werden die Pensionskassen ihre Veranlagungspolitik gänzlich frei gestalten können. Sie müssen im Gegenzug aber auch höhere regulatorische Anforderungen im Bereich des Risikomanagements erfüllen. Die FMA und die Pensionskassen haben die Umsetzungsfrist der IORP II genutzt, um sich gemeinsam intensiv auf das neue Regime vorzubereiten.
Für die Vorstände der FMA, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller, fällt die Umstellung dennoch in eine herausfordernde Phase. "Wir müssen in den kommenden Jahren weiter mit einer volatilen Entwicklung an den Kapitalmärkten rechnen, die hohe Anforderungen an das Risikomanagement der Unternehmen stellt. Wir haben daher die Latte hoch gelegt und am österreichischen Pensionskassenmarkt bereits jetzt hohe Standards etabliert. Wir sind gut auf das neue Regime vorbereitet", so Helmut Ettl. Dazu ergänzt sein Vorstandskollege Klaus Kumpfmüller: "Freiheit in der Kapitalanlage heißt nicht laissez-faire, sondern noch mehr Eigenverantwortung in den Unternehmen. Als FMA werden wir im nächsten Jahr darauf achten, dass die Pensionskassen keine Risiken eingehen, die ihr Risikomanagement überfordern."
Im Bereich der Digitalisierung sieht der österreichische Pensionskassensektor im Vergleich zu anderen Bereichen des Finanzmarktes geringere Änderungen auf sich zukommen. Die FMA hat erhoben, dass derzeit nur rund 30% der Pensionskassen erwartet, dass die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle eröffnet. 70% sehen keine Auswirkungen auf ihr Geschäft.
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