02.11.2018, 3918 Zeichen
Auch wenn die Amazon-Aktie kurzfristig immer wieder deutliche Kursschwankungen aufwies, führte der Langfristtrend das Papier in den vergangenen Jahren steil nach oben. Nach der jüngsten Korrektur stellt sich jedoch die Frage, ob dies in Zukunft genauso weitergehen wird.
Die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts ist noch nicht angelaufen. In den USA geht es nach dem Thanksgiving-Feiertag Ende November richtig los. Doch schon jetzt hat das wichtige Schlussquartal für den Handel begonnen. Auch für die Online-Händler beginnt nun die wichtigste Zeit des Jahres. Umso enttäuschter reagierten Anleger, als Amazon im Zuge der Vorstellung des Berichts für das September-Quartal 2018 am 25. Oktober einen in den Augen der Börsianer enttäuschenden Ausblick auf das laufende vierte Quartal 2018 lieferte.
Da half es wenig, dass der Amazon-Deutschland-Chef, Ralf Kleber, Optimismus in Bezug auf das kommende Weihnachtsgeschäft verbreitete. Immerhin ist Deutschland für den E-Commerce-Riesen der zweitwichtigste Einzelmarkt. Am 26. Oktober teilte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass Amazon in Deutschland ein erfolgreiches und starkes Weihnachtsgeschäft erwarten würde und sich daran mache, das stramme Ziel eines Umsatzwachstums von 20 Prozent zu erfüllen. Laut Unternehmensprognose sollen die Erlöse auch konzernweit maximal um 20 Prozent zulegen. Die untere Schwelle liegt bei einem Plus von 10 Prozent, was im Dezember-Quartal Erlöse von 66,5 bis 72,5 Mrd. US-Dollar entsprechen würde. Analysten hatten bei Bekanntgabe der Prognose laut FactSet im Schnitt jedoch mit einem Wert von 73,8 Mrd. US-Dollar gerechnet.
Der operative Gewinn wird von Unternehmensseite für die Zeit zwischen Oktober und Dezember bei 2,1 bis 3,6 Mrd. US-Dollar gesehen, so dass sich dieser im schlechtesten Fall auf dem Niveau des Vorjahres von 2,1 Mrd. US-Dollar bewegen würde. Auch beim Umsatz für das dritte Quartal konnte Amazon nicht an die Markterwartungen heranreichen. Die Erlöse kletterten im Vorjahresvergleich um 29 Prozent auf 56,6 Mrd. US-Dollar, während Analysten laut FactSet einen Wert von 57,1 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt hatten.
Amazon konnte Anleger zuletzt weder mit dem Umsatzwachstum im September-Quartal noch mit dem Ausblick auf das Wachstum im Schlussquartal überzeugen. Im Gegensatz dazu pulverisierte Amazon die Erwartungen an den Gewinn geradezu. Jahrelang wurde im Fall des Konzerns der Umstand kritisiert, dass Amazon zugunsten von hohen Wachstumsinvestitionen auf zu viel Gewinn verzichten würde. Im dritten Quartal schoss der Nettogewinn jedoch auf 2,9 Mrd. US-Dollar, nach lediglich 256 Mio. US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Die kurzfristigen Reaktionen auf die jüngsten Amazon-Zahlen fielen am Markt negativ auf. Die Amazon-Aktie verlor weiter an Wert, nachdem das Papier bereits nach Erreichen eines wichtigen Meilensteins den Rückwärtsgang eingelegt hatte. Am 4. September war Amazon als erst zweites privates Unternehmen, nach Apple, an der Börse mehr als 1 Billion US-Dollar wert. Damit wurde eine jahrelange Kursrallye gekrönt. In der Folge setzten Gewinnmitnahmen ein. Zudem zeigte sich das Gesamtmarktumfeld nicht gerade von seiner besten Seite. Trotzdem wäre es viel zu früh Amazon abzuschreiben. Als Online-Händler hat das Unternehmen eine enorme Marktmacht erreicht. Zudem hat Amazon weitere Wachstumsfelder wie den Cloud-Bereich oder Video-Inhalte für sich entdeckt.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Amazon-Aktie erwarten, könnten mit einem klassischen Optionsschein Call der Deutschen Bank (WKN DS4WXZ, Laufzeit bis zum 18.09.2019) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Optionsscheins liegt derzeit bei 8,65. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem klassischen Optionsschein Put der Deutschen Bank (WKN DS2R1P, aktueller Hebel 10,77; Laufzeit bis zum 18.09.2019) auf fallende Kurse der Amazon-Aktie setzen.
Stand: 01.11.2018
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