16.07.2018, 6845 Zeichen
Andreas Kern" data-udi="umb://media/6dc0a03189d846a88cd0b6381a4e183f" />
Seit Jahrzehnten beschreitet die Weltwirtschaft nun schon den Weg immer stärkerer Vernetzung. Doch mit den zunehmenden Handelsstreitigkeiten könnte diese Entwicklung nun ihr vorläufiges Ende erreicht haben. Insbesondere der Streit zwischen den beiden dominierenden Volkswirtschaften, den USA und China, eskaliert weiter: In Schanghai verrotten tonnenweise beste US-Rindersteaks und in den USA wird einstmals billiger Chinastahl zum unerschwinglichen Luxusgut. Den Preis hierfür werden naturgemäß die Verbraucher zahlen, was ja auch die Idee hinter diesen Maßnahmen ist: Ausländische Produkte verteuern sich und die Konsumenten im Inland wenden sich daher wieder den Gütern aus einheimischer Produktion zu. So zumindest die Theorie. Ob sich diese in der Realität so einfach bestätigen wird, muss angesichts der Gegenseitigkeit der Maßnahmen bezweifelt werden. Schlimmstenfalls sind es alleine die Verbraucher, die tiefer in die Taschen greifen, ohne dass sich an den grundlegenden wirtschaftlichen Verhältnissen etwas ändert.
Gift für die Börsen?
Auch für die Börsen sollte ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Erde Gift sein – sollte man zumindest denken. Bisher halten sich diese jedoch recht wacker. Der jüngste Schlagabtausch führte bei keinem der großen Indizes zu wirklich deutlichen Kursabschwüngen. Dennoch dürfte es eine gute Idee sein, sich für eine mögliche weitere Eskalation zu wappnen. Die Deutsche Bank beispielsweise empfahl jüngst, sich verstärkt auf Unternehmen zu konzentrieren, die primär den jeweiligen Heimatmarkt bedienen. Diese – so die Überlegung – blieben von weiteren protektionistischen Maßnahmen relativ unberührt beziehungsweise könnten sogar tendenziell von ihnen profitieren. Eine andere Überlegung wäre, sich auf die Aktien von Unternehmen zu fokussieren, deren Angebote nur unter Schwierigkeiten mit Zöllen zu belegen sind: Softwarefirmen beispielsweise oder Dienstleister – also Anbieter von immateriellen Gütern beziehungsweise geistigem Eigentum.
Virtuell auf der Überholspur
Zu diesen Überlegungen würde das wikifolio „Calvet Research Bewertung&Trends“ von David Hauck („Calvet“) wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge passen. Die Schwergewichte des Portfolios bilden mit Hypoport, Alphabet, Electronics Arts und Netease Unternehmen aus den Bereichen Fintech, Software und eCommerce. Haucks grundsätzliche Investmentidee ist es dabei, sich auf Megatrends zu konzentrieren, die beispielsweise von großen Marktforschungsinstituten prognostiziert werden. Entsprechend sucht er nach Unternehmen, die mit ihrem Angebot möglichst frühzeitig an solchen Trends partizipieren, wodurch eine überdurchschnittliche Rendite erzielt werden soll. Die konkrete Titelauswahl erfolgt dann auf Basis einer eingehenden Analyse von Geschäftsberichten, GuV-Rechnungen, Bilanzen und Cash-Flow-Statements.
Die Haltedauer ist überwiegend langfristig, hängt aber letztlich von der individuellen Entwicklung der jeweiligen Aktie ab. Auf Sicht der letzten zwölf Monate legte das wikifolio um 18,2% zu. Seit der Auflage im Januar 2013 konnte es sogar ein Plus von 236% verzeichnen. Es kommt also nicht von ungefähr, dass Hauck die Auszeichnung als „Guter Money Manager“ trägt.
Grünes Licht für starke Trends
Ebenfalls auf Trends setzt Maximilian König („MKoenig“). Sein wikifolio „TSI Trendstärke mit Börsenampel“orientiert sich an der Trendstärkestrategie eines großen deutschen Börsenmagazins. Allerdings verfeinert König diese Strategie mittels einer Börsenampel. Ob diese grünes, gelbes oder rotes Licht für das jeweilige Investment zeigt, hängt von der makroökonomischen Datenlage ab. Die Investitionsquote steuert König dabei via Sentimentanalyse. Sein Anlageuniversum umfasst deutsche und US-Aktien, wobei die Schwerpunkte beim MDAX, dem TecDAX und dem NASDAQ100 liegen. Zur Absicherung beziehungsweise um Schwankungen in turbulenten Börsenzeiten nutzen zu können, sind auch Short-Positionen möglich.
Im Ergebnis erhält man so ein Portfolio, das ebenfalls gegen die Auswirkungen eines größeren Handelskonfliktes gut gewappnet sein dürfte: Der US-Videoanbieter Netflix, das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard, Amazon und das US-Analyseunternehmen Idexx Laboratories sind die aktuellen Schwergewichte in Königs wikifolio, das einen Zuwachs von 12,3% in den letzten zwölf Monaten verzeichnen konnte. Mit einem Plus von 76,9% seit der Auflage darf natürlich auch er die Auszeichnung „Guter Money Manager“ führen.
Cash ist King
Der dritte im Bunde der „Guten Money Manager“ ist Andre Domaschke „Fuchs2014“) mit seinem wikifolio „Chancen übergreifend“. Fundamentaldaten, Nachrichten und Finanzforen dienen Domaschke zum Auffinden seiner Investments, nach denen er im gesamten Anlageuniversum sucht. Allerdings sieht er derzeit wohl nur geringe Chancen, denn das Portfolio enthält aktuell nur einen Wert, das australische Pharma-Unternehmen Clinuvel Pharmaceuticals Ltd., und ansonsten eine satte Cash-Quote von mehr als 90%. Angesichts der möglichen Ausweitung des Handelskonflikts ist es wohl keine falsche Überlegung, erst einmal geduldig an der Seitenlinie auf neue Chancen zu warten.
Dass Domaschke dann aber blitzschnell zuschlagen kann, zeigt nicht nur seine herausragende Performance von 40% auf Jahressicht, sondern auch ein Zugewinn von 167% seit Auflegung des wikifolios im Oktober 2014.
Was kommt?
Das sollten Anleger im Auge behalten
Unser Kalender hält mit dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gleich zum Wochenauftakt am Montag einen Paukenschlag bereit. Das Verhältnis zwischen den USA und Russland hängt maßgeblich vom Verhältnis der beiden „starken Männer“ ab. Sollte sich in Helsinki ein Auftauen der derzeit tiefgekühlten Beziehungen abzeichnen, dürften sich daraus auch für die Börsen wärmende Impulse ergeben – zumindest kurzfristig.
Über dieses Treffen sollten aber auch andere wichtige Termine nicht in Vergessenheit geraten: Ebenfalls am Montag veröffentlichen die Chinesen elementare Wirtschaftskennzahlen wie Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion und Wirtschaftswachstum. Am Mittwoch melden dann die EU und das Vereinigte Königreich die Entwicklung ihrer jeweiligen Verbraucherpreise.
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