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Schwierige Gäste, unangenehme Kontrollen und das In-Verruf-Bringen (Günter Luntsch)

03.04.2018, 7245 Zeichen

Aus dem Börsenbrief im Sinne des Börse Social Network Club. http://www.boerse-social.com/gabb 

Schwierige Gäste. Vor kurzem las ich in der Zeitung, ein Hotelgast habe eine WC-Bürste mitgehen lassen, die Polizei musste kommen. Leider war das nur einer von vielen Gegenständen aus dem Besitz des Hotels, die sich in seinem Koffer fanden. Daher war das keine lustige Geschichte, sondern eine von vielen traurigen Geschichten, mit denen Quartiergeber und Gastwirte regelmäßig konfrontiert sind: es wird alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ein Freund war Portier in einem Wiener Hotel, er verlor den Job, weil jemand offenbar die teuren Bilder von der Wand einfach eingerollt und aus dem Hotel gebracht hatte, und er hatte es nicht bemerkt. Es herrscht praktisch kein Unrechtsbewusstsein. Als Kunde sei man ja König, ausserdem habe man eh "viel" bezahlt, da müsse diese oder jene Kleinigkeit schon mit inbegriffen sein. Ein Getränk um 3 Euro konsumieren, und das 6-Euro-Glas soll inkludiert sein? Es ist nicht mehr so wie in vergangenen Zeiten, als die Gastronomie solche Gläser von Lieferanten geschenkt bekommen hat, heute muss jedes Glas bezahlt werden. Peinlich für manchen Reisegruppenleiter, wenn der Wirt ihn auffordern muss, seinen Schützlingen zu sagen, dass der Wirt gerne seine Gläser und sein Besteck wiederhaben will, weil auf den Tischen nur Teller und schmutzige Servietten zurückgeblieben sind. Gastwirtschaften müssen ihren Gästen aber ausreichend Privatsphäre bieten, mehr Überwachung ist schwierig, noch akzeptieren es die Gäste nicht. Ich erinnere mich an die ersten Male, wo die Taschen bei Verlassen des Supermarkts kontrolliert worden sind: man ärgert sich, warum gerade ich kontrolliert werde, und manche Menschen können bei einer Kontrolle ziemlich laut werden. Kontrollen sind unangenehm für beide Seiten. Zumal man annehmen darf, dass die überwiegende Zahl der Gäste ohnehin nichts mitgehen lässt.

Weh tun Gastwirten nicht nur diese eindeutigen Kriminalfälle, sondern auch die oft absolut nicht vorhandene Wertschätzung fürs Interieur. Warum hat der Wirt etwas dagegen, dass das Kind auf dem Tischtuch malt, ist doch nur ein Plastiktischtuch, und wir konsumieren hier schliesslich um 19 Euro und würden auch noch 1 Euro Trinkgeld geben? Weil der Gast keine Ahnung hat, dass so ein simples von den Behörden vorgeschriebenes brandsicheres Tischtuch 400 Euro pro Meter kosten kann, das will der Wirt nicht einfach jedes Mal wegwerfen, wenn es bemalt worden ist. Hier hilft dem Wirten wirklich nur mehr die Lösung aus dem Ikea-Restaurant: Schwere Glasplatte auf den Tisch, lässt sich leicht reinigen und ist auch brandsicher. Zuallererst versuchen die Gastwirte halt, dem Gast ein angenehmes Ambiente zu bieten, ist ja schön, aber wenn sich herausstellt, dass der Gast ein 400-Euro-Tischtuch nicht entsprechend würdigt, wird er sich auch an die Glasplatte gewöhnen. Gegen das Herumkrixeln auf Tapeten usw. gibt es leider noch keine Lösung.

Zechprellerei ist ein weiteres Übel. Offenbar sogar Gelegenheits-Zechprellerei. Fragte ein älteres Pärchen bei einem Heurigen im 19. Bezirk, ob an unserem Tisch noch zwei Plätze frei seien. Er bestellte zwei Flaschen eher hochpreisigen Weins, und sie flüsterte ihm zu, dass der Wein aber teuer sei, es sei besser, sie würden nach dem Austrinken unauffällig kurz hintereinander verschwinden, das würde gar nicht auffallen, weil am Tisch eh noch andere Leute seien, die müssten dann halt die Zeche übernehmen. Mussten wir nicht. Der Wirt wusste sehr wohl, dass die beiden nicht zu uns gehörten.

Mit solchen Leuten wollen ehrbare Gäste nichts zu tun haben, wir distanzieren uns selbstverständlich davon. Leider kursieren Geschichten, wo sogar bei Hauptversammlungen Sachen weggekommen sein sollen. Also dort, wo man eher die vermögenderen Bürger vermuten würde, die es nicht notwendig hätten, ihre WMF-Bestecksammlung mühevoll von verschiedenen Veranstaltungen zusammenzutragen. Auf der Gewinn-Messe detto. Wer würde sich heute noch trauen, seinen goldenen Kuli zum Ausfüllen von Gewinnkarten zu verborgen? Einmal und nie wieder. Mit meiner Tasche ist auch einmal einer schnurstracks zum Ausgang gegangen. Er meinte, er habe geglaubt, das sei seine Tasche. Er hat sie zurückgeben müssen, waren ja eindeutig meine Sachen drinnen und nicht seine. Leider habe ich nicht schnell genug nachgedacht, warum er dann nicht zurück geht und seine Tasche sucht, ich hätte ihn anzeigen sollen. Solche Leute gehören aus dem Verkehr gezogen. Solange sie unter uns sind, bringen sie die ganze "Gemeinschaft" der Aktionäre in Verruf. Da heißt es dann: "Die Aktionäre stecken alles ein.", und 99% können überhaupt nichts dafür. Aber die AGs machen freundliche Miene zum bösen Spiel und weigern sich, beim Ausgang die Taschen zu kontrollieren. Einmal sah ich einen Herrn (unbekannt, kein regelmäßiger HV-Besucher), der schepperte wie ein Christbaum, so viel Besteck hatte er sich ungeniert eingesteckt, also nicht das Besteck, das er zum Essen verwendet hatte, sondern er hatte sich extra noch Besteck nachgeholt, ich wies den Küchenchef darauf hin, der sagte nur: "Der kommt nicht weit, beim Ausgang wird eh kontrolliert!" Und dann spazierte der Herr seelenruhig beim Metalldetektor vorbei, der piepste wie verrückt, und die Leute vom Sicherheitsdienst sagten mir, sie dürfen beim Ausgang nicht kontrollieren. Ein Dieb sieht nicht aus wie ein Dieb. Vielleicht war es ein ehemaliger Mitarbeiter, der sich an der Post rächen wollte, weil er vorzeitig ausscheiden musste? Tatsache ist, dass die Cateringunternehmen den Schwund an Kaffeehäferln und Besteck an den Veranstalter, die AG, weiterverrechnen. Und dann heißt es: "Die Aktionäre haben 6 Gabeln, 1 Ausbeinmesser, 3 Dessertteller und 1 Bräter mitgenommen." Wobei ich die Geschichte mit dem Bräter nicht wirklich glauben will. Sowas ist ja doch ziemlich groß. Oder die Geschichte mit den 100 Schiffchenschalen. In welchen normalen Haushalt passen die? Und gleich 100 davon?

Unsinnigerweise regen sich manche Leute (meist andere Gäste, denn dem Veranstalter oder dem Catering ist es meist wurscht, ist ja alles bezahlt, und was übrig bleibt, wird weggeschmissen) auf, wenn andere eine Semmel oder andere Reste vom Buffet einpacken. Sie genieren sich eh, da muss man nicht auch noch nachpecken. Manche haben grad weniger Hunger oder müssen sich wegen Zuckerkrankheit die Broteinheiten über den Tag verteilt einteilen, na, sie brauchen deswegen nicht auf ihre Portion zu verzichten. Es gibt keinen Schaden. Echte Problemfälle beim Essen sind selten: wie der Herr im Anzug, anlässlich einer Award-Verleihung im Haus der Industrie, der ein ganzes Tablett Brötchen in seine Tasche gekippt hat. Mit bewundernswerter Perfektion, es ist nichts kaputt gegangen. Aber noch bevor die anderen Gäste am Buffet waren. Von denen dann einige gar nichts bekommen haben. Oder die Leute von der Nachbarveranstaltung, die damals im Renaissance-Hotel unser Autobank-Buffet aufgegessen haben, noch bevor unsere Hauptversammlung zu Ende war. Alles noblige Leute, die sich keiner Schuld bewusst waren, ihr Veranstalter hatte halt nur Tramezzini aufgeboten, wir dagegen hatten gut aufgetischt, da konnte man sich schon mal ein paar Meter zu den Nachbarn verirren. Aber es war UNSER Buffet.


(03.04.2018)

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