19.06.2015, 4917 Zeichen
Lange Zeit war es in Sachen mögliche Übernahme des US-Mobilfunkgeschäfts der Deutschen Telekom ruhig. Doch nun sorgt T-Mobile US neben dem erfolgreichen Kundenfang auch wieder mit Übernahmegerüchten für Aufsehen. Allerdings tut sich bei den Bonnern auch abseits des US-Marktes einiges.
2011 scheiterte der US-Telekommunikationskonzern AT&T mit seinem Übernahmeversuch am Widerstand der Regulierungsbehörden. Aus Sorge, das gleiche Schicksal zu erleben, hatte Sprint seine Bemühungen bezüglich einer Übernahme von T-Mobile US eingestellt. Am 4. Juni hat das „Wall Street Journal“ nun die Spekulationen angeheizt, wonach es der US-Bezahlfernsehanbieter Dish mit einer Fusion versuchen könnte. Neue Nahrung bekamen die Spekulationen, als „Reuters“ am 12. Juni darüber berichtet hatte, dass Dish bereits mit Banken über Kredite in Höhe von 10 bis 15 Mrd. US-Dollar zur Finanzierung des Deals sprechen würde. Allerdings dürfte T-Mobile US alles andere als günstig sein. Während das Unternehmen zuletzt erfolgreich Kunden gewinnen konnte, liegt der Börsenwert bei knapp 33 Mrd. US-Dollar. Zudem könnte sich ein Bieterwettkampf entwickeln. Das „manager magazin“ hatte schon am 17. Juni vorab aus der aktuellen Ausgabe berichtet, dass der US-Kabelkonzern Comcast an einer Übernahme interessiert sei.
Eine mögliche Fusion mit Dish könnte gegenüber früheren Versuchen eher von den US-Regulierungsbehörden akzeptiert werden, da die Überschneidungen relativ gering sind. Die Vorteile lägen auf der Hand. Denn auf diese Weise würde Dish den lange geplanten Einstieg in den Mobilfunk-Bereich bewerkstelligen, während T-Mobile US von den bisher von Dish ungenutzten Funkfrequenzen profitieren würde. Allerdings dürfte die Finanzierung eines Deals eine enorme Hürde darstellen. Comcast könnte dagegen laut dem „manager magazin“ eine Übernahme eher stemmen.
Es dreht sich derzeit bei den Bonnern jedoch nicht alles um T-Mobile US. Während man einem Verkauf in den USA offen gegenübersteht, ist das bei T-Systems nicht der Fall. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ vom 14. Juni sagte Telekom-Vorstand Reinhard Clemens, dass der Bereich nicht verkauft wird und man ihn für die Umsetzung der Wachstumsstrategie im Geschäftskundenbereich benötigen würde. Dabei hat man sich insbesondere im Cloud-Segment ambitionierte Ziele gesetzt.Die dortigen Erlöse sollen von derzeit rund 1 Mrd. Euro jährlich bis Ende 2018 mehr als verdoppelt werden. Zudem könnte die Deutsche Telekom bei der Erneuerung der IT-Systeme der Bundesregierung nach einem Hackerangriff eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus wird diePräsenz auf den Wachstumsmärkten in Zentral- und Osteuropa mit der Übernahme der verbleibenden 49 Prozent an der Slovak Telekom gestärkt.
Trotzdem stand T-Mobile US jüngst im Rampenlicht. Die Deutsche Telekom profitierte gleich in doppelter Hinsicht vom US-Geschäft. Während T-Mobile US mit seinem aggressiven Kundenfang der Wachstumstreiber des Unternehmens ist, sorgte der starke US-Dollar dafür, dass die Erlöse bei der Umrechnung in Euro noch größer ausfielen. Allerdings könnten die Wachstumsaussichten begrenzt sein, wenn eine Fusion oder ein Verkauf nicht zustande kommen. Die Ausstattung mit Funkfrequenzen und die schiere Größe der Wettbewerber AT&T oder Verizon Wireless dienen dabei als mögliche Wachstumshindernisse. Zudem hat die Aktie der Deutschen Telekom in den vergangenen zwei Jahren eine beeindruckende Kursperformance hingelegt, so dass die positiven Nachrichten bereits vollständig eingepreist sein könnten.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Telekom-Aktie erwarten, könnten mit einem Wave XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DT795W) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,19, die Knock-Out-Schwelle bei 11,10 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem Wave XXL-Put der Deutschen Bank (WKN XM0RBS, aktueller Hebel 4,12; Knock-Out-Schwelle bei 18,10 Euro) auf fallende Kurse der T-Aktie setzen.
Stand: 17.06.2015
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