29.04.2013, 4880 Zeichen
Wolfram Littich, früher u.a. Vorstand der Wiener Börse weist via Allianz-Studie darauf hin, dass der Anteil des Pensionseinkommens aus der 1. Säule, also der staatlichen Säule, in Österreich den grössten Wert in ganz Europa aufweist.
"Allianz Studie zu Pensionseinkommen: Österreicher europaweit am meisten vom Staat abhängig
„Damit zukünftige Ruheständler ein Alterseinkommen in vergleichbarer Höhe mit dem der heutigen Pensionisten erzielen können, müssen sie ihr Sparverhalten und die Erwerbsbeteiligung ändern. Wer über ein angemessenes Einkommen im Alter verfügen möchte, sollte seine Altersvorsorge überdenken“, kommentiert Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse des aktuellen Allianz Demographic Pulse.
Vergleich: Leistungskürzungen bis zu 25 Prozent bei erster Säule
In den westlichen Ländern wurden in den letzten fünfzehn Jahren zahlreiche Rentenreformen eingeleitet. Viele Maßnahmen hatten einen Rückgang des Rentenniveaus bei der gesetzlichen Vorsorge zur Folge. Berechnungen für 16 OECD-Länder zeigen, dass es in Staaten mit besonders weitreichenden Reformen im Durchschnitt Leistungskürzungen um 22 Prozent für Männer und um 25 Prozent für Frauen gab. Trotz dieser Entwicklungen sieht man im Europavergleich eine weiterhin starke Bedeutung der ersten Säule: Während in ganz Europa – mit Ausnahme von Finnland – der Anteil der ersten Säule als Quelle für das Einkommen im Alter schrumpft, liegt der Wert in Österreich auf hohem Niveau: 82 Prozent des Einkommens eines Rentner-Haushalts kommen weiterhin vom Staat – damit liegt Österreich auf Platz 1 in den untersuchten europäischen Ländern. Fünf Prozent kommen aus privater Vorsorge, 13 Prozent aus Erwerbstätigkeit. Finnen dieser Altersgruppe beziehen rund 80 Prozent ihres Pensionseinkommens vom Staat, Franzosen 73 Prozent, Italiener 72 Prozent. Am wenigsten abhängig sind die Briten, welche nur 38 Prozent des Alterseinkommens vom Staat beziehen. „Keiner vertraut so sehr auf den Staat wie Herr und Frau Österreicher“, so Littich.
Österreich bei Erwerbsbeteilung älterer Arbeitnehmer an viertletzter Stelle
Mittlerweile üben Arbeitnehmer europaweit ihren Beruf nicht nur deshalb länger aus, weil das Pensionsantrittsalter angehoben wurde, sondern weil ihre Einnahmen aus der ersten Säule geringer als erwartet ausfallen und sie länger als vorgesehen für das Alter sparen müssen. Als Folge erhöhte sich in Europa, Asien und den USA die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen über die letzten zehn Jahre: In Europa war der Zuwachs in Deutschland und in den Niederlanden mit einer satten Verdoppelung besonders hoch, auch hierzulande konnte sich dieser Wert von 12,8 Prozent im Jahr 2000 auf 22,5 Prozent im Jahr 2010 beinahe verdoppeln. Im Vergleich zu den anderen Staaten befindet sich Österreich aber auf einem sehr niedrigen Niveau: In Westeuropa haben nur Frankreich (18,9 Prozent), Belgien (21 Prozent) und Italien (21,2 Prozent) noch niedrigere Partizipationsraten älterer Arbeitnehmer. Spitzenreiter ist Schweden, wo fast zwei Drittel (64,6 Prozent) der 60- bis 64-Jährigen im Erwerbsleben stehen.
Die neue Renten-Wirklichkeit: Stärkerer Mix auf dem Vormarsch
Nach mehr als zehn Jahren Pensionsreformen hat sich die Altersvorsorgestruktur inbeinahe allen Ländern, die in der Allianz Studie untersucht wurden, geändert. Fast durchgehend stieg der Anteil der betrieblichen und privaten Altersvorsorge am Alterseinkommen, wie auch die Bedeutung der Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Doch ob diese Zuwächse in der tatsächlichen Ruhestandsphase ausreichen werden, um Kürzungen bei der staatlichen Rente vollständig aufzufangen, bleibt offen. Eine der zukünftigen Herausforderungen bestehe laut Studie darin, die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu verbessern. 65 Prozent der Beschäftigten in Europa möchten die Möglichkeit erhalten, im Alter teils von Erwerbsarbeit und teils von Pensionseinkommen zu leben.
Neben der steigenden Bedeutung der Einkünfte aus betrieblichen und privaten Pensionsvermögen werden auch Einkünfte aus Erwerbstätigkeit in der Pension an Bedeutung gewinnen. „Die Menschen müssen sich auf die neue Pensions-Wirklichkeit einstellen. Das Vorsorgen fürs Alter könnte beispielsweise dadurch gefördert werden, dass vermehrt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, Altersvorsorgebeiträge direkt vom Gehalt abzubuchen – wie etwa im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge – und in einen Rentenplan einzuzahlen“, so Littich abschließend.
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