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(Börse) Wien darf Stockholm, Kopenhagen oder Helsinki werden

Magazine aktuell


#gabb aktuell



04.05.2012, 2410 Zeichen

Die skandinavischen Staaten werden in vielerlei Hinsicht als Vorbilder für Österreich hingestellt. Meistens im Zusammenhang mit sozialen Errungenschaften, aber gerne auch im Hinblick auf ihre durchaus solidere öffentliche Haushaltspolitik. Ein ganz wesentlicher Aspekt, der selten ins Treffen geführt wird, ist aber die Stellung der Börsen. Mit der OMX Group ist für Skandinavien das gelungen, was für die Region CEE noch in den Kinderschuhen steckt: Ein gemeinsames Dach und einen gemeinsamen Marktauftritt nationaler Börsen zu schaffen. Im wesentlichen zählen dazu eine einheitliche Marktsegmentierung, eine einheitliche Marke und ein einheitliches Handelssystem über das die Marktteilnehmer an die lokalen Börsen (Stockholm, Kopenhagen, Helsinki und Rejkjavik) angebunden sind. Damit wird der Markt auch für die großen des Investmentbankings interessant, Merrill Lynch kommt auf einen Marktanteil bei Aktien von rund 15%, Credit Suisse folgt dahinter mit 9%, insgesamt findet man 118 Marktteilnehmer im OMX System, die lt. aktueller Statistik auch tatsächlich (fast) alle aktiv an der Börse teilnehmen.

Wie schlägt sich das in den Handelsumsätzen nieder? OMX Stockholm wies im März 2012 im Aktienhandel € 32,3 Mrd. aus, Kopenhagen € 10,8 Mrd. und Helsinki € 7,6 Mrd. Im Vergleich dazu lag Wien mit € 3,7 Mrd. weit abgeschlagen. Allein Merrill Lynch machte in Stockholm mit € 9 Mrd. mehr als das Doppelte an Umsatz als die gesamte Wiener Börse.

Es gibt zahlreiche strukturelle Unterschiede zwischen den skandinavischen Börseplätzen und Wien. Aber der Weg muss das Ziel sein. Es kann nicht sein, dass eine Volkswirtschaft, die ungefähr gleich groß ist die österreichische, eine rund 6-fache Marktkapitalisierung und etwa das 9-fache an Handelsumsätze erzielt (Schweden).

Skandinavien ist sicherlich nicht der Hort des "Neoliberalismus", trotzdem gibt es dort einen viel rationaleren und sachlicheren Zugang zum Thema Börse als bei uns. Das lässt sich etwa auch an den Privataktionärszahlen ablesen, die ebenso ein Vielfaches des österreichischen Werts betragen. Wien darf nicht nur, es muss Stockholm, Kopenhagen oder Helsiniki werden, wenn die Unternehmen und damit der Standort Österreich nicht den Anschluss im globalen Wettbewerb verlieren wollen. Und was tut die österreichische Wirtschaftspolitik? Sie denkt über Preisbeschränkungen für Benzin an Reisewochenenden nach. Weiterer Kommentar dazu überflüssig.


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