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Mehr Wettbewerb, statt mehr Bankenregulierung

Magazine aktuell


#gabb aktuell



02.05.2012, 3782 Zeichen

Die EU-Finanzminister beraten also heute wieder einmal über das sog. "Basel III"-Regelwerk, das im Kern den europäischen Banken höhere und strengere Eigenkapitalvorschriften bringen soll. Ohne grundsätzliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser regulatorischen Monströsität (der Vorschlag einer Verordnung und einer Richtlinie umfassen in Summe 747 (!) A4 Seiten) wurden die Vorschläge des Baseler Ausschusses der BIS quasi 1:1 übernommen. Die Aktiv-Seite einer Bank-Bilanz mit Eigenkapital risikotragfähig zu machen ist sicherlich sinnvoll. Aber brauche ich dafür ein Regelwerk, das bis ins kleinste Detail allen (!) Banken in Europa die gleichen Vorschriften macht, von der Sparkasse in Hintertupfing bis zur Deutschen Bank in Frankfurt? Banken mit völlig unterschiedlicher Kundenstruktur und nicht vergleichbaren Geschäftsmodellen. Hier gibt es kein Level-Playing-Field und somit auch keinen Zwang einheitliche Regeln für einen unheitlichen Markt zu schaffen.

Und vor allem: Wissen die Aufseher wirklich alles am besten? Kennen sie das beste Modell zur Risikosteuerung? Wenn ja, wäre die Welt in Ordnung, wenn nein, dann führen alle Europäischen Banken das falsche Risikomodell ein. Das Prinzip der (Risiko-)Diversifikation wird dadurch konterkariert.

Und grundsätzlich: Ist die risiko-gewichtete Unterlegung der Bank-Aktiva mit Eigenkapital eine ausreichende und zielführende Maßnahme? Schauen wir uns die Realität an: Die vor kurzem notverstaatlichte ÖVAG hat zwischen 2005 und 2010 ihre Kernkapitalquote von 7,5% auf 10,3% erhöht und ihre Eigenmittel von 10,2% auf 12,8%. 2011 stagnierten diese Werte mit 10% und 12,7% auf hohem Niveau. Wir kennen das (vorläufige) Ende dieser Geschichte. Auch bei der Hypo-Alpe-Adria sind Kern- und Eigenkapital vor dem Quasi-Zusammenbruch angestiegen, ebenso bei der Kommunalkredit. Höheres Eigenkapital hat die Risikotragfähigkeit also nicht erhöht. Es bleibt dennoch DER Fetisch der Bankaufseher.

Hat die Finanzkrise nicht eigentlich gezeigt, dass das Risiko der Banken auf der Passiv-Seite liegt? Wenn die laufende (Re-)Finanzierung des Geschäfts nicht mehr oder nur noch zu erheblichen Mehrkosten funktioniert, dann kommen Banken in wirkliche Probleme. Es ist ja wohl kein Zufall, dass Banken, die sich vor allem auch über Einlagen finanzieren, während der Finanzkrise kaum in Schwierigkeiten gekommen sind. Basel III spricht dieses Thema am Rande auch an, mit neu einzuführenden Liquiditätskennzahlen. Aber eben nur als Nebenschauplatz.

Wie auch immer: Das Regelmonstrum wird primär zu einem enormen Beratungsaufwand führen und zu einem massiven Ausbau von Administration sowohl auf Banken- als auch auf Aufsichtsseite. Erreicht wird damit allerdings nur eine Scheinsicherheit. ÖVAG, KA und HAA wären auch mit den neuen Vorschriften in Konkurs gegangen, weil auch noch so viel Eigenkapital das Fehlen von tragfähigen Geschäftsmodelle nicht ersetzen kann. Banken brauchen mehr Markt und somit leichteren Markt-Einstieg als auch -Ausstieg. Die neuen Regulierungen schaffen das Gegenteil: Strengere und umfassendere Vorschriften erschweren den Markteintritt und über ein europaweites Banken-Konkursrecht wird höchstens in Sonntagsreden geschwaffelt, von Montag bis Freitag beschäftigt man sich lieber mit dem unsäglichen Basel-III-Regelwerk. Das freut die Regulatoren und die außer-europäische Konkurrenz, die weder Basel II übernommen hat, und auch nicht ernsthaft plant Basel III zu übernehmen. So verbessern wir die Wettbewerbsfähigt der europäischen Banken sicher nicht und schaden somit dem Wirtschaftsstandort insgesamt. Auch wenn es in diesen Zeiten des Banken-Bashing unpopulär ist: Die Banken brauchen weniger Regulierung und mehr Wettbewerb, denn nur dieser steigert die Effizienz und führt zu Fortschritt und Weiterentwicklung.


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