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Buddy Blog: Wolfgang Matejka ... über einen vielzitierten Börsianer

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12.04.2012, 3488 Zeichen

(Von: Wolfgang Matejka) Wer ist Bruno Iksil?

Was sich auf den ersten Blick wie ein billiger Plot eines Hollywood-Streifens anhört, dürfte sich inzwischen zu einem mittleren Skandal auswachsen können.

In London dreht sich die letzten Tage alles nur mehr um „Bruno Iksil“. Wer ist das? Warum ist der so wichtig? Und was in aller Welt sollt diesen Mann für uns gefährlich machen?

Nun, wenn stimmt, was so geschrieben wird, und das schreiben auch Magazine wie Bloomberg oder Zero Hedge, dann ist dieser Mr. Iksil ein ziemlich gefährlicher Bursche. Er ist Trader bei JPMorgan London und versammelt angeblich ein bereits 100 Mrd. US$ großes CDS Portfolio unter seinen Händen.

Ist an sich nicht so schlimm, sollte es sich um einander gegenläufig überschneidende Kundengelder handeln. Bruno Iksil ist aber kein Kundenhändler. Er arbeitet als so genannter „Prop-Trader“ allein auf Rechnung und im Interesse seines Arbeitgebers, JPMorgan.

Die Wucht der Erkenntnis schlägt nun schon grausamer zu. Jene Bank JPMorgan, die allerorts die Dominanz der Derivatemärkte beklagt und sich vor den Auswirkungen unkontrollierter Verwerfungen fürchtet ist nämlich selbst einer, wenn nicht der größte Player in diesem Markt. Angeblich 70 Billionen US$ soll das gesamte Derivate-Buch dieser Bank bereits groß sein. Und nicht nur das, sie setzt scheinbar auch gezielt diese Instrumente ein, um den Markt zu beeinflussen. Jemand der 100 Mrd. am eigenen Buch „wettet“, den interessiert nicht, ob der Markt gefährlich ist oder nicht, der will, dass diese Wette Gewinn bringt und je mehr er den Markt steuern kann umso eher sollte das auch so sein.

Dass London als verlängerte Werkbank US-stämmiger Banken agiert ist ein alter Hut. Wie tabulos diese Aktivitäten aber scheinbar inzwischen umgesetzt werden überrascht aber schon und macht mehr und mehr nachdenklich. Europas Passivität gegenüber diesen Machenschaften ist einfach erschreckend und lässt den Glauben an „Wissen“ und „Kontrolle“ hinterfragen. Nicht erst das katastrophale Verhalten im Falle der horriblen Anerkennung der Griechenland-CDS macht die europäische Ohnmacht deutlich. Die Tatsache, sich von einzelnen Banken dermaßen vorführen zu lassen, sich ja durch die offensichtliche eigene Inkompetenz gleich selbst als Opfer anzubieten, oder unwidersprochen die Begehrlichkeiten von Wertpapierhändlern unwidersprochen auf geopolitische Ebenen heben zu lassen lässt mich erschauern.

Was muss denn noch alles passieren, damit endlich jemand in Brüssel, Berlin, Rom oder Gramatneusiedl aufsteht und sagt: „Karten auf den Tisch! Bis hierher und nicht weiter!“?

Wer wird denn „schuld“ sein, wenn wieder mal ein Derivate-Buch implodiert und wir alle mit Bewegungen und Verwerfungen an unseren Kapitalmärkten konfrontiert sind, die sich ökonomisch niemand erklären kann? Die Wucht einer solchen Bewegung trifft per se immer die Mehrheit. Jene Mehrheit, die die fundamentale und ökonomische Investition als Basis ihres Votums verfolgt. Eine brachiale Auflösung solcher „Wetten“ fordert aber in erster Linie die Liquidität. Und die ist dann im benötigten Masse nicht hier. August 2011 I’m coming. Bezeichnend, dass es gerade und einzig die vielgescholtenen Hedgefunds angeblich sind, die sich als Bollwerk gegen die CDS-Wette JPMorgans derzeit aufstellen.

Ein wissendes Selbstbewusstsein ist mittlerweile ein absolutes Muss für Europa. Das täte uns allen gut. Vielleicht nicht einem Herrn Bruno Iksil, aber der hat ohnehin sicher bereits seinen Bonus derivativ abgesichert.


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