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29.04.2026, 4678 Zeichen

Der Krieg im Nahen Osten treibt Sorgen vor uns her. Die gegenseitige Zerstörung samt begleitender Rhetorik schaukelt die Emotionen in lichte Höhen und die Sperre der Straße von Hormus bremst jedwede Dynamik im Schiffs- und somit globalen Warenverkehr. Dass der Ölpreis, und in Folge der Zerstörung von Raffinerien, auch der Gaspreis rasant angestiegen ist, ist uns, als „fossile Konsumenten“ sofort ins Inflationsbewusstsein oder ins Portemonnaie an der Tankstelle gefahren. Es gibt aber kaum beachtete Rohstoffe, die unser aller Leben nahezu täglich beeinflussen und die in der Kriegsarithmetik derzeit genauso keine Chance auf Verbilligung haben.

Da wären zuerst in Verwandtschaft zu obigen Opfern von direkter Zerstörung Düngemittel und Helium. Die Produktion beider hat einen globalen Schwerpunkt im Nahen Osten, der Transport muss durch die Straße von Hormus. Beide sind essenziell wichtig. Zynischerweise beide für die USA. Die ohnehin schon arg von Mr. Donalds Tarifen gebeutelten US-Farmer sind Hauptabnehmer bei Düngemitteln, die Halbleiterindustrie bei Helium, das für die Chip-Herstellung essenziell ist. Da wird es in den jeweiligen Produktionsketten gerade linear teuer. Düngemittel haben bereits Preissteigerungen von 50% erfahren. Ähnlich verhält es sich bei Aluminium. Dessen Preise steigen, nachdem keine lokalen Transportwege offen sind und auch die energie-intensive Produktion zu stolpern beginnt. Etwa 10% des globalen Aluminiumbedarfs wird aus dieser Region gedeckt. Ebenso 15% Phosphor, 18% Ammoniak, 31% Harnstoff, 44% Schwefel, alles global benötigte Rohstoffe.

Es gibt aber noch andere globale Faktoren, die auf Lebensmittelkosten massiv einwirken. So haben die Eier-Preise, dank Vogelgrippewellen durch die halbe Welt, deutlich zugenommen. Auch der Zuckerpreis ist rapide angestiegen, weil man aus Zucker ja auch Ethanol erzeugen kann und das als Benzinzusatz fixer „grüner“ Bestandteil geworden ist. Dagegen werden Kartoffeln in Mitteleuropa und hier insbesondere in Deutschland tonnenweise weggeworfen. Die erhöhten Energiepreise machen länger reichende Transporte zu teuer. Die Margen sind so knapp bemessen, dass sich das für die Bauern nicht mehr rechnet. Selbst die Vergärung in Biogasanlagen wäre aus Transportgründen nicht rentabel. Man wirft das Essen weg, weil man es sich nicht mehr leisten kann.

Die Welt ist ja flexibel. Der Profitwille sucht seinen Weg durch die Probleme, und wenn es die Straße von Hormus ist, es werden Wege gesucht.

Also wo wären die schnellen Lösungen (außer politischer Vernunft. Scherz, ich weiß)? Beim Öl gibt es die Saudi Pipeline, von Saudi-Arabien in den Norden. Die schafft maximal 7 Mio. Barrel pro Tag. Weil aber wegen geringem Gebrauch in schlechtem Zustand, derzeit max. 2 Mio. Barrel, soll sich ändern. Beim Container-Transport versucht man den Suez Kanal vorweg als „Abkürzung“ einzuplanen. Das wissen aber auch die Iraner und haben ihre Verbündeten, die Huthi, instruiert auch dort, via der Seestraße von Bab al Mandab, für Stress zu sorgen. Der Verkehr durch den Kanal ist infolgedessen bereits auf 49% gesunken. Bleibt der Weg ums Kap der guten Hoffnung. Ein weiter Weg, der etwa 2-3 Wochen die Reise verzögert. Dadurch steigen aktuell die Preise pro Container um rund 3500 US$.

Auf den ersten Blick scheint der Kampf gegen die Inflation daher verloren. Der zweite Blick lohnt sich aber, denn es beginnen bereits Anpassungsstrategien zu wirken. Alternative Energien werden beschleunigt, Energiereserven parallel zu fiskalpolitischen Zugeständnissen eingesetzt, Konsumgewohnheiten passen sich an. Genügt alles sicher nicht, sollte der Konflikt und dessen Begleitumstände länger anhalten, aber genau diese Entwicklungsschritte werden durch diesen Konflikt belastbarer und stabiler. Partnerschaftliche strategische Optionen werden durch politische Unberechenbarkeiten immer schwächer. Das „Verlassen auf sich selbst“ zur eigenen Prämisse. Energiewende treibt notwendige Entscheidungen. Realismus übernimmt die Regie.

Diese Entwicklungsoptionen treffen auf unsere Kapitalmärkte, belassen sie gegenüber den Verhandlungsvariablen zwischen den Kriegstreibern im atemlosen „Hold“, motivieren sie zur Suche nach Inflationsgewinnern und -verlierern, aber unterstreichen die strategische Notwendigkeit, sich mit jedweden alternativen Energiequellen, samt deren notwendigen Infrastruktur, intensiv und umsetzungskonform auseinander- und umzusetzen.

Wir suchen uns gerade, die Konsequenzen der uns umgebenden geopolitischen Ungleichgewichte auf der Haut und in der Geldbörse spürbar, einen neuen belastbareren Weg in die Zukunft.

(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 29.04.)



BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Börsepeople im Podcast S24/21: Hugo Brock


 

Bildnachweis

1. mind the #gabb



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