18.09.2025, 6785 Zeichen
Die US-amerikanische Zentralbank Fed hat bei ihrer September-Zinssitzung erwartungsgemäß den Leitzinssatz zum ersten Mal in diesem Jahr um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent gesenkt. Hier einige Statements dazu von Markt-Experten:
Ökonom Gerhard Winzer von der Erste Asset Management: "In der Erklärung wurde die Maßnahme mit einem Anstieg der Risiken für die Beschäftigung begründet. Der Offenmarktausschuss der Zentralbank legte die neue Bandbreite für den Leitzinssatz mit 4% bis 4,25% fest. Die Entscheidung war nicht einstimmig. Stephen Miran, der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, der sein Amt für die Dauer der Ratsmitgliedschaft bei der Zentralbank ruhend gestellt hat, votierte für eine Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte. Die von der Zentralbank veröffentlichte Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen passt oberflächlich betrachtet nicht mit der Zinsentscheidung zusammen. Denn die Einschätzung für das Wirtschaftswachstum wurde im Vergleich zur Einschätzung vom vergangenen Juni für die Jahre 2025 bis 2027 nach oben genommen (1,6%, 1,8% und 1,9%), jene für die Arbeitslosenrate wurde für 2026 und 2027 nach unten revidiert (4,4%, 4,3%) und jene für die Inflation für das nächste Jahr nach oben angepasst (2,6%). Gleichzeitig zeigt die durchschnittliche Meinung des 19 Mitglieder umfassenden Offenmarktausschusses eine schnellere Absenkung des Leitzinssatzes auf ein für die Wirtschaft neutrales Niveau von 3% als noch im Juni angezeigt. Für heuer erwartet das durchschnittliche Fed-Mitglied noch zwei weitere Leitzinssenkungen. Ende 2025 wäre dann das Band für den Leitzinssatz bei 3,5% bis 3,75%. Auf der Pressekonferenz begründete der Fed-Vorsitzende Powell die Zinsentscheidung nicht mit den Prognosen, sondern mit der Veränderung der Risiken. Denn das schwache Beschäftigungswachstum könnte unter jenes Niveau gefallen sein, um die Arbeitslosenrate stabil zu halten. Für die Finanzmärkte ist die Veränderung der geldpolitischen Haltung der Fed von eher inflationskämpferisch (hawkish) auf wachstumsfreundlich (dovish) auf die kurze Sicht eine günstige Entwicklung. Sowohl die Kurse der US-amerikanischen Aktien als auch jene der Anleihen werden dadurch unterstützt. Generell treibt der Künstliche-Intelligenz-Boom die Aktien, während die Fed die nach unten gerichteten Arbeitsmarktrisiken adressiert. Für den US-Dollar bedeutet die lockere Fed-Politik einen zunehmenden Druck für eine weitere Abschwächung gegenüber einem Währungskorb.
Nachsatz: Möglichkeiten für eine ungünstige Marktentwicklung gibt es jedoch leider zahlreiche. So könnte sich herausstellen, dass die Fed die Leitzinssenkungen zu spät aufgenommen hat, dass heißt, der Arbeitsmarkt könnte sich abrupt abkühlen und eine Rezession auslösen (negativ für Aktien). Zudem könnte die Argumentation der Fed ins Wanken geraten. Wenn sich die Sichtweise durchsetzt, dass die Leitzinsen vor allem aufgrund des enormen politischen Drucks gesenkt werden, könnten die langfristigen Inflationserwartungen ansteigen (negativ für Anleihen). Trotz der zahlreichen und zugenommenen Risiken haben sich jedoch sowohl die Märkte als auch die Wirtschaft als erstaunlich resilient erwiesen."
Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz: "Auf ihrer Sitzung diagnostizierte die FED eine Verlangsamung der Beschäftigungsentwicklung, die auf eine nachlassende konjunkturelle Dynamik und einen perspektivisch nachlassenden Preisdruck hinweise. Deshalb sei eine schrittweise Senkung der Zinsen in Richtung des neutralen Niveaus angebracht, welches die FED unverändert im Bereich von 3% verortet. Etwas überraschend hat das FOMC seine Prognosen zu Wachstum und Inflation im nächsten Jahr etwas angehoben. Wohl auch deshalb zeigt der Zinsausblick („Dot Plot“) im Vergleich zur Junisitzung nur einen zusätzlichen Schritt in diesem Jahr und unverändert eine Zinssenkung 2026. Die FED hat umsichtig auf die Verlangsamung am Arbeitsmarkt reagiert. Sie sieht den geringeren Beschäftigungsaufbau primär als Zeichen einer schwächeren Nachfrage und nicht verursacht durch die angebotsseitige Verknappung von Arbeitskräften durch die Politik der Trump-Administration. Sie ist sich dessen aber nicht sicher und bleibt in ihrer Reaktion deshalb zurückhaltend. Das ist gut so. Zudem stemmt sich die Mehrheit im FOMC gegen die drohende „Erdoganisierung“ der US-Geldpolitik. Erwartungsgemäß hat lediglich der Trump-Vertraute Miran, der erstmals stimmberechtigt an der Sitzung teilnahm, unmittelbar für einen großen Zinsschritt und eine radikale Zinswende in den kommenden Monaten votiert. Das zeigt aber eindrucksvoll die Risiken weiterer politischer Besetzungen des FOMC. Dennoch ist auch die heutige moderate Zinssenkung nicht ohne Risiko und zumindest bemerkenswert. Das zeigt auch die skeptische unmittelbare Marktreaktion. Denn die Unsicherheit über den weiteren Kurs der Wirtschafts- und Zollpolitik und deren Folgen für die Inflation ist ungewöhnlich hoch. Gleichzeitig liegt der Preisauftrieb weiter deutlich über dem Ziel und die staatliche Defizitquote verharrt auf sehr hohem Niveau und der Dollar scheint angeschlagen. Die heutige Entscheidung wird in der Rückschau deshalb nur dann als richtig eingeschätzt werden, wenn sich die Konjunktur tatsächlich deutlich abschwächt. Sollte das nicht passieren, riskiert die FED mit ihrer heutigen Entscheidung ihre Glaubwürdigkeit auch unabhängig von der Politik. Denn dann würden die Zweifel an ihrer Prognose- und Tatkraft hinsichtlich der Inflation weiter steigen. In jedem Fall steigt mit der heutigen Entscheidung der Einsatz der FED, politisch wie ökonomisch."
John Lamb, Equity Investment Director bei Capital Group, sagt zu möglichen Auswirkungen der Zinssenkung auf die Aktienmärkte: „Eine Zinssenkung durch die US-Notenbank könnte den Aktienmärkten kurzfristig Auftrieb verleihen, sie ist jedoch keine Garantie für steigende Kurse. Entscheidend für Investoren ist die Analyse der zugrunde liegenden Motive für den Schritt sowie der Frage, inwieweit eine Lockerung geldpolitischer Bedingungen bereits eingepreist ist. Angesichts der Erholung der globalen Aktienmärkte und der Ausweitung der Marktführerschaft über den US-Technologiesektor hinaus auf Europa, Japan und die Schwellenländer ist es entscheidend, eine binäre Positionierung zu vermeiden. Auch auf Sektorebene findet eine Ausweitung statt, wobei die Industrie von Trends wie erhöhten europäischen Verteidigungsausgaben, Elektrifizierung und Automatisierung sowie Investitionen in Rechenzentren profitiert. Statt auf Schlagzeilen zu reagieren, sollten sich Anleger auf langfristige Fundamentaldaten, breit diversifiziertes Gewinnwachstum und eine disziplinierte Titelauswahl konzentrieren. Das ist entscheidend, um Chancen in einem volatilen Umfeld über Regionen und Sektoren hinweg zu nutzen.“
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Aktien auf dem Radar:CA Immo, Semperit, Polytec Group, EuroTeleSites AG, Flughafen Wien, Austriacard Holdings AG, Bajaj Mobility AG, Rosenbauer, FACC, Frequentis, Heid AG, Kapsch TrafficCom, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, BTV AG, Amag, EVN, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Porr, Strabag, Verbund, VIG, Bayer, BASF, Fresenius Medical Care, Symrise, SAP, Deutsche Telekom, Siemens Energy.
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