10.03.2026, 3825 Zeichen
Neue Forschungsergebnisse zeigen: Mikroplastik aus Autoreifen gelangt in Nutzpflanzen und schädigt diese aktiv. Studien aus dem März 2026 belegen, dass Tomaten und Salat chemische Zusatzstoffe über die Wurzeln aufnehmen. Die Partikel stören die Bodenbiologie und lösen toxische Reaktionen in den Pflanzen aus.
Ein Forschungsteam der Nankai-Universität veröffentlichte am 5. März 2026 alarmierende Daten. Demnach hemmen Reifenabriebpartikel das Wachstum von Tomatenpflanzen signifikant. Besonders kleine Partikel um 100 Mikrometer störten die Photosynthese und das Redox-Gleichgewicht.
Gleichzeitig verändern die Mikroplastik-Teilchen die Enzymaktivität im Boden. Das schwächt den Nährstoffkreislauf und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen. Eine weitere Studie aus dem Februar liefert einen zusätzlichen Schock: Reifenabrieb begünstigt die Übertragung von Antibiotikaresistenzgenen in Salatpflanzen.
Autoreifen bestehen zu bis zu 15 Prozent aus chemischen Additiven. Beim Fahren reibt sich das Material ab. Wind und Regen tragen die mikroskopischen Partikel von der Straße. Sie gelangen in Böden, Gewässer und Kläranlagen.
Das Problem: Klärschlamm wird oft als Dünger verwendet. Aufbereitetes Abwasser dient zur Feldbewässerung. So landen die Reifenpartikel direkt in der Landwirtschaft. Die Wurzeln von Salat, Tomaten oder Wurzelgemüse nehmen die wasserlöslichen Chemikalien auf und transportieren sie in die essbaren Pflanzenteile.
Im Fokus der Wissenschaft steht vor allem das Ozonschutzmittel 6PPD. Reagiert es mit Luft-Ozon, entsteht das hochgiftige 6PPD-Chinon. Diese Substanz ist bereits für massenhaftes Sterben von Lachsen verantwortlich gemacht worden.
Analysen zeigen: 6PPD und sein Abbauprodukt sind auch in Gemüse nachweisbar. Pflanzen nehmen zudem Additive wie Benzothiazol und Diphenylguanidin auf. Die tägliche Aufnahme durch kontaminiertes Gemüse liegt zwar im Nanogramm-Bereich. Die Langzeitfolgen für den Menschen sind jedoch völlig unklar.
Toxikologische Studien an Nagetieren deuten auf neurotoxische und leberschädigende Eigenschaften hin. Eine aktuelle Publikation zeigt ein weiteres Risiko: 6PPD kann die Abbauzeit von Pestiziden in Pflanzen massiv verlängern. Das erhöht die Gefahr von gefährlichen Chemikalien-Cocktails auf unserem Teller.
Die neuen Erkenntnisse erhöhen den Druck auf Politik und Industrie. Bislang lag der Fokus auf Abgasen. Der Reifenabrieb, eine Hauptquelle für Mikroplastik, blieb eine regulatorische Grauzone.
Die geplante Euro-7-Abgasnorm der EU will das ändern. Sie soll erstmals Grenzwerte für Reifen- und Bremsabrieb neuer Fahrzeuge festlegen. Umweltschützer kritisieren die Pläne als unzureichend. Der bestehende Fahrzeugbestand bleibt außen vor. Ein Verbot spezifischer Giftstoffe wie 6PPD ist nicht vorgesehen.
Für Landwirte ist die Lage kaum zu bewältigen. Sie können den Eintrag von Mikrogummi über Luft und Wasser kaum verhindern. Agrarökonomen warnen vor langfristigen Schäden der Bodenqualität und Ernteverlusten.
Die Forschung wird sich in den kommenden Monaten intensivieren. Besonders Wurzelgemüse wie Karotten stehen im Fokus. Hydrophobe Chemikalien aus Reifen reichern sich stark in den Wurzeln an.
Die Reifenindustrie sucht unter Druck nach Alternativen. Einige Hersteller erforschen bereits Ersatzstoffe für das problematische 6PPD. Bis zur Marktreife dürften jedoch noch Jahre vergehen.
Parallel wächst die Forderung nach besseren Filtern für Straßenabwasser. Moderne Anlagen an Autobahnen könnten einen Teil des Problems abfangen. Bis zu einer flächendeckenden Lösung wird der Reifenabrieb weiter seinen Weg vom Asphalt auf unsere Teller finden.
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