27.03.2026, 2854 Zeichen
Wolters Kluwer hat am Donnerstag gleich zwei strategische Entwicklungen bekanntgegeben: eine neue Partnerschaft im Bereich Kreditvergabe-Compliance und den Abschluss eines KI-Rollouts in Osteuropa. Beide Schritte zahlen direkt auf die „Expert AI"-Strategie des Unternehmens ein.
Fairness-KI für Banken
Die Financial & Corporate Compliance-Sparte kooperiert künftig mit dem US-Anbieter FairPlay AI. Wolters Kluwer wird dessen KI-gestützte Lösungen – darunter ein „Second Look"-Underwriting, Modellvalidierung und Proxy-Erkennung – in seine bestehende Fair Lending Wiz-Plattform integrieren und weitervertreiben.
Das Ziel: Finanzinstitute sollen Diskriminierungsrisiken in der Kreditvergabe automatisiert erkennen, beheben und dokumentieren können. Bislang klaffte zwischen Bias-Erkennung und tatsächlicher Behebung oft eine operative Lücke. Die Partnerschaft soll diese schließen und Compliance von einem reinen Kostenfaktor in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.
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Libra-Plattform jetzt in neun Märkten
Parallel dazu hat die Legal & Regulatory-Sparte den Rollout des KI-Arbeitsplatzes „Libra" in Osteuropa abgeschlossen. Die Plattform ist nun in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn und Rumänien verfügbar – und damit insgesamt in neun europäischen Märkten. Grundlage ist die Übernahme von Libra Technology im November 2025.
Libra kombiniert kuratierte Rechtsinhalte mit generativer KI, um Juristen bei Recherche, Vertragsentwürfen und -analysen zu unterstützen. Wolters Kluwer betont dabei einen datenschutzorientierten Ansatz: Kundendaten fließen nicht ins Training von Sprachmodellen ein, stattdessen setzt das Unternehmen auf Retrieval-Augmented Generation (RAG).
Rückkäufe laufen weiter
Das Aktienrückkaufprogramm 2026 schreitet planmäßig voran. In der Woche vom 19. bis 25. März erwarb Wolters Kluwer 107.852 eigene Aktien für insgesamt 6,9 Millionen Euro – zu einem Durchschnittspreis von 64,35 Euro. Seit Jahresbeginn summieren sich die Rückkäufe auf 130,1 Millionen Euro.
Die Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 28 Prozent im Minus und notiert damit deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 163,10 Euro. Die Rückkäufe erfolgen also zu erheblich günstigeren Preisen als noch vor wenigen Monaten. Der durchschnittliche Analystenkurs von 130,84 Euro signalisiert, dass die Bewertungslücke aus Marktsicht substanziell bleibt.
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